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Wenn der Milchmann auf den Hof kommt

Mit seinem großen Geschütz bringt Ludwig Horeis die Milch zur MolkereiFotos: sum

Ludwig Horeis bringt seit 40 Jahren die Milch zu den Molkereien / Das Land Kehdingen ist sein Revier

sum. Oberndorf. Der Lkw mit den zwei hochglänzenden Tanks kommt nur knapp um die Ecke der kleinen Kreuzung. Doch Ludwig Horeis bewahrt die Ruhe. Seit 40 Jahren kurvt der Milchsammelwagenfahrer in die entlegensten Ecken, um die Milch von den Höfen im Land Kehdingen und auf der Stader Geest abzuholen.

„Eigentlich wollte ich nur schnell ein bisschen Geld verdienen“, erinnert sich der 61-Jährige aus Schüttdamm-Isensee im Landkreis Cuxhaven, während er auf einem Wendeplatz aus dem hochgelegenen Lkw-Cockpit klettert und den Anhänger abkuppelt. „Die Arbeit machte mir dann aber so viel Spaß, dass ich auf die weitere Ausbildung verzichtete.“ Nach seiner landwirtschaftlichen Ausbildung und dem Bundeswehrdienst wollte der verheiratete Vater dreier Töchter eine höhere Landbauschule besuchen. Doch bis zum Schulbeginn war noch ein halbes Jahr Zeit und so fing Ludwig Horeis als Milchsammelwagenfahrer bei der Molkerei Hasenfleet in Oberndorf/Oste an - und blieb bei dem Job.

Auf dem ersten Hof seiner heutigen Tour schließt er einen dicken blauen Schlauch an den Kühltank neben dem Melkstand an. Er drückt einige Knöpfe und schon beginnt die Pumpe laut zu arbeiten. Die Pumpe schaltet ab und die ersten 4.000 Liter Milch befinden sich im Molkereiwagen. Im Laufe der nächsten zwei Stunden werden insgesamt rund 26.000 Liter in beiden Tanks landen. Ludwig Horeis wirft einen Blick auf die Probenentnahmestelle. „Bei jedem Betrieb wird automatisch ein kleines Fläschchen Milch entnommen“, erklärt er. Sollte die Milch verunreinigt sein, kann so genau nachvollzogen werden, welcher Betrieb der Verursacher ist. Im schlimmsten Fall könnte die Milch einer einzigen mit Penicillin behandelten und nicht gesondert gemolkenen Kuh den gesamten Tankinhalt unbrauchbar machen.

Auf dem nächsten Hof herrscht Enge. So fährt der Molkereimitarbeiter mit seinem Lastwagen nah an eine Hauswand, um mit dem rund sechs Meter langen Schlauch an den Milchtank zu gelangen. „Einmal habe ich die Mauer ein wenig touchiert“, gibt er mit einem Schmunzeln zu. Während die nächsten 10.000 Liter Milch fließen, erzählt Ludwig Horeis, dass 1978 noch rund 250 Bauern aus der Region ihre Milch an die Molkerei lieferten. Heute sind es noch 48 Betriebe. Die jährliche Milchmenge hat sich jedoch verdoppelt und beträgt mittlerweile 30 Millionen Liter.

Am meisten vermisst Ludwig Horeis den Kontakt zu den Landwirten: „Meistens bekomme ich auf den Höfen niemanden zu sehen. Das war früher besser.“ Da trafen sich häufig die Bäuerinnen mit ihren Milchkannen an der Straße, um gemeinsam auf den Milchwagen zu warten. „Und die hatten immer eine Menge zu erzählen“, erinnert sich der Milchmann.