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"Ein einzelner stört das Idyll" in Kleinwörden

Die Gegner (v. li.): Henrik Feldmann mit seinen Eltern Helmut und Birgit, Thomas Riemer, Gisela Schilling und Torsten Lüllau
 
Protestschilder gegen die Ferienwohnanlage

Ureinwohner contra Investor: Zoff um Ferienhaus-Projekt spaltet das Oste-Dorf

tp. Kleinwörden. Weiden, Plantagen, eine Allee, ab und zu ein Obsthof, Einfamilienhäuser - Frieden auf dem Land, wären da nicht die Protestschilder, die die schmalen Straßen im Oste-Dörfchen Kleinwörden, Ortsteil der Gemeinde Hechthausen, säumen: "So geht alles kaputt. Nachbarschaft und Straße!", "Mühlenhof-Häuser - nein danke". Der Widerstand richtet sich gegen eine Ferienwohnanlage, die die Eheleute Heike (56) und Josef Borgs (66) auf ihrem Anwesen "Mühlenhof" an der Alten Fährstraße errichten wollen.

Zusätzlich zu den in ihrem alten Bauernhaus und in einem Neubau vorhandenen Gästehaus, einem Apartment und einer "Künstlerwohnung" planen Borgs’ bis zu zwölf einzeln stehende, maximal acht Meter hohe Ferienhäuser mit je zwei Wohneinheiten auf jeweils 150 Quadratmetern Grundfläche. Josef Borgs hat einen Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplanes gestellt. Nach eigenem Bekunden, um die vorhandene Bebauung, die er vor zwei Jahrzehnten vom Vorbesitzer übernahm, planungsrechtlich abzusichern, andererseits, um weitere Bebauung zu ermöglichen. Im Herbst fasste die Gemeinde Hechthausen den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan. Parallel ändert die Samtgemeinde Hemmoor den Flächennutzungsplan.

Die Entwürfe liegen bis zum 18. August zur Einsicht und Stellungnahme öffentlich aus. Der stellvertretende Gemeindedirektor Holger Struck verweist auf das Planungsziel des nachhaltigen und sanften Tourismus. Er sieht in dem "Mühlenhof"-Projekt eine sinnvolle Ergänzung zu dem bereits bestehenden Ferienpark Geesthof in Hechthausen.

Rund 15 Kritiker aus dem Dorf hingegen wollen das aus ihrer Sicht überdimensionierte Bauprojekt, das so so nie vereinbart gewesen sei, stoppen. Eine von ihnen ist Rentnerin Gisela Schilling (65). Sie sieht die "ländliche Idylle" in Gefahr, glaubt, die Zufahrt zur Ferienanlage müsse langfristig verbreitert werden und befürchtet Straßenausbaubeiträge. Sie will bezeugen können, dass zum Zeitpunkt des Erwerbs des "Mühlenhofs" durch Borgs keine Ferienwohnungen ausgebaut waren.

Nachbar Thorsten Lüllau (44), der neben dem "Mühlenhof" eine alte Windmühle bewohnt, sieht seine Pläne durchkreuzt, am abgeschiedenen Oste-Deich einen beschaulichen Lebensabend verbringen. "Schon jetzt gucken mir die "Mühlenhof"-Gäste ins Fenster."

Anwohner Thomas Riemer (48) befürchtet den Wertverlust seiner Immobilie und seines Wohngrundstücks aufgrund des störenden An- und Abreiseverkehrs der Urlauber.

Obstbauer Helmut Feldmann (58), der nach eigenen Angaben für 30 Berufskollegen in der Umgebung spricht, will das seit 500 Jahren genutzte Bauernland "erhalten wie es ist". Von Maschinenlärm begleitete Feldarbeit - teils nachts - würde sich nicht mit dem Erholungsbedürfnis der Urlauber vertragen. Außerdem, so befürchtet Feldmann, "marschieren uns die Touristen in die Apfelplantagen". Seine Ehefrau Birgit (54), sagt: "Als Ureinwohnerin will ich hier weiter so schön leben wie bisher." Sohn Henrik Feldmann (22), Obstbaumeister, kritisiert: "Ein einzelner stört das Idyll, um ein gutes Geschäft zu machen."

Die Gegner berichten von einem runden Tisch, an dem Investor Borgs ihnen im November per Handschlag zugesagt habe, "das ganz große Ding" nicht realisieren zu wollen, dass er die Planänderung lediglich zur rechtlichen Absicherung der bestehenden Unterkünfte brauchte.

Josef Borgs hingegen beteuert, er habe die Pläne von Anfang an offen gelegt. "Uns macht die Entwicklung traurig", sagt der aus dem Ruhrgebiet stammende selbstständige Architekt. Er plane die Ferienanlage als Existenzsicherung für seine Ehefrau und die fünf erwachsenen Kinder und möchte mit seinen Nachbarn weiterhin "friedlich zusammenleben".

Obstbauer Feldmann Senior aber stellt sich auf einen längeren Konflikt ein und hat sich einen Anwalt genommen. Seine Sicht der Dinge: "Einer klaut das Ei und bekommt zu Belohnung das ganze Huhn. Nicht mit mir."