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Vom Labor-Pflänzchen zur dicken Knolle

Die Kartoffelernte in Freiburg ist in vollem Gang Fotos: sum/Rave (Foto: Martin Rave)
 
Betriebsleiter Martin Rave prüft die Knollenqualität

Fünf Jahre bis zur leckeren Speisekartoffel / In Freiburg wachsen 80 Kartoffelsorten auf 100 Hektar Außendeichfläche

sum. Freiburg. Die Kartoffel gehört zum beliebtesten Gemüse in Deutschland. Insbesondere die Sorte Belana ist ein Renner auf dem Teller. Doch kaum ein Knollenliebhaber weiß, dass die Ur-Ur-Omas vieler Kartoffelsorten aus Nordkehdingen stammen. Zur Zeit herrscht bei der Böhm-Nordkartoffel Agrarproduktion aus Freiburg Erntestress, damit die Knollen rechtzeitig vor der nass-kalten Jahreszeit in die Lagerhallen kommen.

Das Leben von Belana und Co. fängt in einem Labor in der Nähe von Lüneburg an. Dort entstehen aus einem kleinen Kartoffelstück im Reagenzglas die ersten neuen Pflanzen. „Für die Zucht müssen wir heute wissen, welche Kartoffeln in fünf Jahren gebraucht werden“, erklärt Martin Rave, Leiter des Betriebs in Freiburg. So lange dauert es nämlich, bis die Kartoffel auf dem Teller oder in der Pommestüte landet.

In den Gewächshäusern bei der Stader Saatzucht in Agathenburg reifen im nächsten Schritt die ersten 165.000 Knollen heran, die ab Ende April auf drei Hektar Marschboden im Freiburger Außendeich umziehen.

Bei der im Flecken angesiedelten Böhm-Nordkartoffel Agrarproduktion handelt es sich um einen Zusammenschluss des Familienunternehmens Böhm aus Lüneburg und der Nordkartoffel Zuchtgesellschaft. Auf insgesamt 100 Hektar werden 80 verschiedene Kartoffelsorten in zwei Generationen gezüchtet. Der Marschboden an der Elbe ist gut für Pflanzkartoffeln geeignet, da es nur wenige Schädlinge gibt. Aufgrund seines hohen Tongehalts neigt der Kleiboden zwar schnell zur Bildung von Erdklumpen, die die Kartoffeln beschädigen würden. Aber durch die Frostperioden im Winter und die wechselnden Trocken- und Regenzeiten entsteht die richtige „Gare“, sodass die Erde besonders weich und gut durchlüftet ist.

Nach dem Pflanzen geht das Team in Freiburg regelmäßig auf den Äckern „spazieren“ und wirft einen geschulten Blick auf alle Pflanzen. Machen die Blätter keinen guten Eindruck oder wagt die Kartoffel es, andersfarbig zu blühen, bedeutet es das Aus für sie. „Nur so können wir Qualitätsmängel und Probleme vermeiden“, erklärt Martin Rave.

Zur Zeit stecken die zwölf Mitarbeiter in Freiburg mitten in der Ernte. „Wir brauchen trockenes Wetter“, erzählt der Betriebsleiter mit einem Blick zum Himmel, "ansonsten bleibt zu viel Erde an den Kartoffeln kleben, so dass diese nicht richtig trocknen können. Doch nur trockene Knollen können gut bis zum Frühjahr gelagert werden."

Ein großer Teil der Ernte des ersten Jahres überwintert in Keimhäusern und sorgt im kommenden Jahr erneut für Nachwuchs im Außendeich. Erst diese zweite Generation zieht nach der weiteren Überwinterung in Freiburg hinaus in die weite Welt, um nicht nur in Deutschland, sondern auch in Portugal, Amerika oder Australien von Landwirten für die Speisekartoffelzucht genutzt zu werden. Und erst die dann produzierten Knollen landen schließlich tatsächlich auf dem Teller.