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Marion Bußian aus Himmelpforten ist seit über 40 Jahren Hebamme

Bei der Geburtsvorbereitung oder in Kursen nach der Geburt berät und begleitet Marion Bußian Mütter, Väter und Babys (Foto: am)
 
Im Hintergrund schmücken Fotos und Karten die Wand und erzählen vom Babyglück
am. Himmelpforten. Sie hält ihre Hände hoch und legt sie auf einen imaginären Babybauch. "Früher haben wir gelernt, vor allem unsere Hände zu benutzen", sagt Marion Bußian, Hebamme aus Himmelpforten. "Wir haben die Lage und die Größe des Kindes ertastet und gefühlt, wo das Köpfchen liegt." Damals, als sie 1973 in Wuppertal ihre Ausbildung zur Hebamme beendet hatte, sei der Hebammenberuf ein reiner Erfahrungsberuf gewesen. Die Auszubildenden saßen bei den Gebärenden und lernten zu fühlen.
Heute hören die Hebammen die Herztöne des Ungeborenen nicht mehr mit dem Ohr ab und fühlen die Wehen nicht mehr mit der Hand. Heute misst und dokumentiert auch Marion Bußian alles mit dem CTG; ohne aber auf die Hinweise ihrer Hände und Ohren zu verzichten.
Seit 1986 ist Marion Bußian selbstständig und begleitet Frauen bis zur Geburt und hilft und berät, wenn das Neugeborene auf der Welt ist. Zuvor hat sie viele Jahre in der Gebursthilfe erst an der Uni-Klinik Düsseldorf und dann am Elbe-Klinikum in Stade gearbeitet. "Das waren noch andere Zeiten", sagt sie. Mit einem leichten Unbehagen erinnert sie sich an die 1970er: "Die Frauen hatten damals noch wenig Selbstbewusstsein, was ihren Körper anbelangt. Und die Männer durften nicht mit in den Kreißsaal. Die Geburtszimmer war nüchtern und ungemütlich, und manchmal fanden drei Entbindungen gleichzeitig statt." Sie hat dennoch viele wertvolle Erkenntnisse aus den Erfahrungen der früheren Zeit gewonnen. "Ich habe viele Fehlgeburten miterlebt, Mißgeburten, Kinder, die mit offenem Rücken zur Welt kamen -
wenn man das alles gesehen hat, dann weiß man die medizinischen Möglichkeiten der heutigen Zeit bei der Vorsorge und bei der Geburt sehr zu schätzen. Die moderne Medizin ist ein Segen."
Heute entbindet sie nicht mehr, sondern macht die Vorsorgeuntersuchungen und bietet den Frauen Kurse vor und nach der Geburt an. "Ich verstehe mich in erster Linie als Gesprächspartnerin und erfahrene Helferin. Ich möchte den Frauen Sicherheit geben und durch Information Ängste nehmen", so die erfahrene Hebamme, die mit ihrer ruhigen und rücksichtsvollen Art Kompetenz und Sicherheit ausstrahlt.
Marion Bußian ist Mutter zweier inzwischen erwachsener Kinder und kennt die Probleme berufstätiger Mütter aus eigener Erfahrung. "Ich war alleinerziehend und habe meine Tochter mit drei Monaten zur Tagesmutter gegeben, um Vollzeit zu arbeiten", sagt sie. "Das war eine schwere Zeit. Damals war das Modell Tagesmutter noch absolut unüblich. Das hat sich zum Glück in den letzten Jahrzehnten geändert. Obwohl alleinerziehende Mütter es heute immer noch sehr schwer haben, Beruf und Familie zu vereinbaren."
In Stade hat sie schließlich ihr privates Glück gefunden und geheiratet. Nach der Geburt zweiten Kindes 1986 wechselte sie nach der Babypause in die Selbstständigkeit und gründete das Geburtshaus in Stade. Auf Wunsch der Mütter bot sie auch Hausgeburten an. "Das war eine schöne und anstrengende Zeit", sagt sie. Irgendwann konnte sie aber die 24-Stunden-Schichten nicht mehr bewältigen.
Heute hat sie im hinteren Teil ihres Hauses einen Kursraum eingerichtet, mit Kissen, Matten und Klangschalen. An der Wand hängen Bilder von Neugeborenen und ihren Eltern, die sie begleitet hat.