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Wald gegen Acker - ein gerechter Tausch?

Die Waldohreule (Foto: Olaf Krause/archiv)
 
Diplom-Biologe Torsten Bartels

Mögliche Flächenkompensation für Einkaufszentrum in Himmelpforten: Neues Biotop für Eule und Fledermaus / Gegner: "Das ist Vergrämung"

tp. Himmelpforten. Der Wachtelkönig als „Autobahn-Bremse“ oder der Seeadler als „Windpark-Verhinderer“: Seltene Tiere können zur Planungshürde werden - auch für das von Kritikern als überdimensioniert empfundene Einzelhandelszentrum, das die Bünting-Gruppe an der B73 in Himmelpforten errichten will. Auf rund der Hälfte des privaten, einen Hektar großen, mit alten Bäumen bewachsenen Plangebietes leben im „Steinmetzpark“ Eulen und Fledermäuse. Wegen der vorgesehenen Rodung des Wäldchens sollen sie aller Voraussicht nach umsiedeln. Ist das gerecht und ökologisch?

Der Fortschritt der Bauleitplanung, so waren sich Experten an einem Info-Abend einig, sei nur mit einer Ausnahme vom Artenschutzrecht möglich, die die Naturschutzbehörde des Landkreis Stade genehmigen muss. Wichtiger Schritt zum gültigen Bebauungsplan für das gut zehn Millionen Euro teure Einkaufszentrum mit Aldi, Rossmann und Co., den die Gemeinde aufstellen muss, ist die Flächenkompensation. Dazu soll anstelle des durch Rodung und Bebauung verloren gehenden Brut- und Jagdreviers Naturraum an anderer Stelle aufgewertet werden. Häufig wird als Schadenausgleich für eine neu versiegelte Fläche ein benachbarter Acker bepflanzt. Naturfreunde sehen in dieser für Himmelpforten wahrscheinlichen Methode einen ungleichen Tausch.

Laut Kartierungen, die der von der Gemeinde mit einem Fachbeitrag zum Artenschutz beauftragte Biologe Torsten Bartels in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde durchführte, lebte in dem Wäldchen ein brütendes Waldohreulen-Paar mit zwei Jungtieren. Dort und im weiteren Umfeld jagen zudem die Zwergfledermaus, Wasserfledermaus und die gefährdeten, auf der Roten Liste stehenden Arten, Breitflügelfledermaus, Großer Abendsegler und die Rauhautfledermaus nach Insekten. Die Waldohreule gilt als „noch ungefährdet“.

Biologe Bartels ist längst nicht am Ende seiner Arbeit: Zwar liegen derzeit die Ergebnisse seiner Erkundungen im Steinmetzpark mit weiteren Unterlagen öffentlich aus, doch im Sommer folgt eine vogelkundliche Kartierung. In einer abschließenden schriftlichen Expertise muss Bartels bewerten, ob Lebensraum für Tiere verloren geht und wie hoch der qualitative Verlust ist.

Das Gutachten gilt als Entscheidungsgrundlage für den Gemeinderat, der die Planungshoheit hat. Sollte die Politik den Einkaufszentrums-Plänen stattgeben, könne sie laut Bartels die Kosten für die Kompensation vertraglich auf den Investor übertragen. Für Himmelpforten komme die Aufwertung eines intensiv landwirtschaftlich genutzten Ackers mit einer auf die Fledermäuse und Eulen abgestimmten großflächigen Bepflanzung in Betracht.

Für die Aktivisten der Gruppe „Rettet den Steinmetzpark“ wäre das unbefriedigend. Sprecher Peter Wortmann: „Es ist nur ein Vergrämen der Tiere, zumal niemand deren Ansiedlung auf der neu angebotenen Fläche garantieren kann. Erhalt eines bestehenden Biotops geht vor Kompensation. Die Ausnahme ist eine Notsituation, die hier nicht vorliegt.“ Himmelpforten bedürfe vielmehr einer Qualitätsoffensive im Einzelhandel, im Rahmen derer vorhandene Geschäfte besser genutzt würden. Andernfalls drohe eine unerwünschte Konkurrenz mit Leerständen in benachbarten Gemeinden.