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"Aus wirtschaftlichen Gründen"

Ali Sari vor seinem Laden in Klecken. Warum sich die Lottogesellschaft querstellt wohl nicht nur ihm ein Rätsel

Ali Sari darf keine Lottostelle betreiben / Lotto-Gesellschaft erklärt Standort rechne sich nicht

mi. Rosengarten. Ali Sari versteht die Welt nicht mehr. Im April hatte er im Ort Klecken (Rosengarten) einen Zeitschriften- und Schreibwarenladen gekauft. Vereinbart war, dass er das Geschäft inklusive der vorhandenen Lottoannahmestelle übernimmt. Doch dann begann der Ärger. Ali Sari beantragt bei der Toto-Lotto Niedersachsen GmbH die Genehmigung für den Lottobetrieb - und wird abgelehnt.
„Ich hatte vorher extra eine Schulung besucht für die Bedienung der neuen Lotto-Geräte“, erklärt Sari. Umsonst. Ausschlaggebend für die Ablehnung seien „wirtschaftliche Gründe“, heißt es in einem Schreiben der Toto-Lotto GmbH. Sari fragt nach, die Antwort: Schon der Betrieb durch den Vorgänger habe sich kaum gelohnt. Das hält der Ladenbesitzer für falsch. „Ich habe ein ganz neues Konzept für den Laden, wir haben jetzt durchgehend geöffnet und eine erweitertes Warensortiment, die nächste Lottoannahme ist fast fünf Kilometer entfernt, der Betrieb lohnt sich hier in jedem Fall“, so Sari.
Er setzt alle Hebel in Bewegung sammelt Unterschriften im Ort, mobilisiert die Politik. Erfolglos. Es bleibt bei der Ablehnung. Ihm sei schon jetzt ein beträchtlicher wirtschaftlicher Schaden entstanden. Schließlich habe er fest mit dem Geld gerechnet. „Die Kunden sind verärgert, viele denken, ich wäre es, der den Lotto-Betrieb abgeschafft hat“, so der Geschäftsmann. Sari vermutet, dass nicht wirtschaftliche Gründe, sondern seine Herkunft schuld sei. Er ist Türke. „Auf meinem Pass fehlt die deutsche Flagge“, sagt er. Angeblich hätte ein Lotto-Außendienstmitarbeiter im Bezug auf Sari gesagt: „Der kann doch noch nicht mal richtig Deutsch“.
Bei der Lotto-Gesellschaft dementiert man. Pressesprecher Herbert John: „Wir haben Kunden verschiedenster Herkunft, auch viele Türken“. Für die Ablehnung seien ausschließlich wirtschaftliche Gründe verantwortlich. „Wir sind ein Unternehmen, für uns muss sich eine Lottostelle rechnen“ so John. Das Problem gäbe es häufig in kleinen Orten. Der Trend gehe eben zum großen Einkaufszentrum auf der grünen Wiese.
Für Ali Sari ist das kein Argument: „Ich habe hier investiert, vieles verändert, im Umkreis des Ladens wohnen fast 4.000 Menschen und die Bevölkerung wächst, aber scheinbar kennt man im fernen Hannover die Situation vor Ort hier gar nicht.“