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Pferde als Wirtschaftsfaktor

Gastpferde sind ein Wirtschaftsfaktor für Kehdingen, der nach Auffassung der Pferdezüchter nicht zu verachten ist (Foto: sum)

Zucht im Sinkflug / Breitensport und Gastpferde in den Fokus nehmen


sum. Kehdingen. Dass die Pferdezucht in Kehdingen nach wie vor ein Thema ist, war auf dem Speichergespräch deutlich zu merken. Mehr als 100 Gäste füllten in der vergangenen Woche das Dachgeschoss des Kornspeichers in Freiburg. Mehr als die Hälfte von ihnen stammte aus oft schon alteingesessenen Kehdinger Züchterfamilien.

„Als meine Tochter das Reiten für sich entdeckte, war sie für das Familiengeschehen abgemeldet“, eröffnete Moderator Jörg Petersen den Abend und entführte die Besucher mit alten Fotos zunächst in die Vergangenheit der regionalen Pferdezucht. Das Ziehen von Pflügen, Drillmaschinen und Selbstbindern gehörte damals genauso wie der Einsatz im Krieg zu den Hauptaufgaben der Vierbeiner. Die Zucht insbesondere von Hannoveraner Warmblütern war immer ein wichtiges Standbein in der Landwirtschaft.

„Wenn man die alten Bilder sieht, fällt es schwer, eine Verbindung zu heute herzustellen“, erklärt Ira Hagemann, seit einem Jahr Vorsitzende des Pferdezuchtvereins Kehdingen. Während das Pferd früher ein elementarer Bestandteil auf jedem Hof war, ist es jetzt eigentlich ein „Luxusgegenstand“ und „Sportgerät“. „Die Züchtung von erfolgreichen Sportpferden ist heute unser Ziel“, erklärt Hagemann. „Jedoch nimmt auch das Freizeitpferd eine immer größer werdende Postion ein“, ergänzt Dr. Martin Lübbecke, Tierarzt und Vorsitzender des Unterelbescher Renn- und Reitvereins.

„Die Pferdezucht in Kehdingen ist derzeit noch im Sinkflug“, beschreibt Ira Hagemann die Lage und erklärt, dass sich die Zahl der Zuchtstuten in den letzten Jahren nahezu auf rund 270 Tiere halbiert hat. Jedoch ist die Zucht und insbesondere die Pferdehaltung nach wie vor ein großer Wirtschaftsfaktor in Kehdingen. Hans-Heinrich von der Decken, Züchter und Vorsitzender des Bezirksverbandes Stade Hannoverscher Warmblüter erläutert, dass jedes Jahr zwischen 500 und 1.000 Gastpferde auf dem satten Grün zwischen Elbe und Oste laufen: „Das ist unsere Chance.“ Viele Pferdebesitzer bringen ihre Stuten zum Abfohlen, zur Besamung und den Nachwuchs zur Ausbildung in die Region. „Und mit den Tieren kommen ja auch ihre Besitzer, die für einige Tage die Betten in der Region füllen können“, ergänzt Freiburgs Bürgermeister Herwart von der Decken.

„Wir müssen aber aufpassen, dass das Pferd nicht tatsächlich zum Wohlstandsprodukt wird“, meldet sich Jens Nordlohne aus dem Publikum. Er wies auf die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes hin, nach der Kommunen neben der Hunde- auch eine Pferdesteuer erheben könnten, die beispielsweise in Hessen pro Tier bei mehreren Hundert Euro liegt. „Dann können sich viele Normalbürger gar kein Pferd mehr leisten“, machte Nordlohne klar und wies darauf hin, dass sich die hiesige Politik bereits jetzt mit diesem Thema auseinandersetzen müsse.