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"Kehdingen braucht keine Wölfe"

(Foto: Thomas Ix)

Podiumsdiskussion in Freiburg: Bislang keine bestätigten Sichtungen im Landkreis Stade


sum. Freiburg.
Der kürzlich bekannt gewordene „Problem-Wolf“ aus Goldenstedt im Landkreis Vechta, der nachweislich über 30 Nutztiere riss, schürt die Ängste auch bei Landwirten und Schäfern in Kehdingen. Das zeigte sich während einer Podiumsdiskussion im Kornspeicher, an der mehr als 130 Zuhörer gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Jägerschaft, Landwirtschaft und Naturschutz teilnahmen.

Zwar hat sich der Isegrim nach den Erläuterungen des Präsidenten der Landesjägerschaft Helmut Dammann-Tamke bislang im Landkreis Stade noch nicht blicken lassen. Doch aufgrund der steigenden Population sei dies nur eine Frage der Zeit. In den vergangenen zwei Jahren überlebten in Niedersachsen jeweils rund 70 Wolfs-Welpen, sodass es großes Potential für neue Rudelbildungen gibt. Jedes Rudel braucht ein Territoritum von 200 bis 300 Quadratkilometern, so dass die Tiere daher zwangsweise auch irgendwann in Kehdingen auftauchen.

Schäfer Kay Krogmann aus Freiburg und Nebenerwerbslandwirt Horst Wilkens aus Wischhafen sprachen vielen Gästen aus der Seele: „Wir brauchen den Wolf hier nicht.“ Krogmann besitzt mehr als 1.000 Schafe, mit denen er insbesondere die Deiche entlang der Elbe in Nordkehdingen pflegt. Er berichtete von sechs Übergriffen auf seine Tiere im Landkreis Cuxhaven. Der Hirte beklagte insbesondere die schleppende und auch mangelnde finanzielle Unterstützung. Zuschüsse für gerissene Tiere und Schutzvorrichtungen sind schnell ausgeschöpft. „Auf dem Rest bleiben wir sitzen,“ erboste sich Krogmann. Wolfsfreund Uwe Martens und Olaf Buschmann von der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde wandten zwar ein, dass immer wieder neue Herdenschutzmaßnahmen durch besondere Hundezüchtungen und trainierte Esel entwickelt werden. Dem stellte Krogmann jedoch die hohen Anschaffungskosten von rund 3.000 Euro pro Hund entgegen: „Und ich bräuchte mindestens zehn Tiere.“

Auch Horst Wilkens outete sich als Gegner des Isegrim und begründete seine Meinung damit, dass ein Zusammenleben von Wölfen und landwirtschaftlichen Nutztieren „in einem Gebäude“ nicht ohne Regeln funktioniere. Die Politik stehe in der Pflicht, nicht nur den Schaden bei einem Riss, sondern auch bei Verletzungen zu ersetzen. „Was ist, wenn ein Springpferd vom Wolf derart verängstigt wird, dass es anschließend nicht mehr geritten werden kann“, fragte er.

Am Ende des Abends waren sich die auf dem Podium sitzenden Wolfsfreunde und -gegner aber einig: „Der Wolf braucht ein Management“. Helmut Damman-Tamke, der auch eine geregelte Jagd auf das Tier für sinnvoll hält, brachte es auf den Punkt: „Wenn wir die Entscheidung, mit wie vielen Wölfen wir in Deutschland leben wollen, dem Wolf überlassen, haben wir bald ein großes Problem.“