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Schutzgebiet: „Grenzen mit dem dicken Edding gezeichnet“

Dietrich Pohndorf vom Wassersportverein machte klar, welche Auswirkungen das geplante Schutzgebiet auf die Vereinsarbeit hat (Foto: sum)
Gemeinde, Vereine und Firma kritisieren Landschaftsschutzgebiet

sum. Wischhafen. Es hagelt weiter Kritik am Landschaftsschutzgebiet „Kehdinger Marsch“. In der vergangenen Woche trafen sich auf Einladung der CDU-Fraktion zahlreiche Vertreter aus den Gemeinden, Vereinen und Firmen in Kehdingen, um sich über die vom Landkreis geplante Verordnung auszutauschen.
Wie das WOCHENBLATT berichtete, sollen rund 6.600 Hektar in Kehdingen unter Schutz gestellt werden. Insgesamt 122 Stellungnahmen gingen beim Landkreis Stade ein. „Hätte man vorher mit den Menschen vor Ort gesprochen, wären es vielleicht nur 40 geworden“, ist sich Klaus-Hinrich Breuer vom Kreisbauernverband Stade sicher.
„Auf einer kleinen Maßstabskarte wurden die Grenzen mit einem dicken Edding eingezeichnet“, kritisierte Axel Meyer von der Karl Meyer AG. Die derzeit vorgesehene Grenze läuft mitten durch den Elbe-Anleger der Firma. CDU-Kreisverbandsvorsitzender Kai Seefried erläuterte, dass in vielen Fällen das zu schützende Gebiet nicht klar abgegrenzt ist und Edgar Goedecke, Samtgemeinde-Bürgermeister in Nordkehdingen, machte klar, dass die EU-Vogelschutz- und die FFH-Richtlinien miteinander vermischt würden. So verlaufe die Grenze in der Wischhafener Süderelbe einmal entlang des Krautsander Ufers und dann wieder mitten in der Elbe.
Johann von der Decken vom Arbeitskreis Natura 2000 ist der Auffassung, dass es sich um eine Naturschutzverordnung handelt: „Es sind eindeutige Passagen aus dem Naturschutzgesetz enthalten.“ „Was hat man mit Kehdingen vor?“ fragte Herwart von der Decken, Landwirt und Bürgermeister aus Freiburg, „durch die Verordnung wird die Wirtschaftlichkeit einer ganzen Region in Frage gestellt.“ Auch Bürgemeister Hermann Bösch aus Balje ist verärgert: „Hätte sich der Landkreis an seine Versprechungen gehalten, wäre die Verordnung überhaupt kein Problem.“ Bürgermeisterin Christiane von Decken aus Krummendeich bangt um die Lebensqualität der Bürger. Und auch der Tourismus werde deutlich unter der Verordnung leiden.
Dietrich Pohndorf vom Wassersportverein Drochtersen machte noch einmal deutlich, dass auch die Vereine Probleme bekommen werden. Wird die Gauensieker Süderelbe wie geplant unter Schutz gestellt, ist beispielsweise eine Nutzung des Gewässers durch Boote und eine schon lange geplante Gebäude-Erweiterung nicht mehr möglich. „Unter Umständen dürften wir das Ufer des Kotterbachsees nicht mehr nutzen“, erklärt Manfred Gabriel, Vorsitzender des Sportfischervereins Drochtersen, „können wir aber kein Wasser mehr zuführen, fällt der künstlich angelegte See irgendwann trocken.“ Volker von Bargen, Hafenmeister in Wischhafen verlangt: „Die Schifffahrt muss explizit als erlaubt in die Verordnung aufgenommen werden. Denn sonst ist hier bald
Feierabend.“
CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzender Helmut Damman-Tamke stellte zusammenfassend fest: „Die Seele von Kehdingen wird berührt.“ Er machte klar, dass die Betroffenen beteiligt werden müssen und Vertrauen zu schaffen ist.