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Traum-Abitur trotz Handicap

Mit Rose und Zeugnis: Sarah von der Lieth (Foto: von der Lieth privat)
 
Trug zum Abi-Ball ein elegantes blaues Kleid: Sarah von der Lieth (Foto: von der Lieth privat)

Fast blind: Sarah von der Lieth aus Großenwörden legt Reifeprüfung mit Note 1,3 ab / Jura-Studium in Göttingen

tp. Großenwörden. Diese Geschichte macht Mut: Sarah von der Lieth (19) aus dem Geest-Dörfchen Großenwörden bei Himmelpforten ist seit frühester Kindheit fast blind und legte jetzt trotz des Handicaps ihr Abitur mit der Spitzennote 1,3 ab. Damit gehört sie zu den besten Abiturienten des Landkreises Stade. Erstaunlich: Lesen ist ihrer liebstes Hobby.

Als Sarah vier Monate alt war, stellten Ärzte die Schock-Diagnose. Das Baby litt an einer beidseitigen Tumorerkrankung an den Sehnerven. Der Tumor auf der rechten Seite wurde operativ beseitigt. Auch das rechte Auge musste entfernt werden. Links wurde der Tumor bestrahlt. Seitdem wächst er nicht mehr, schränkt Sarahs Sehfähigkeit und das Gesichtsfeld erheblich ein. "Ich kann Farben und Gegenstände erkennen, allerdings unscharf", erklärt sie.

Dank Frühförderung und tatkräftiger Hilfer ihrer Eltern, die ihr den Besuch der Krabbelgruppe, des Spielkreises und der Grundschule ermöglichten und sie zahlreiche Sportarten vom Fußball über Schießen bis zum Windsurfen ausprobieren ließen, verlebte Sarah eine weitgehend normale Kindheit und Jugend.
An der Grundschule in Himmelpforten nutzte sie ein besonderes Bildschirmlesegerät zur Vergrößerung der Schrift. Zwei Mal wöchentlich unterstützte sie eine Schulbegleiterin beim Lernen.

Größere Schwierigkeiten gab es erst nach dem Wechsel zum Vincent-Lübeck-Gymnasium in Stade, wo die Lernanforderungen deutlich stiegen. Eine Betreuerin für die Fächer Mathematik und Chemie griff ihr beim Zeichnen und Messen sowie bei der Beobachtung von Experimenten unter die Arme. Als Nachteilsausgleich gewährte man ihr bei Klassenarbeiten mehr Zeit für die Lösung der Aufgaben.
Es gibt auch traurige Erinnerungen an die Gymnasium: „Bei den Ballspielen im Sportunterricht wurde ich immer als letzte gewählt“, sagt Sarah.

Sarah entschloss sich schließlich nach der zehnten Klasse zu einem Wechsel an die renommierte Blindenstudienanstalt in Marburg in Hessen. Dort gab es speziell geschulte Lehrer, kleinere Klassen, und nicht zuletzt hatte sie hatte sie ein Jahr mehr Zeit für zur Vorbereitung auf das Abitur, das in dem Bundesland noch nach der 13. Klasse abgelegt wird. Die frisch gebackene Abiturientin hat lauter schöne Erinnerungen an die Marburger Zeit, "jedoch fiel mir die Trennung von meinen Eltern, meinem jüngeren Bruder und meiner besten Freundin Henrike schwer", gesteht die junge Frau.

Mit der Traumnote 1,3 war Sarah zweitbeste Abiturientin der Blindenstudienanstalt, feierte den Abi-Ball stolz im blauen Abendkleid.

Im Herbst beginnt sie ihr Jura-Studium in Göttingen. Bis zum Semesterbeginn nutzt sie ihre freie Zeit zum Reisen. Gerade kehrte sie von einem Berlin-Trip zurück, wo sie mit Freunden die Show der "Blue Man Group" besuchte. Zu Hause entspannt sie sich beim Lesen, am Romane und Psycho-Krimis. Sarah möchte Staatsanwältin werden und fest fest davon überzeugt, auch dieses Ziel zu erreichen: "Man kann fast alles schaffen. Man muss es nur probieren."