Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Jungencoach aus Estorf berät seine Gäste in einem Baumhaus

am. Estorf. Wer bei Kai Justin (46) eine Stunde gebucht hat, der muss ein Dutzend Stufen hinaufsteigen - in ein Baumhaus, das sich in seinem Garten an die bemoosten Äste zweier Apfelbäume lehnt. In dem kleinen Ort Estorf in der Nähe von Himmelpforten berät der selbstständige Jungencoach und Mediator Jungs und junge Männer von sechs bis 25 Jahren, die anecken, auffallen oder scheitern.
Eltern bringen ihre Kinder zu Kai Justin, wenn sie selbst die Konflikte mit ihrem Nachwuchs, sei es in der Schule oder zu Hause, nicht mehr alleine bewältigen können.
"Vielen Jungs, die zu mir kommen, fehlen männliche Vorbilder", sagt Justin. "Entweder, weil die Mütter alleinerziehend sind oder weil die Väter berufstätig und kaum zu Hause sind." Hinzu kommt, dass in Kitas und Grundschulen überwiegend Frauen arbeiten. Die einzigen verfügbaren Männer seien oft Trainer im Sportverein oder Personen aus dem Fernsehen wie Rapper und Superhelden, so Justin. Die Jungs hätten deswegen Probleme, ihre männliche Rolle zu finden. Das wiederum führe zu Konflikten.
"Für die Jungs bin ich allein, weil ich ein Mann bin, ein Vorbild und vielleicht so etwas wie ein großer Bruder", sagt der Jungencoach. Damit es aber so weit kommt, sei es wichtig, eine Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen aufzubauen. Dabei spiele auch der "Baumraum" in den Apfelbäumen eine Rolle. "Dieser besondere Ort hilft schon am Anfang die Stimmung zu entspannen. Die Jungs finden es cool und auch die Erwachsenen lassen sich von der Atmosphäre anstecken." Ist das Eis gebrochen, versucht Justin den Jungs in mehreren Sitzungen, neue Verhaltensoptionen aufzuzeigen und alte Verhaltensmuster aufzubrechen.
Auch Aggression sei ein Thema, sagt der Jungencoach. Das Wort "Antiaggressionstrainig" mag der Pädagoge aber nicht. "Aggression kann durchaus auch etwas Positives sein, solange sie niemandem schadet." Er bietet für Jungs, die ihre Aggression nicht kontrollieren können, unter anderem auch ein "Konfliktlösungs- und Selbstwarnehmungstraining" aber auch Boxtraining, Musikprojekte und ein Vater-Sohn-Camp an.
Jungencoach ist kein geschützter Begriff. Kai Justin hat nach seinem Studium der Erziehungswissenschaft eine jungenpädagogische Fortbildung und unter anderem auch einen Boxkurs gemacht. Seit 2006 ist er mit seinem "Baumraum" selbstständig. Drei Tage in der Woche arbeitet der Diplompädagoge zudem im Schulamt des Landkreises Stade.
• Weitere Infos auf www.kai-justin.de