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In Düdenbüttel wurden aus Fremden Freunde

Junge Syrer in der Flüchtlingsunterkunft in Grefenmoor (Foto: Marion Weidt/tp)
 
Karen Rüther (li.) und Marion Weidt (Foto: Marion Weidt/tp)

Völkerverständigung mit Praxis-Sinn auf der Stader Geest: Süßes Buffet als Liebesbeweis / Helfer gesucht

tp. Düdenbüttel. Als die 44 Flüchtlinge im vergangenen Herbst in das leerstehende Landhotel Grefenmoor im gleichnamigen Ortsteil von Düdenbüttel zogen, herrschten diffuse Ängste und Verunsicherung unter vielen der knapp 1.000 Einwohnern des Geest-Dorfes. So viele Zugezogene auf einmal hatte die Gemeinde in ihrer bis ins Mittelalter zurückgehende Geschichte noch nie erlebt. Ein gutes halbes Jahr nach den ersten Begegnung mit den Syrern, Iranern, Irakern, Pakistanern, Afghanen und Georgiern bestimme friedliche und freundschaftliche Multi-Kulti-Stimmung das Zusammenleben. Das berichten Marion Weidt (52) und Karen Rüther (48) vom "Arbeitskreis Grefenmoor", deren ein Dutzend Mitglieder sich um die Neubürger kümmern.

Im November richtete die Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten die Unterkünfte in den 14 Apartments mit Mini-Küchen ein. Seitdem warten die Flüchtlinge - vom Baby bis zum 44-jährigen Mann - auf ihre Anerkennung als Flüchtlinge mit Bleiberecht. "Erst fünf von ihnen haben diesen Status", so Marion Weidt, Zweite Stellvertretende Bürgermeisterin von Düdenbüttel. "Die übrigen hängen in der Luft." Einige hätten noch nicht einmal die Aufforderung erhalten, den Asyl-Antrag zu stellen.

Die Ehrenamtlichen helfen, die Freizeit sinnvoll auszufüllen, werden aktiv, wenn Institutionen an ihre Grenzen stoßen: Eine junge Frau (16) z.B. aus dem Irak, die weder schreiben noch lesen kann, ist zu jung für den Alphabetisierungs-Lehrgang der Volkshochschule für über-18-Jährige, doch ab Sommer soll sie an den Berufsbildenden Schulen in Stade einen besonderen Kursus für Flüchtlinge besuchen, für den Lese- und Schreibkenntnisse erforderlich sind. Zwei engagierte Frauen aus dem Arbeitskreis geben der jungen Irakerin nun Deutschunterricht.

Und: Zwei junge Mütter wurden nicht zum Deutschkursus der Ländlichen Erwachsenenbildung zugelassen, weil dort die Kinderbetreuung fehlt. Nun werden sie von Ehrenamtlichen unterrichtet. Die Kinder sitzen währenddessen bei ihren Müttern auf dem Schoß oder krabbeln durch den Raum.

Die Arbeitskreis-Mitglieder profitieren menschlich und kulturell von ihren neuen Aufgaben. Man lerne fremde Gepflogenheiten kennen, so Weidt. Im arabische Raum etwa sei es Usus, aus Höflichkeit ein Getränke-Angebot dreimal abzuschlagen. Entsprechend frage der Gastgeber dreimal nach, was sie anfangs irritiert habe.
Orientalische Gastfreundschaft wurde auch Arbeitskreissprecherin Karen Rüther zuteil: Die Grundschullehrerin wurde zum Grillen eingeladen und aß mit fünf jungen Arabern gemütlich auf dem Fußboden.

Kürzlich bedankten sich die Asylbewerber bei allen Helfern mit einem buchstäblich süßen Buffet: Eine der köstlichen Speisen war mit dem Schriftzug "wir lieben Euch" verziert.

Und jüngst halfen die Ehrenamtlichen, eine romantische Flüchtlingshochzeit "ganz in Weiß" zu organisieren. Mehr in einer kommenden WOCHENBLATT-Ausgabe.

• Der Arbeitskreis sucht Helfer: Tel. 04141 - 781592 (Karen Rüther).