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„Wir müssen kürzer treten“

Schweren Herzens wollen Karin und Helmut Harpain den "Kehdinger Hof" verkaufen
Freiburg (Elbe): Kehdinger Hof |

Gaststätte "Kehdinger Hof" in Freiburg soll verkauft werden / Helmut Harpain: "Wir machen nicht zu!"


sum. Freiburg. Die Entscheidung fällt Helmut Harpain (63) aus Freiburg sichtlich schwer. Aber seine gesundheitlichen Probleme zwingen ihn und Karin Harpain (57) dazu, den von ihnen fast dreißig Jahre lang betriebenen „Kehdinger Hof“ zu verkaufen.

Schon im Alter von vierzehn Jahren wusste der Kommandeur der Freiburger Schützengilde mit einem Tablett voller Biergläser umzugehen. Als es das junge Paar Mitte der Siebziger von Köln nach Nordkehdingen verschlug, übernahmen sie zunächst mehr oder weniger aus der Not heraus im Juli 1977 den Imbiss an der Fähre in Wischhafen. Nur ein Jahr später folgte die frühere Gaststätte „Anker“ in Freiburg. Nebenbei betrieben die beiden einen Eiswagen, räucherten Aale und bekamen vier Kinder.

„Als vor 28 Jahren der Kehdinger Hof zum Verkauf stand, erfüllte sich unser Traum,“ erinnert sich der leidenschaftliche Kneipier. Laut einer uralten Annonce, die einen Ehrenplatz neben dem Tresen hat, wurde das Traditionshaus mit Kegelbahn und Hotelzimmer im Jahr 1867 eröffnet und ist heute die letzte Gastwirtschaft im Flecken Freiburg, in der es sich noch gemütlich essen lässt. Gerne erinnert sich das Gastwirtspaar an die vielen feucht-fröhlichen Hochzeiten, Bälle und Versammlungen, die auf ihrem Saal stattfanden.

Vor sechs Jahren trennten sich Helmut und Karin Harpain „im Guten“, stehen aber nach wie vor gemeinsam hinter dem Tresen. Doch im letzten Jahr kam dann der große Schock: Im April erlitt Helmut Harpain einen Herzinfarkt und erhielt mehrere Stands. "Meine Ärzte haben mir eindringlich geraten, dass ich kürzer treten muss"“, erklärt der Gastronom, der schweren Herzens zugeben muss, dass sie recht haben. "Mir fehlt einfach die Puste und nach der Arbeit bin ich stehend k.o.", gesteht er. Und auch Karin Harpain, die morgens immer als Erste im „Hof“ steht und abends als Letzte geht, ist erschöpft.

Daher haben beide jetzt gemeinsam beschlossen, den „Kehdinger Hof“ zu verkaufen, und zwar "lieber gestern als heute". Doch entschieden wehren sich die Wirtsleute gegen die im Flecken brodelnde Gerüchteküche: „Wir machen weiter, bis wir einen Nachfolger gefunden haben,“ erklären Karin und Helmut Harpain, „das sind wir unseren Mitarbeitern und den Dorfbewohnern schuldig, die gerne bei und mit uns feiern.“