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Bürgermeister Heinz Düe aus Engelschoff verlässt politische Bühne

Bürgermeister Heinz Düe organisierte zwei Jahrzehnte lang den geselligen Seniorennachmittag
 
Heinz Düe nimmt nach drei Jahrzehnten Abschied von der Lokalpolitik

Mehr Zeit zum Reisen und für die Familie

tp. Engelschoff. Kanäle, Kühe, Wiesen, wellige Straßen, wenige Häuser: Weite prägt die Landschaft um Engelschoff. Mit dem Marschengebiet an der Oste ist Heinz Düe (70) tief verwurzelt: „Ich bin hier geboren“, drückt der scheidende Bürgermeister von Engelschoff seine enge Verbundenheit mit dem schroff-schönen Landstrich und ihren Menschen aus. Nach 35 Jahren - davon 25 Jahre im Samtgemeinderat - verabschiedet sich der engagierte Rentner aus dem Ortsteil Neuland aus der Politik. Damit endet auch seine 20-jährige Amtszeit als Bürgermeister.

Am vergangenen Mittwoch genoss der Witwer noch einmal die Geselligkeit bei dem von ihm vor 20 Jahren initiierten Seniorennachmittag im Gasthaus „Platz 2“. Bei Kaffee, Kuchen und Akkordeon-Musik saß er mit vertrauten Gästen zusammen, „alles bekannte Gesichter“, deren Geschicke er politisch lenkte, die mit ihm zusammen älter wurden.

Düe, dessen Vater Postbote und Nebenerwerbslandwirt war, absolvierte eine Lehre im mittleren Postdienst in der mit Bus- und Bahn noch beschwerlich erreichbaren Kreisstadt Stade. Später machte er Karriere als Sparkassen-Betriebswirt und Abteilungsdirektor Rechnungswesen der Kreissparkasse Stade.

Mit dem Ziel, das Zusammenwachsen der durch die Gebietsreform zusammengelegte Dörfer Engelschoff und Neuland zu fördern, startete er 1981 seine Politiklaufbahn. In Engelschoff gehörte er - wie alle Ratsleute - zur Wählergemeinschaft. Auf Samtgemeinde-Ebene zur CDU.

Nach einem Vierteljahrhundert Politik muss sich Heinz Düe eingestehen, dass die Trennung - zumindest in der Köpfen der ältere Generation - fortbesteht. Das wird am Beispiel des ursprünglich geplanten Dorfgemeinschaftshauses auf der Grenze beider Ortsteile deutlich. Stattdessen setzte die Bürger in Neuland einen Schießstand durch. Engelschoff bekam das „Danz- un Klönhus“.

Bei den Jüngeren bahnen sich neue politische Herausforderungen an. Während Einheimische aus Engelschoff mit rund 350 Einwohnern und Neuland mit 400 Einwohnern gerne in die vom Rat ausgewiesenen Neubaugebiete ziehen, suchen Städter von außerhalb auf Resthöfen ihr Glück. Deren gleichzeitiger Wunsch nach ländlichem Idyll und aus der Stadt gewohnter Infrastruktur führe zu Spannungen. Düe nennt als ein Beispiele die schwache Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz und die über viele Jahre und Protesten geführten Verhandlungen und Diskussionen des in Bau befindlichen Windparks. Seit Frühjahr sind die fünf Enercon-Anlagen mit einer durch die Politik durchgesetzte Maximalhöhe von 150 Meter in Bau.

Schlaflose Nächte bereiteten Düe vor vielen Jahren juristischen Streit um Gewerbesteuern: Die Ford-Werke hatten, um steuern zu sparen, eine kleine Leasing-Zentrale in einem Wohnhaus in Neuland eingerichtet - mit zwei Standleitungen in die Zentrale nach Köln. Die Stadt Köln gewann einen Prozess um einen Anteil an den Gewerbesteuern, die in den Engelschoffer Etat flossen. Das Dorf kam dank Dües Verhandlungsgeschick finanziell mit einem blauen Auge davon.

Bei den Kommunalwahlen im September trat der Witwer nicht wieder an, will neue Prioritäten setzen: Mit dem Fahrrad und einem von ihm umgebauten alten Feuerwehrbus will der Autofan, der nebenbei Taxi fährt, Norddeutschland erkunden. Und mehr Zeit mit seinen drei Enkeln verbringen.

Sein Sohn lebt in Berlin. Die Tochter wohnt mit ihrer Familie gleich nebenan in dem Doppelhaus, das Düe 1972 als junger Mann baute. Damals pflanzte er auf dem 13.000 Quadratmeter großen Grundstück Bäume, die inzwischen stattliche Höhe erreicht haben: „Ich hatte mir immer vorgenommen, im Alter in meinem eigenen Wald spazieren zu gehen. Das hat geklappt.“ Heinz Düe ist übrigens auch politisch davon überzeugt, dass „alles, was langsam wächst, ordentlich wird“.