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Trauernden zurück ins Leben helfen

Die Sterbeammen Angela Vorrath (v.li.), Britta Schröder-Buttkewitz, Annika Raspe, Marion Keitsch und Marina Remstedt (in Ausbildung) arbeiten intensiv an dem Projekt "Alles anders"

In Kehdingen praktizieren zwei Drittel der Sterbeammen aus Niedersachsen


sum. Kehdingen. Wer ein Baby bekommt, erhält die Unterstützung einer Hebamme. Doch wer einen Menschen verliert oder selber sterben muss, steht oft mit seinen Ängsten alleine da. „Bei einem Schicksalsschlag knallt dir deine Lebensschale auseinander“, erklärt die ausgebildete Heilpraktikerin und Sterbeamme Britta Schröder-Buttkewitz aus Drochtersen, „wir Sterbeammen unterstützen beim Aufsammeln der Scherben, um etwas Neues daraus zu machen.“ Dabei betont sie das Wort „neu“, denn das alte Leben kann sie einem Trauernden niemals zurückgeben.

In Niedersachsen gibt es derzeit sechs aktive Sterbeammen. Mit Britta Schröder-Buttkewitz, Annika Raspe, Marion Keitsch und Angela Vorrath kommen vier von ihnen aus Kehdingen. Ein Grund ist sicherlich, dass es niedersachsenweit nur in Drochtersen einen Ausbildungs-Standort gibt.

Claudia Cardinal aus Hamburg konzipierte vor rund zwölf Jahren die DIN-zertifizierte Ausbildung und nahm auch Britta Schröder-Buttkewitz unter ihre Fittiche. „Ich habe persönlich erlebt, wie die Angst um den Tod die Menschen lähmen kann“, erklärt die dreifache Mutter ihr Engagement. In ihrer Heilpraxis hat sie immer wieder Fälle, in denen sich unverarbeitete Trauer in körperlichen Erkrankungen wie Rückenschmerzen, Angststörungen oder Bluthochdruck zeigt.

Britta Schröder-Buttkewitz vermittelt ihr Wissen an zukünftige Sterbeammen weiter und freut sich, dass in Drochtersen im Sommer sieben weitere angehende Sterbeammen ihre Prüfung ablegen werden und im November bereits der nächste Kurs beginnt. Aber nicht alle Sterbeammen werden auch als solche aktiv. „Einige Teilnehmer verarbeiten auf diese Weise eigene Schicksalsschläge“, erzählt die Heilpraktikerin.

Zur Zeit läuft das ganz besondere Stebeammen-Projekt „Alles anders“ an. „In unserer Region gibt es viele Unfalltote“, berichtet Britta Schröder-Buttkewitz. Angehörige der Opfer erhalten zwar in den ersten Tagen Unterstützung durch Pastoren, Familie und Freunde. Doch während für die anderen langsam der Alltag zurückkehrt, fallen die Trauernden oft in ein riesiges schwarzes Loch. „Genau dann wollen wir sie auffangen“, erklärt die „Lebensamme“. Gemeinsam mit dem Verein für Sterbeheilkunde entwickelten die Frauen einen „grünen Umschlag“ mit einem liebevollen Brief und den Kontaktdaten aller Sterbeammen, der von der Polizei oder den Beerdigungsinstituten überreicht werden kann. Innerhalb der ersten acht Wochen erhalten Trauernde auf Wunsch eine kostenlose Beratung, deren Finanzierung über Spenden erfolgt. Daher ist diese besondere Hilfe zur Zeit auch nur bei Suizid, Mord, Unfällen und Totgeburten möglich.

Die Sterbeammen haben ein Ziel: „Wir wollen den Tod wieder in die Mitte der Gesellschaft rücken, damit er uns endlich nicht mehr so viel Angst macht.“