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Meister Adebar erhält Asyl

Storchen-Retterin Rita Büther (li.) freut sich gemeinsam mit der Familie von Spreckelsen, dass die Störche wieder auf der Nachbarschaft brüten dürfen
 
Vater Storch bleibt seinem Lieblings-Brutplatz treu

Storchennest auf Hochspannungsmast sollte entfernt werden / Anwohnerin wird zur Storchen-Retterin


sum. Osten.
Dem beherzten Eingreifen ihrer „Nachbarin“ ist es zu verdanken, dass ein bereits aus dem Winterurlaub zurückgekehrtes Storchenpaar sein altes Brut-Domizil auf dem Arm eines Hochspannungsmastes wieder beziehen kann.

Rita Büther ist stolz, dass das Storchennest in ihrer Nachbarschaft bereits zum dritten Mal bezogen wird, auch wenn das schnabel-klappernde Pärchen einen scheinbar gefährlichen Ort zur Aufzucht ihrer Jungen gewählt hat. Denn das Nest in dem an der Grenze zum Landkreis Stade gelegenen Ortsteil Osten-Schüttdamm (Samtgemeinde Hemmoor) befindet sich auf einem Hochspannungsmast der Leitung zwischen Hemmoor und Freiburg.

Im Februar stellte Rita Büther zum ersten Mal fest, dass Mitarbeiter des Stromanbieters Avacon aus Helmstedt das auf dem Mast vorhandene Nest der Langschnäbel entfernt haben. Vater Storch ließ sich jedoch bei seiner Rückkehr aus dem Süden durch den leeren Mast nicht beirren und fing an gleicher Stelle mit dem Bau der neuen „Kinderstube“ an. Das rief die Mitarbeiter des Stromanbieters abermals auf den Plan. Sie entfernten das Astgebilde ein weiteres Mal und brachten rot-weißes Flatterband sowie ein kleines, in der Sonne blinkendes Windrad an, in der Hoffnung, den Storch so vom Mast fernzuhalten.

Vergeblich: Meister Adebar und seine zwischenzeitlich heimgekehrte Frau starteten einen weiteren Versuch, endlich eine Heimat für sich zu errichten. Als auch dieses Unterfangen von den Avacon-Mitarbeitern vereitelt werden sollte, rechneten sie nicht mit dem Einsatz der Storchen-Retterin Rita Büther. Sie machte den Männern erfolgreich klar, dass sie die Finger von dem Nest lassen sollten.

Auf Rückfrage des WOCHENBLATT erklärte Pressesprecherin Corinna Hinkel von der Firma Avacon, der Umzug der Störche sei erforderlich, da der Hochspannungsmast mehrmals im Jahr unter anderem zu Wartungsarbeiten bestiegen werden müsse und man befürchte, die Tiere bei Brut und Aufzucht zu stören. Gegenüber Rita Büther begründete ein Mitarbeiter vor Ort den versuchten Nestabriss mit der Behauptung, dass im vergangenen Jahr zwei der vier Jungstörche gegen die Leitung geflogen und verendet seien. Doch Rita Büther konterte: „Die Jungvögel konnten noch gar nicht fliegen und sind aus dem Nest gefallen.“

Achim Mülter, Storchenbeauftragter im Landkreis Cuxhaven bestätigte dem WOCHENBLATT, dass es gerade bei einer großen Anzahl von Jungen immer vorkommen kann, dass sich die Tiere im Gerangel gegenseitig aus dem Nest schubsen. Ihm ist es zwischenzeitlich gelungen, die Wogen zwischen Storchenliebhaberin und Stromanbieter zu glätten. In diesem Jahr darf das Storchenpaar ihren Nachwuchs noch einmal auf dem Hochspannungsmast aufziehen. Erst im Herbst, wenn die Störche wieder in den Süden fliegen, soll gemeinsam über einen möglichen Umzug des Storchenpaares an einen ruhigeren Ort beraten werden.

Und Achim Mülter konnte Rita Büther beruhigen: Da Meister Adebar und seine Frau schon frühzeitig aus dem warmen Süden zurückgekehrt sind, haben sie noch genug Zeit, das Nest zu bauen, Eier zu legen und wieder für Nachwuchs zu sorgen.