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Schutz auf 6.000 Hektar

Der Entwurf zur Verordnung des Landkreises Stade über das Landschaftsschutzgebiet "Kehdinger Marsch" liegt auf dem Tisch (Foto: sum)

Entwurf für Verordnung Landschaftsschutz "Kehdinger Marsch" liegt vor / Bedenken in Nordkehdingen

sum. Nordkehdingen. Der Vertragsnaturschutz in Nordkehdingen und Drochtersen ist, wie berichtet, vor einem Jahr vom Umweltministerium vom Tisch gefegt worden. Jetzt liegt den Kommunen und Verbänden der Entwurf für eine Verordnung des Landkreises Stade über das Landschaftsschutzgebiet „Kehdinger Marsch“ vor.

Zur Erinnerung: Mehr als 6.000 Hektar entlang der Elbe sollen unter Schutz gestellt werden. Die Landwirte handelten zwar mit dem Landkreis einen Vertragsnaturschutz aus. Das Umweltministerium beharrte jedoch auf seinem Standpunkt, dass das EU-Vogelschutzgebiet hoheitlich zu sichern ist und Vertragsnaturschutz keinen 100prozentigen rechtlichen Schutzstatus biete und Wirkung nur zwischen Landwirten und Landkreis entfaltet hätte.

Seit Anfang Februar liegt der Verordnungs-Entwurf für das geplante Landschaftsschutzgebiet vor und wird genau unter die Lupe genommen. Während die erforderlichen Sitzungen in Drochtersen noch bevorstehen, sind die Räte und Ausschüsse in Nordkehdingen schon fleißig und haben bereits einige Punkte entdeckt, die so nicht in Ordnung sind. Zum einen wurde die Wischhafener Süderelbe zum Schutzgebiet erklärt. Das würde bedeuten, dass nicht nur das regelmäßige Befahren mit Modellbooten und Schiffen, sondern auch das Angeln tabu wäre. Ebenso ist dann Schluss mit der Entnahme von Beregnungswasser und Schlick und dem Einleiten geklärten Abwassers.

Zum anderen gehören nach dem Entwurf der Abenteuerspielplatz und die Liegewiese in Krummendeich ebenso zum Schutzgebiet wie der gesamte durch den Ringdeich in Freiburg eingedeichte Bereich. Und auch bei dem verbotenen Einbringen und Entnehmen von Pflanzen sieht Edgar Goedecke Probleme: „Dann dürfte der im Obstbau gefürchtete Rotdorn nicht mehr entfernt werden.“ Horst Wilkens wies insoweit auch auf das Verbot von Pflanztunneln hin, von dem ein in Freiburg ansässiger Kartoffel-Zuchtbetrieb massiv betroffen wäre. Sowohl die Samtgemeinde als auch die betroffenen Gemeinden werden daher bis zum 15. März Stellungnahmen abgeben.

Herwart von der Decken aus Freiburg machte auf der Sitzung des Bau- und Wegeausschusses der Samtgemeinde deutlich klar: „Wenn die Verordnung durchgeht, dann ist das festgezimmert und es rührt sich nichts mehr. Das muss für uns als letzte Gelegenheit gesehen werden, sich nicht wieder an die Wand drücken zu lassen.“ Er hält auch eine Rücksprache mit den Landwirten für erforderlich, um mit einer Stimme zu sprechen.

Doch die sind noch gar nicht beteiligt. Landwirt Henning Janßen aus Oederquart gibt sich auf Rückfrage des WOCHENBLATTs enttäuscht: „Das Verfahren läuft ohne die Landwirte vor Ort. Es gab keine Zusammenarbeit mit dem Aktionskreis, so wie es von der Politik gewollt war. Somit liegt derzeit eine Stellungnahme nur bei den Verbänden und Kommunen, was sehr bedauerlich ist.“