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Kaum noch Zeit für Physik

Die Schulleiter Marga Cochu (v.li.), Claudia Bruns und Peter Haupt brauchen dringend mehr Kollegen an ihrer Schule

Lehrermangel an der Oberschule Nordkehdingen: Elternvertreter wenden sich an das Kultusministerium


sum. Freiburg. Musik und Religion wurden an der Grund- und Oberschule Nordkehdingen (GOBS) nicht erteilt, für Physik und Chemie blieb kaum Zeit und Französisch konnten die Schüler nur lernen, weil regelmäßig eine „Feuerwehrlehrkraft“ aus Fredenbeck anreiste. Mit dem Eintritt in den Ruhestand verliert die Schule darüber hinaus zwei Mathematik-Lehrer, so dass es im kommenden Schuljahr auch hier zu Engpässen kommen wird. Den Elternvertretern reichte es jetzt: Mit einem Schreiben wandten sie sich an das Kultusministerium und verlangten eine bessere Unterrichtsversorgung.

Auf seiner Internetseite teilt das Niedersächsische Kultusministerium mit, dass an den allgemein bildenden öffentlichen Schulen im Schuljahr 2015/2016 über alle Schulformen hinweg zum Stichtag 15. September 2015 eine Versorgung von 99,5 Prozent erreicht wurde. Doch insbesondere an den ländlichen Schulen sieht die Lage anders aus. Das machte Peter Haupt, Schulleiter der GOBS auf der vergangenen Schulausschuss-Sitzung noch einmal deutlich: „Die Lehrer können sich ihre Schule aussuchen. Und da städtische Schulen nach wie vor bevorzugt werden, fallen wir regelmäßig hinten runter.“

So erteilte die GOBS im vergangenen Jahr von den erforderlichen 712 Unterrichtsstunden gerade mal 611. Vier Vollzeit-Lehrkräfte fehlten also. Eine der drei ausgeschriebenen Stellen wurde besetzt. „Dank Frau Stüer vom Ministerium haben wir für die zweite Stelle kurzfristig eine einjährige Vollzeit-Vertretungskraft gefunden“, erklärte Peter Haupt. Die dritte Stelle strich das Kultusministerium jedoch aus finanziellen Gründen.

Nach Auskunft der stellvertretenden Samtgemeindebürgermeisterin Erika Hatecke sicherten die Landtagsabgeordneten Kai Seefried (CDU) und Petra Tiemann (SPD) ihre Unterstützung zu. Doch das sieht auch Kherim Fatnassi kritisch: „Seit zehn Jahre will die Politik den ländlichen Schulen helfen,“ erklärte der Samtgemeinde-Jugendpfleger, „doch es passiert einfach zu wenig.“ Bei seiner Arbeit sieht er täglich, wie rasant sich die Schülerschaft ändert und wie viele „soziale Baustellen“ es gibt. Seiner Auffassung nach können die vorhandenen Lehrer das nicht mehr allein schaffen. „Es brodelt in mir,“ erklärt er und machte seinem Unmut Luft: „Worauf warten wir noch? Eigentlich müssten wir geschlossen in Lüneburg stehen.“

Bevor die Samtgemeinde-Schulausschussmitglieder jedoch weitere Schritte einleiten, wollen sie bis zum Ende der Sommerferien abwarten, ob und wie das Kultusministerium auf das Anliegen der Eltern reagiert.