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Kein Paradies für Freizeitreiter

Die Pferdeliebhaberin Sylvia Grove-Dittmer ist sich sicher, dass die Region für Freizeitreiter nur mit dem Ausbau und der Wiederherstellung von Wanderwegen interessant werden kann
sum. Engelschoff. „Wer aufs Land zieht, um mit seinem Pferd durch die freie Natur zu reiten, für den folgt in dieser Region schnell die Ernüchterung.“ Das war der erste Gedanke, den Sylvia Grove-Dittmer (34) aus Engelschoff nach der Lektüre des kürzlich erschienenen WOCHENBLATT-Artikels „Pferdezucht im Sinkflug“ hatte.
Wie berichtet, fand in Freiburg eine Veranstaltung zu der immer noch stagnierenden Pferdezucht in Kehdingen statt, in dem der Tierarzt und Vorsitzende des Unterelberscher Renn- und Reitvereins, Dr. Martin Lübbecke, erklärte, dass das Freizeitpferd eine immer größer werdende Position einnimmt. Zwar ist auch Sylvia Grove-Dittmer der Auffassung, dass die Anzahl der Freizeitreiter stark wächst. „Viele Leute, die heute bewusst von der Stadt in ein Haus auf dem Land ziehen, träumen davon, in der Freizeit auf dem Rücken eines Pferdes in schöner Natur die Seele baumeln zu lassen,“ weiß die zweifache Mutter. Ihre Eltern hatten einen Zuchtbetrieb, sie ist mit Pferden groß geworden und arbeitet als Reitlehrerin und -therapeutin. „Doch wer mit seinem Pony oder Pferd in das berühmte Pferdeland Kehdingen zieht, wird schnell enttäuscht“, meint die junge Frau, die auch die übrige Region nicht wirklich für diese Art des Freizeitsports geeignet hält.
„Es gibt hier kaum noch Wege, auf denen man unbeschwert reiten kann“, bedauert die Pferdeliebhaberin. Die Wirtschaftswege, auf denen Reiter früher hoch zu Ross über Stock und Stein von einem Ort zum anderen galoppierten, gibt es heute nicht mehr, werden durch Zäune versperrt oder befinden sich in einem schlechten Zustand. „Noch vor 30 Jahren gelangten die Reiter aus Drochtersen auf dem Rücken der Pferde durch das Moor nach Engelschoff,“ weiß Sylvia Grove-Dittmer. Heute müssen die Pferde im Anhänger durch die Gegend kutschiert werden, um dann ihre Runden bei einem der regionalen Reitvereine zu drehen. „Wer in dieser Gegend einen ausgiebigen Ausritt durch die Natur machen möchte, muss schon in die Wingst (Landkreis Cuxhaven) fahren,“ sagt die Reiterin.
Mit Nachdruck erklärt sie: „Wenn das Pferd als Wirtschaftsfaktor für die Region dienen soll und die Politik die wachsende Gruppe der Freizeitreiter wirklich ernst nehmen will, muss sie bei den Wegen anfangen.“ Nur mit dem Ausbau des Wanderwegenetzes, das auch von Reitern genutzt werden kann, steigen Immobilien mit Pferdehaltungsmöglichkeit im Wert. Für landwirtschaftliche Betriebe könnte das Einstellen von Pferden lukrativ werden. Außerdem würde der sanfte Tourismus profitieren und mit ihm Gaststätten und Übernachtungsbetriebe. Sylvia Grove-Dittmer ist sich sicher: „Nur so kann Kehdingen tatsächlich irgendwann ein Paradies für Freizeitreiter werden.“