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Kehdingen: Der Wolf als Internet-Star

Schäfer Kevin Höft ist froh, dass seine Tiere auf den Deichen in Nordkehdingen bislang vom Wolf verschont geblieben sind
 
Klaus Leidecker aus Balje zeigt, wo der Wolf seelenruhig über seinen Hof lief
sum/bc. Kehdingen. So gute Video-Aufnahmen vom Wolf, wie sie vor wenigen Tagen gleich mehrfach im Internet auftauchten, sind extrem selten von Hobby-Filmern gemacht worden. Minimum vier Mal sichteten unterschiedliche Bürger Isegrim im Land Kehdingen. Dank der sozialen Medien verbreiteten sich die Filme in Windeseile.
Klaus Leidecker traute seinen Augen kaum, als mitten auf seinem Hofplatz in Balje plötzlich ein Wolf stand und neugierig guckte. „Wir riefen und klatschten in die Hände, doch das störte ihn nicht“, erzählt der Deichgraf, der das Tier filmte, als es sich ohne Eile in Richtung Süden aufmachte. „Möglicherweise war es auch das Tier, das vor einigen Tagen bei meinem Schwager in Geversdorf drei Schafe verletzt und eines gerissen hat“, vermutet der Landwirt.
„Als ich diesen Film sah, bin ich sofort zu meinen Schafen gefahren“, berichtet Kevin Höft aus Balje. Auf der Fahrt dorthin trafen der Schäfer und sein Beifahrer tatsächlich auf den Wolf. Auch sie filmten die Begegnung. „Er lief vor uns her, guckte sich ein paar mal neugierig um und verschwand dann in einem Rapsfeld“, erzählt der 38-Jährige, der auf den Deichen in Nordkehdingen insgesamt zehn Herden mit jeweils rund 160 Tieren hält. „Mir kann keiner erzählen, dass dieser Wolf scheu ist,“ sagt der Schafzüchter, der froh ist, dass seinen Tieren an diesem Tag nichts passierte. Sie grasen hinter einem 90 Zentimeter hohen, angeblich wolfssicheren Zaun auf dem Deich. Doch Kevin Höft und Deichgraf Klaus Leidecker haben ihre Zweifel. „Meine Hunde springen ohne Probleme über diesen Zaun, dann schafft es auch ein Wolf“, sagt der Schäfer.

Auch Nordkehdingens Samtgemeinde-Bürgermeister Edgar Goedecke und Bauamtsleiter Ernst Hülsen staunten nicht schlecht, als ihnen bei einem Außentermin am Donnerstagvormittag im ehemaligen Außendeich der Wolf über den Weg lief. „Er interessierte sich für ein paar Ochsen und verschwand in einem Rapsfeld in Richtung Balje als wir kamen“, erzählt Goedecke.
Am Nachmittag geriet dann ein Wolf im Bereich Süderdeich-Ost vor die Kamera - bereits die vierte Aufnahme, die in den sozialen Netzwerken veröffentlicht wurde und innerhalb weniger Stunden tausendfach geteilt wurde. Solche Aufnahmen am helllichten Tag sind im Landkreis Stade bislang sehr selten gelungen.
„Ich konnte das Tier aus meinem Garten heraus filmen. Anschließend lief er zum Hof unseres Nachbarn“, erzählt ein Baljer, der aus Angst vor Anfeindungen nicht genannt werden möchte. „Ich würde meine Kinder jedenfalls nicht mehr alleine draußen spielen lassen“, warnt der Filmer. Ein weiteres Video zeigt den Wolf in Oederquart-Wetterdeich, wo das Tier gemütlich durch eine Herde neugierig guckender Kühe läuft und sich trotz lauter Rufe des Filmenden nicht aus der Ruhe bringen lässt. Jürgen Albrecht aus Freiburg und sein Kollege wurden während der Baggerarbeiten auf das Tier aufmerksam, weil die Kühe zunächst verrückt spielten. „Die beruhigten sich aber sofort wieder“, erzählt der Baggerfahrer, der erstaunt war, dass weder Wolf noch Kühe Angst zeigten.
Schon am Freitagmorgen kursierten die nächsten Filme im Netz. Dieses Mal wurde der Isegrim in Drochtersen-Ritsch und an der Aschhorner Straße in Richtung Drochtersen gesichtet. „Ich war um neun Uhr mit meinem Vater in Richtung Moor unterwegs“, erzählt ein junger Landwirt aus Drochtersen, der ebenfalls nicht genannt werden möchte. „Ich drehte um und konnte das Tier in aller Ruhe aus dem Wagen heraus filmen und fotografieren“, beschreibt der Mann die Situation, „er erledigte sogar sein Geschäft vor unseren Augen.“
Wolfsberater Uwe Seggermann erklärt auf Rückfrage, dass auf den Filmen wohl tatsächlich jeweils ein junger Wolf zu sehen ist. Dass es sich dabei immer um das gleiche Tier handelt, bestätigte er jedoch nicht: „Dafür bräuchten wir weitere Spuren“. Er vermutet aber, dass es sich um ein oder mehrere Jungtiere aus dem Cuxhavener Rudel handelt, die jetzt von ihrer Familie verscheucht werden, da neuer Nachwuchs kommt. Er bittet, Wolfssichtungen möglichst mit Bildmaterial der Landesjägerschaft zu melden oder sich an ihn (Telefon: 04149 – 93009 oder 0151 – 40510117) zu wenden.

Zwei Filme mit dem Kehdinger Jungwolf auf unserer Facebook-Seite