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Zum Telefonieren auf den Deich

Siegmund Meyer muss zum Telefonieren auf den Deich klettern Foto: sum

Telekom verlangt vom Sohn einen neuen Vertrag

sum. Krummendeich. In dem kleinen Reetdachhäuschen in Krummendeich herrscht zur Zeit Funkstille. Das Telefon ist tot und wenn Siegmund Meyer mit seinem Handy telefonieren will, muss er auf den Deich oder in den Apfelbaum klettern. „Das habe ich der Telekom zu verdanken,“ schimpft der 72-Jährige. Nachdem er das Unternehmen vom Tod seiner Mutter unterrichtete, sperrte diese einfach den Telefonanschluss.

Friedrich und Lydia Meyer lebten immer in Krummendeich und auch Sohn Siegmund wuchs in dem Haus am Deich auf. Schon vor 50 Jahren schloss Vater Friedrich Meyer einen Telefon-Vertrag ab - damals noch mit der Deutschen Post. „Als er vor neun Jahren starb, lief der Vertrag so weiter,“ erinnert sich Siegmund Meyer, der zur Zeit noch in Glinde (Schleswig-Holstein) wohnt, aber einen Rückzug in sein Elternhaus plant.

Vor einem Jahr starb auch Mutter Lydia. Ordnungsgemäß meldete der Sohn den Tod bei allen Behörden und Versicherungen. Und auch die Ummeldung des Telefonanschlusses auf seinen Namen erschien beim ersten Gespräch mit der Telekom unproblematisch, da ihm das Haus schon vor zwölf Jahren überschrieben wurde. „Ich sollte denen einfach die Sterbeurkunde, einen Grundbuchauszug und die neue IBAN-Nummer schicken“, berichtet Siegmund Meyer. Das hat er auch gemacht. Doch dann wurde ihm von dem nächsten Telekom-Mitarbeiter telefonisch mitgeteilt, dass eine Ummeldung nicht ginge. Den alten Telefonanschlusses mit einer Grundgebühr von 16 Euro sollte Siegmund Meyer kündigen und einen Vertrag mit Telefon- und Internetanschluss mit einer Grundgebühr von über 30 Euro im Monat abschließen. „Das wollte ich nicht, schließlich brauche ich in meinem Alter nicht mehr ins Internet,“ erklärt der eigentlich immer gut gelaunte Rentner, „ich will einfach nur telefonieren können.“ Doch auch das konnte er zwei Tage später nicht mehr, weil plötzlich und ohne Vorankündigung das Telefon abgestellt wurde. „Das ist doch keine Art und Weise“, sagt Siegmund Meyer, der jetzt nur noch mit dem Handy telefonieren kann und das aufgrund des schlechten Empfangs in Krummendeich auch nur, wenn er aus dem Haus geht. "Was mache ich bei einem Notfall?" fragt sich der gesundheitlich angeschlagene Mann, "dann muss ich wohl Rauchsignale geben."

Auf Rückfrage des WOCHENBLATT teilte die Telekom zwar mit: „Da ist offenbar in unserem Service etwas nicht ganz richtig gelaufen. Die Kollegen kontaktieren den Kunden, um das zu klären.“ Schriftlich teilte die Telekom dem Rentner dann aber mit: „Generell gilt, das Nutzungsrecht eines Rufnummernanschlusses kann nicht vererbt, verschenkt oder verkauft werden.“ Siegmund Meyer ist verärgert und wandte sich zwischenzeitlich schriftlich an die Beschwerdeabteilung der Telekom.