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Unterwasserparadies für Taucher

Aus der Piper von Elan Shepard grüßt ein Drogendealer aus Plastik (Foto: Silke Umland)
 
Holger Schmoldt (re.) und Stephan Gildehaus auf dem Kreidesee-Eurosub (Foto: sum)

Faszination Kreidesee: WOCHENBLATT-Mitarbeiterin Silke Umland begegnet mit dem Mini-U-Boot einem Drogendealer und einer hübschen Blondine


Jedes Mal, wenn ich, WOCHENBLATT-Mitarbeiterin Silke Umland, am berühmten Kreidesee in Hemmoor vorbei fahre, denke ich: „Du wohnst so nah dran und trotzdem kennst Du den See nicht.“ Jetzt, mitten in der Hochzeit der Tauchsaison, habe ich beschlossen, dass Schluss mit der Unkenntnis ist und verabrede mich mit den Tauchprofis Holger Schmoldt (50) und Stephan Gildehaus (51) zu einem Tauchgang der besonderen Art.

Ich will ehrlich sein: Hätte ich einen Neoprenanzug anziehen müssen, wäre aus dem Abenteuer nichts geworden. Denn nur ungern präsentiere ich mich wie eine „Wurst in Pelle“. Doch zu einem Tauchgang im Eurosub, einem Mini-U-Boot für drei Personen, brauche ich lediglich meine Schuhe auszuziehen.

Während mein heutiger Kapitän Stephan Gildehaus das „Eurosub“ aus seiner Wasser-Garage zieht, erzählt mir Holger Schmoldt, Betreiber der Tauchbasis, dass der Kreidesee in Hemmoor ein absolutes Süßwasser-Dorado für Taucher aus ganz Europa ist. Wo von 1862 bis 1976 die Kreide für die Zementfabrik abgebaut wurde, erkunden heute bis zu 30.000 Freizeit-Taucher jährlich in bis zu 60 Metern Tiefe die zurückgelassenen Reliquien des damaligen Tagebaus, aber auch neu hinzugefügte Artefakte. Doch das tiefe Loch "birgt auch viele Gefahren" und hat zuletzt im Januar einem Taucher das Leben gekostet.

Eine Rettungsaktion vor zehn Jahren brachte Holger Schmoldt auf die Idee, gemeinsam mit dem Schiffsbau-Ingenieur Carsten Standfuß ein Mini-U-Boot zu entwickeln, das unter Wasser ohne Druck- und Tiefenprobleme zurecht kommt. 2009 ging der Traum des früheren Bundespolizisten in Erfüllung und er holte seinen Eurosub aus Holland ab. Seitdem hat er gemeinsam mit Stephan Gildehaus schon einige spannende Abenteuer erlebt. Sie identifizierten mit dem Eurosub unter anderem das Wrack „Guiseppe Garibaldi“ vor Dubrovnik/Kroatien und umtauchten das Nordkap.

Im Kreidesee kommt das Unterwasserboot nicht nur in Notfällen zum Einsatz, sondern lockt auch abenteuerlustige Nichttaucher wie mich in die Tiefe. Nach dem Einstieg durch eine recht kleine Luke schiebe ich mich nach vorne in die Glaskuppel auf eine Bank. Beim Blick auf das Hinweisschild „Im unwahrscheinlichen Fall, dass der Bootsführer das Eurosub nicht mehr selbst auftauchen kann, bleiben Sie bitte ruhig“ wird mir mulmig. Doch schon schließt Stephan Gildehaus die Luke und es geht los.

Wie die Lastwagen, die früher die Kreide aus der Kuhle holten, fahren auch wir die noch gut sichtbare gepflasterte Straße hinunter. Mein Pilot will mir einen ganz besonderen "Freund" vorstellen. Vorbei an einem versunkenen Segelboot taucht unser Gefährt immer tiefer. Plötzlich entdecke ich vor uns ein Flugzeug. „Die Piper gehörte einst Elan Shepard“, berichtet der Kapitän stolz und ergänzt schmunzelnd, „dann wurde sie jedoch von einem Drogendealer geklaut, der damit in den See stürzte.“ Shepard war der erste Astronaut der Vereinigten Staaten im Weltall. Er starb 1998.

Und tatsächlich guckt ein Skelett mit einem Handy am Ohr aus dem Fenster. Stephan Gildehaus gibt zu, dass das Flugzeug echt, die Geschichte mit dem Drogendealer jedoch frei erfunden ist. Es handelt sich um ein Plastikskelett, dem heute der Unterkiefer und ein Arm fehlen. „Leider gehen nicht alle Taucher besonders vorsichtig mit unseren Artefakten um“, erklärt der Kapitän traurig.
Bevor wir wieder die Wasseroberfläche erreichen, taucht Stephan Gildehaus mit mir noch an einigen alten Maschinen aus dem Kreideabbau vorbei und zeigt mir auch den Kipplaster, an dessen Steuer angeblich eine hübsche Blondine sitzt. Schemenhaft kann ich nur die Hand am Steuer erkennen.

Nach einer Stunde ist der Tauchgang vorbei. Fazit: Es war ein wirklich faszinierendes Erlebnis. Silke Umland

• Weitere Informationen gibt es unter oder www.eurosub.de oder im Kreidesee-Büro, Telefon: 04771 - 7921