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Anwohner auf den Barrikaden

Anwohner der K80 und Mitglieder der Bürgerinitiative gegen den Sandabbau während der friedlichen Demonstration
 
Anwohner "auf Zinne": "AOS - Sandabbau ohne Skrupel", stand auf den Protestplakaten

Demo gegen Sandtransporte in Groß Sterneberg / Vorwurf: "AOS wählt Billiglösung"

tp. Groß Sterneberg. Die Protestwelle gegen die Belastungen durch geplante Sandtransporte des Industrieunternehmens Aluminium Oxid Stade (AOS) rollt weiter über die Stader Geest. Am Freitag verliehen in Groß Sterneberg rund 70 aufgebrachte Anwohner der Kreisstraße K80 sowie Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) gegen den Sandabbau aus dem Nachbarort Hammah ihren Forderungen gegenüber der AOS und den Behörden Nachdruck: Sie verlangen u.a. die Einschränkung der Transportzeiten, ein leises Abbauverfahren und einen offenen Dialog.

Wie berichtet, will die AOS im Gebiet der Gemeinde Hammah über 15 Jahre in maschinellem Tagebau Sand für die Erhöhung des Deiches der Rotschlammdeponie in Stadermoor gewinnen. Die geplante Transportroute für Trecker und Sandkipper führt über die K80, die beidseitig von neu gebauten Einfamilienhäusern gesäumt wird. Die Anwohner, unter ihnen viele Familien mit Kindern, befürchten - so stand es auf einem Protestplakat - "15 Jahre Fahrten durchs Wohnzimmer".

Auf der streckenweise schnurgeraden K80 zwischen Bützflethermoor und Hammah war drei Stunden lang der Verkehr behindert - erst durch den Demonstrationszug, der gegen 15.30 Uhr startete, dann durch Trecker und Autos, die Teilnehmer in beiden Fahrtrichtungen geparkt hatten. Kinder hatten mit Kreide einen bunten Zebrastreifen auf die Fahrbahn gemalt, um auf das von ihnen befürchtete erhöhte Unfallrisiko infolge des zunehmenden Lastwagenverkehrs zu warnen. Über den Vorgärten prangten weiter Transparente mit Aufschriften wie "15 Jahre Dauerlärm", "150 Fahrten am Tag, sechs Tage in der Woche" und "AOS - Abbau ohne Skrupel".

BI und Bürger stellen sich, wie berichtet, nicht generell gegen den Sandabbau, sie fordern jedoch unisono den Verzicht auf Traktoren und Muldenkipper als Transportmittel zugunsten normaler Lkw und die Beschränkung der Fahrten auf fünf Werktage. Auch soll die AOS die Anzahl der Abbautage einschränken und alternativ ein geräuschloses und umweltfreundliches Spülverfahren über eine spezielle Pipeline prüfen, auch wenn dieses möglicherweise höhere Kosten aufwirft. Derzeit wähle die AOS "die Billiglösung", kritisieren die Gegner. Ferner soll die beauftragte Transportfirma auf piepende Rückfahr-Signale bei ihren Fahrzeugen verzichten.
Die BI-Sprecher Hans Supper und Dieter Loerwald appellieren an die AOS-Unternehmensführung, mit ihnen einen Dialog am "runden Tisch" zu führen. Derzeit spreche die AOS nicht mit der BI, bemängeln Loerwald und Supper.

Die BI stellt sich auf eine gerichtliche Auseinandersetzung mit der AOS ein. Mitglieder zahlen bereits in einen dafür eingerichteten Klagefonds ein. Um vor Gericht auch Naturschutz- und Umweltgesichtspunkte geltend machen zu können, hat sich die BI der Arbeitsgemeinschaft Umweltplanung Niederelbe (AUN) angeschlossen. In der Nähe des vorgesehenen Abbaugebietes leben nach Angaben der Aktivisten schützenswerte Vogelarten wie Neuntöter, Mäusebussard und Rotmilan.

Im Rahmen der Demo motivierte die BI betroffene Anwohner dazu, schriftlich Kritik gegen die Pläne zu äußern. Die Entwürfe liegen noch bis Donnerstag, 18. Juni, im Rathaus in Himmelpforten aus. Laut BI gibt es bereits 50 Einwendungen.

KOMMENTAR

Beide Seiten müssen Einlenken

Wer sich, wie die Immobilieneigentümer an der K80 in Groß Sterneberg, ein Haus an einer Durchfahrtstraße baut, muss mit einer wesentlich stärkeren Verkehrsbelastung als in einem ruhigen Wohngebiet rechnen. Doch der von der AOS geplante permanente Sandtransport geht über das zumutbare Maß hinaus. Insofern habe ich Verständnis für die Argumente der Gegner. Ihrerseits haben die Anwohner ja eingelenkt, indem sie den Transport nicht kategorisch ablehnen. Nun ist die AOS am Zug, den Bürgern entgegenzukommen. Auch wenn es teurer wird.
Thorsten Penz