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Karriere im Kuhstall

Tierwirtin Yvonne Holzer hat ein Händchen für Kühe (Foto: Holzer privat)

Bankerin wird Tierwirtin / Yvonne Holzer (26) aus Balje ist bundesweit Spitze / Ziel: Herden-Managerin

tp. Balje. Yvonne Holzer (26) gehört zu den besten Nachwuchs-Tierwirtinnen Deutschlands. Die Auszubildende nahm kürzlich am Finale des Berufswettbewerbes der deutschen Landjugend 2015 in Rendsburg (Schleswig-Holstein) teil und wurde Dritte. Die patente Mittzwanzigerin, die früher Bankerin war, ist überzeugt: "Mit dem Umsatteln auf einen 'grünen Beruf' habe ich die richtige Entscheidung getroffen."
Die gebürtige Kielerin, die in Baden-Württemberg aufwuchs, machte nach dem Abitur eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Dann kamen die Liebe und der Umzug zu ihrer Lebensgefährtin ins beschauliche Nordkehdingen. Holzers Partnerin ist Landwirtin und arbeitet auf dem Milchvieh-Hof ihres Bruders und Vaters, der Lemke GbR im Elb-Dorf Balje. So stieg auch die tierliebe Yvonne Holzer in den 110 Hektar großen Familienbetrieb mit 250 Milchkühen und 200 Jungtieren ein.
Seit Yvonne Holzer Blazer, Rock und Pumps gegen Blaumann und Sicherheitsschuhe tauschte, heißt es "früh aufstehen": Um 4.45 Uhr beginnt der Stalldienst mit Melken, dem Reinigen der Boxen und dem Einstreuen der Ställe. Kühe werden gefüttert, Kälber medizinisch versorgt. Treckerfahren gehört ebenso zu dem handfesten Job wie im Sommer die Feldarbeit bei der Futterernte.
Besondere Befriedigung bei der Arbeit empfindet Yvonne Holzer, wenn sie beim Vieh-Auftrieb auf die saftigen Weiden der Kehdinger Elbmarsch in die Augen glücklicher Kühe schaut oder Kälbchen auf die Welt hilft. Auf Lemkes Hof erwacht fast täglich neues "tierisches Leben".
Der Beruf des Tierwirts ist in den neuen Bundesländern wesentlich weiter verbreitet als im Westen. Weil es in Niedersachsen kaum Berufsschulen für dieses Fach gibt, nimmt Yvonne Holzer regelmäßig lange Fahrten nach Sachsen-Anhalt in Kauf. An der Berufsschule in der Lutherstadt Wittenberg findet zweiwöchiger Blockunterricht statt. Wenn alles gut geht, hält Yvonne Holzer in einem Jahr den Gesellenbrief in der Hand. Anschließend will sie sich weiterbilden und auf Kälberzucht und Herdenmanagement, die systematische, computergestützte Leitung eines Milchviehbetriebs, spezialisieren.
Gute Kenntnis in Berufstheorie und -praxis stellte Yvonne Holzer schon jetzt unter Beweis. Beim 32. Berufswettbewerb des Landjugend punktete sie, indem sie Fütterungsfehler samt seiner Auswirkungen auf die Tiergesundheit erkannte. Zudem musste sie eine Bonitur, die fachgerechte, qualitative Beurteilung einer Weide durchführen, Futtermittel bestimmen, eine Tagesration für bestimmte Tiere errechnen und den Tierkomfort eines Stalles beurteilen. Die Baljerin schaffte es in die Top 3 der Nachwuchs-Kräfte ihres Fachs.
Yvonne Holzer sieht sich gut gerüstet für die Zukunft: Bei der Lemke GbR gibt es viel zu tun. Die Weichen sind auf Expansion gestellt. Ein neuer Stall für Kühe mit neugeborenen Kälbern ist im Bau.