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Alte Bücher in neuem Gewand

Gesa Rottstedt repariert das Bilderbuch Lage für Lage

In der Buchbinderei Rottstedt wird noch gearbeitet wie früher

sb. Hechthausen. Liebevoll blättert Gesa Rottstedt (63) in dem alten, zerfallenen Bilderbuch, dessen Einband gelbe Küken zieren. "Das kriege ich in rund 90 Minuten wieder schön", sagt die Buchbinderin.
Seit 31 Jahren führt das Buchbinder-Ehepaar Gesa und Rainer Mario Rottstedt (65) ihre kleine Buchbinderei in Hechthausen an der Landkreisgrenze zwischen Stade und Cuxhaven. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1947 von Rainer Marios Vater Curt-Ernst Rottstedt. "Mein Mann und ich haben uns in der Berufsschule ineinander verliebt", erinnert sich Gesa Rottstedt. "Jetzt stirbt unser Handwerk leider langsam aus. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht."
Die Werkstatt wird von alten Arbeitsgeräten dominiert. Die älteste Maschine, eine Schneidemaschine, stammt aus dem Jahr 1952. "Die Geräte funktionieren noch alle tadellos und mein Mann und ich lieben die Handarbeit mit den traditionellen Werkzeugen", sagt Gesa Rottstedt.
Zum Leistungsspektrum der Buchbinderei gehört das Binden von neuen sowie das Restaurieren von alten Büchern. Rechtsanwälte und Steuerberater sowie die Bremer Staatsbibliothek lassen zum Beispiel bei den Rottstedts ihre Fachzeitschriften zu Jahresbänden binden.
Eine besondere Leidenschaft von Rainer Mario und Gesa Rottstedt ist jedoch das Aufarbeiten alter Bücher. Dafür werden zunächst Risse und fehlende Ecken sorgfältig mit selbstklebendem, säurefreiem Japanpapier ausgebessert. Dann werden die alten, oft rostigen Heftklammern herausgelöst und die einzelnen Lagen mit Buchbindergarn neu zusammen genäht. Schließlich werden die Seiten mit Spezialleim akkurat wieder im Buchdeckel befestigt. "Die Arbeitsschritte sind und bleiben wie anno dazumal", sagt Ehepaar Rottstedt.
Insbesondere alte Atlanten, Bibeln und Märchenbücher werden häufig wieder aufgearbeitet. Die Bücher befinden sich oft seit Jahrzehnten im Familienbesitz und haben nicht nur einen materiellen, sondern auch einen ideellen Wert.
Generell lässt sich fast jedes Papier zu einem Buch binden. "Zu Konfirmationen habe ich auch schon Geldscheine zu einem Büchlein gebunden", erzählt Gesa Rottstedt. Die Banknoten lassen sich später mit einem Handgriff wieder aus der Verleimung lösen.