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Berufstaucher aus Oldendorf schuften im Schwarzwasser

Mit Boot und Tauchgeräten (v. li.): Ernst Quednau, Robert Paschke, Oliver Steinert und Daniel Stolter

Extrem-Job in Tümpel und Tiefsee: Ernst Quednau und sein Team sind deutschlandweit unterwegs

tp. Oldendorf. Kläranlagen voller Fäkalien, stockdunkle Wassertürme, Flüsse mit tückischen Strömungen und kalte Tiefsee: Extreme Tauchgründe sind das Revier von Ernst Quednau (47) aus Oldendorf und seinem Team vom "Tauchbetrieb Kirchgäßner". Die versierte Mannschaft erledigt für Auftraggeber aus ganz Deutschland handwerkliche Arbeiten unter Wasser in bis zu 50 Metern Tiefe.

90 Prozent ihrer Aufgaben verrichten die Taucher im "Schwarzwasser", wie Fachleute die völlige Finsternis in Gewässern nennen. Zudem herrscht in den Anlagen, die die Männer warten und reparieren, oft beklemmende Enge. "Die Arbeit erfordert körperliche und mentale Stärke", sagt Ernst Quednau, der seit seiner Jugend Tauchen, zusätzlich Surfen, Bootssport und Schwimmen betreibt und als Zeitsoldat bei der Bundeswehr eine Elite-Ausbildung zum Pioniertaucher durchlief. Dort lernte der verheiratete Vater von drei Kindern Brennen, Schweißen und Sprengen unter Wasser - und den Umgang mit Ausnahmesituationen wie Gewässer-Erkundung auf fremdem Terrain.

Weitere drei Jahre kostete ihn die dreistufige Ausbildung zum Berufstaucher. "Zusätzlich erforderlich ist ein handwerklicher Beruf, der der Taucherei dienlich ist", sagt Quednau, gelernter Rohrnetzbauer. Seine drei Angestellten sind Koch, Informatiker und Kfz-Mechaniker.

So vielseitig wie die Qualifikationen sind die Herausforderungen der Taucher, die stets per Luftschlauch, Strom- und Telefonkabel mit dem Land verbunden sind: "Wir steigen in Faultürme und Biogasanlagen, um Rührwerke zu tauschen und Belüftungsanlagen zu reparieren", sagt Ernst Quednau. Nach maximal 45 Minuten sei so ein Tauchgang "in zähflüssiger Pampe" vorbei, dann sind die Männer, erschöpft. Am Oste-Sperrwerk in Balje wechselten die Taucher eine Luftsprudel-Anlage. Kürzlich tauschten die Fachmänner in einem Feuerlöschturm in 14 Metern Tiefe eine Kunststoffrohrleitung. Routine sind Schweißarbeiten an stählernen Spundwänden oder Kernbohrungen an Brücken, Schleusen und Wehren.

Um auf die vielfältigen Auftrage vorbereitet zu sein, verfügt das Unternehmen über ein Riesen-Sortiment an Werkzeugen, Lampen, Kameras, eine eigene Taucher-Druckkammer und diverse Boote, die auf dem neu bezogenen Gelände im Gewerbegebiet in Oldendorf lagern. Der Tauchbetrieb Kirchgäßner, den Ernst Quednau 2012 von Jonne Kirchgäßner aus Heinbockel übernahm, ist auf Expansionskurs. Volle Auftragsbücher beschert ihm die Offshore-Branche. Als europaweit erstes Unternehmen tauchen Quednaus Männer 35 Meter tief in das Innere von Meeres-Windkraftanlagen, um elektronische Sender zu montieren.