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Tote Schafe! War es der "böse Wolf"?

Massaker auf der Schafweide (Foto: Privat)
 
Neun der 17 Mutterschafe haben zwar den Angriff überlebt, ob sie und ihre noch nicht geborenen Lämmer es aber tatsächlich schaffen, bleibt abzuwarten (Foto: sum)

Attacke auf Weide in Kehdingen: Schäfer geschockt / DNA-Proben entnommen

sum. Oederquart. War es ein Wolf oder vielleicht sogar mehrere? Oder sind wildernde Hunde in einen Blutrausch geraten? Mit diesen Fragen muss sich zur Zeit Schäfer Sören Stehr (32) aus Kehdingen beschäftigen. 17 seiner Mutterschafe wurden in der Nacht zu Freitag attackiert, acht überlebten das Massaker nicht. Tatort ist eine Winterweide, 1,5 Kilometer von Stehrs Haus in Oederquart-Dösemoor entfernt.

Es wäre der erste Angriff eines Wolfes im Landkreis Stade. Erstmals vor etwa einem Jahr sind Wölfe in Kehdingen gesehen worden. Ob es sich in diesem Fall tatsächlich um einen Wolf gehandelt hat, ist aber unklar. Sören Stehr hat sofort die Polizei und den Wolfsberater Heiko Hellmann aus Cuxhaven informiert, der DNA-Proben entnehmen konnte. „Mit einem Ergebnis ist erst in drei Monaten zu rechnen“, erzählt der Schäfer.

Die Crux an der Geschichte ist, dass Stehr erst Anfang Januar beim Naturschutzamt einen Antrag auf Präventionsmaßnahmen gestellt hat, da auch der Landkreis Stade seit einiger Zeit als Wolfsgebiet gilt. „Ich wollte die Winterweide schnellstmöglich wolfssicher einzäunen", erklärt der zweifache Vater, der aber vom Amt wegen der Vielzahl von Anträgen um Geduld gebeten wurde.

Auch der benachbarte Jagdpächter Bent Beckmann und Hegering-Leiter Andreas Friedrich sind geschockt. „Man könnte schon vermuten, dass es sich um einen Wolf oder bei der Anzahl der verletzten Schafe sogar um mehrere Wölfe handelt", erklärt Andreas Friedrich. Sie würden dem Schäfer gerne helfen. "Aber beim Wolf sind uns ja bekanntlich die Hände gebunden", erklärt Bent Beckmann.

Wildernde Hunde in der Region seien weder den Jägern noch dem Schäfer bekannt. „Sollten es aber Hunde gewesen sein, finde ich es unverantwortlich, wenn die Halter ihre Tiere einfach frei herumlaufen lassen", erbost sich Sören Stehr.

Anzeichen deuten auf Wolfs-Attacke hin

Schafsrisse: Jäger-Präsident nimmt Stellung

sum/jd. Oederquart. Schäfer Sören Stehr (32) aus Oederquart-Dösemoor ist noch immer geschockt. 17 seiner Mutterschafe wurden vor wenigen Tagen schwer verletzt. Acht davon so schwer, dass sie nicht überlebten. Ob der "Täter" ein Wolf oder wildernde Hunde waren, ist unklar.

Insgesamt 400 Muttertiere hält der Jung-Schäfer gemeinsam mit seiner Ehefrau Jana (33). Zunächst im Nebenerwerb tätig, hat sich das junge Paar im April zur Selbständigkeit entschlossen.

Die Lammzeit steht kurz bevor. Daher laufen die meisten Tiere auch in der Nähe des Hauses, damit sie nach dem Ablammen einige Zeit im Stall verbringen können. Doch 100 Tiere grasen noch auf der entfernteren Winterweide, wo er jeden Tag die Tiere füttert. Als er aber am Freitagmorgen zur Weide kam, erwartete ihn ein grausames Bild. In der Nacht wurden seine Schafe brutal angegriffen. Sechs Tiere waren bereits verendet, zwei starben später. „Was mit den übrigen neun Schafen wird, weiß ich noch nicht“, erklärt Sören Stehr. Mit schweren Verletzungen an den Hinterbeinen, am Euter und am Hals brachte er sie in den Stall und ließ sie sofort tierärztlich versorgen.

"Die Hinweise, dass in Kehdingen Wölfe unterwegs sind, verdichten sich mit diesem Vorfall", meint dazu der Präsident der Landesjägerschaft, der CDU-Politiker Helmut Dammann-Tamke aus Ohrensen. Er gehe davon aus, dass jetzt es keine Fragezeichen mehr zum Thema Wolf in Kehdingen gebe.

"Schon jetzt gibt es rund 500 bis 600 Wölfe in Deutschland und die Population wird jährlich um 30 Prozent steigen", erklärt der Jäger-Präsident: "Es wird eine Welle auf uns zurollen, die bislang die wenigsten in ihrer Intensität erkannt haben." Für die Akzeptanz gerade bei den Schäfern sei es wichtig, die Beweislast umzukehren: "Es darf nicht sein, dass jemand erst in einem Vierteljahr, wenn das Ergebnis der Genprobe feststeht, seinen Schaden ersetzt bekommt." Dammann-Tamke verweist auf Sachsen: "Wenn dort ein Wolfsberater sagt, alles spreche dem Anschein nach für einen Wolf, dann gibt es sofort eine Entschädigung."