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Ein Raubzug durch das Moor

Holger Wegner (v.li.), Helmut und Irmgard Hoffmann, Esther Mundt, Thomas Schütt und Adolf Kröncke möchten den Moorweg zwischen Engelschoff und Drochtersen wieder passierbar machen (Foto: sum)
 
Am Ende der Viehweiden ist die Fortsetzung des Moorweges in Drochtersen zu erkennen

Schmugglerstieg zwischen Engelschoff und Neuland soll wieder zum Leben erweckt werden / Bürgerinitiative stößt auf Hindernisse


sum.Engelschoff.Drochtersen. Dunkle Gestalten schleichen durch das Moor in Richtung Geest. Ihr Ziel: Sie wollen in Himmelpforten reiche Bauernhöfe und Leute ausrauben und auf schnellstem Wege zurück in Richtung Kehdingen verschwinden. Diese Raubzüge über den sogenannten "Schmugglerstieg" ereigneten sich Anfang des 19. Jahrhunderts. Heute soll der Weg friedliche Gäste in die Region locken. Dafür macht sich eine Gruppe engagierter Bürger aus Engelschoff und Drochtersen stark.

Nachdem das früher unwegsame Moor in Kehdingen und der Osteregion durch die Bebauung in den Randgebieten immer weiter zusammenschrumpfte, errichteten zwei Landwirte aus Engelschoff-Wasserkrug und Drochtersermoor vor rund 200 Jahren einen befestigten Weg zwischen ihren knapp zwei Kilometer entfernten Höfen. Jeder, der später "ihren" Stieg als Abkürzung benutzen wollte, musste Wegezoll bezahlen. Zufälligerweise betrieben beide „Straßenbauer“ eine Gaststube. Da der Weg damals aber auch von weniger braven Bürgern genutzt wurde, hieß er im Volksmund nur noch „Schmugglerstieg“.

Um heute auf diesen von Birkenbäumen umrahmten Stieg zu gelangen, muss man in Engelschoff zunächst über eine Weide laufen und ein großes Gatter überwinden. Durch dorniges Gestrüpp und über umgefallene Bäumen führend, endet der Pfad abrupt an einer Weide. Einige hundert Meter weiter ist die Fortsetzung der Allee im Drochtersermoor zu erkennen.

„Noch bis in die 1980iger Jahre kamen Reiter aus Drochtersen über diesen Weg zur Engelschoffer Reithalle“, erzählt Esther Mundt. Adolf Kröncke berichtet, dass sich der Weg seit der Sturmflut 1976 zusehends verschlechtert: „Die Landwirte wollten damals ihre Tiere von den Weiden retten und zerstörten dabei Teile des Stieges.“ Beide gehören der Bürgerinitiative an, die den "Schmugglerstieg" zu neuem Leben erwecken möchte.
Bei ihrem Engagement stößt die Gruppe auf viele Hindernisse. Galt der Weg einst als öffentliche Einrichtung, gehört er seit einigen Jahren zum Eigentum verschiedener Landwirte. Nur wenn diese mit einer Benutzung durch Radfahrer, Fußgänger und Reiter einverstanden wären, kommt eine Wiederherstellung überhaupt in Betracht.

Die Moorquerung könnte als touristische Attraktion im Rahmen des LEADER-Projekts Kehdingen-Oste förderfähig sein. Aber hierfür müssen die Initiatoren gleich drei Gemeinden als Fördermittel-Antragsteller auf ihrer Seite haben. Einzig Engelschoffs ehemaliger Bürgermeister Heinz Düe ist von dem „Schmugglerstieg“ bereits überzeugt und hatte auch in seinem Rat einige Befürworter. Eine Wegebau-Firma berechnete die Kosten für die Wiederherstellung des Stieges mit rund 120.000 Euro, die sich nach einer Förderung auf rund die Hälfte reduzieren können. In Drochtersen hingegen gibt sich der Verwaltungsausschuss zurückhaltend. Aufgrund anderer finanzieller Prioritäten ist der Schmugglerstieg im Rat aktuell kein Thema. Und auch die Gemeinde Großenwörden hat sich mit dem Projekt noch nicht näher befasst. „Es gibt noch keinen offiziellen Antrag von irgendeiner Seite an uns“, erklärt Bürgermeister Bernhard Witt.

Soll in Zukunft wieder ein „Raubzug durch das Kehdinger Moor“ möglich sein, wird die Schmugglerstieg-Bande noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.