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Sozialstunden als Unterrichtsfach

Fachlehrer Randolf Nettner (li.) würde gerade den Jungs auch gerne das Profil "Technik" anbieten. Doch noch müssen sich die Realschüler der Oberschule Nordkehdingen mit dem Profilfach "Gesundheit und Soziales" arrangieren
Freiburg (Elbe): Oberschule Nordkehdingen |

Lebensnah: Oberschule Nordkehdingen hat eine praktische Antwort auf den Lehrermangel gefunden


sum.Freiburg. Während die meisten Schüler Freitagnachmittag das geliebte Wochenende einläuten, machen sich einige Schüler aus Freiburg auf den Weg zum örtlichen Seniorenheim, um dort ihre „Sozialstunden“ abzuleisten. Auch wenn der Name es vermuten lässt, haben die Pennäler nichts „ausgefressen“, sondern in ihrer Schule das Profilfach „Gesundheit und Soziales“ belegt.

Laut Auskunft des Niedersächsischen Kultusministeriums sollen Realschulen den Neunt- und Zehntklässlern im Wahlpflichtbereich mindestens ein Profilfach aus den Gebieten Sprachen, Wirtschaft, Technik oder Gesundheit und Soziales anbieten. Die Schüler können sich so ihren Neigungen entsprechend optimal unterrichten lassen und sich auf eine spätere Ausbildung vorbereiten.

Die Oberschule Nordkehdingen in Freiburg an der Elbe ist eine der wenigen Schulen im Landkreis Stade, die schon seit mehreren Jahren mit diesem Profilangebot arbeitet. Wegen des Lehrermangels gibt es aber neben dem Sprachangebot Französisch, für das sich die Schüler bereits in der sechsten Klasse entscheiden, nur das Profilfach „Gesundheit und Soziales“. Sehr zum Leidwesen gerade der Jungs, die lieber die Bereiche Technik oder Wirtschaft gewählt hätten. Fachlehrer Randolf Nettner erklärt: „Natürlich würden wir auch gerne das Profil Technik anbieten. Doch die Suche nach Lehrkräften gestaltet sich schwierig.“

Daher müssen sich die Schüler aus Freiburg mit dem einzigen Profilangebot „Gesundheit und Soziales“ arrangieren. Während in der neunten Klasse vier Stunden Fachunterricht angesagt sind, geht es in der zehnten Klasse raus in die Praxis. Auch hier hat der Lehrermangel für diese praktische Lösung gesorgt. Zwei Stunden wöchentlich müssen sich die Schüler entweder schulintern als Sport-Assistenzlehrer, Betreuer einer Arbeitsgemeinschaft, Spielzeug-Ausleiher, Sanitäter im schulmedizinischen Dienst oder Nachhilfelehrer unter Beweis stellen.

Die Schüler können aber auch außerhalb der Schule in einer gemeinnützigen Einrichtung mitarbeiten. Ob Sportverein, Konfirmandenunterricht, Kindergarten, Bücherei oder Seniorenheim, die Realschüler sind in den örtlichen Einrichtungen gern gesehene Helfer.

"Einerseits werden so ohne zusätzliche Lehrerstunden einhundert Prozent des Profiles erfüllt," erklärt Schulleiterin Marga Cochu, "zum anderen lernen die Schüler, Verantwortung für sich und das Gemeinwesen zu übernehmen."