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Da hat sich der Landkreis Harburg ganz schön verzettelt

mi. Landkreis. „Was ist das für ein roter Zettel, der da aus meinem Briefkasten hängt“, wunderte sich ein Hollenstedter. Der Mann, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, fischte daraufhin einen „roten Brief“ von der Zulassungsstelle des Landkreises Harburg aus seinem Postkasten. „Sehr geehrte Fahrzeughalterin, sehr geehrter Fahrzeughalter! Für Ihr Fahrzeug liegt mir ein Stilllegungsersuchen vor...“ war dort unter Angabe eines Auto-Kennzeichens zu lesen. Der Grund: Der Versicherungsschutz sei ausgelaufen. Sonstige Daten wie eine persönliche Anschrift fehlten. Verwunderung, denn der Mann besitzt kein Fahrzeug mit solch einem Kennzeichen.
Dennoch: Vier Mal! So oft war bereits ein Mitarbeiter des Kreises von Winsen zum Haus des vermeintlichen Verkehrs-Sünders nach Hollenstedt gefahren, um das nicht vorhandene Auto stillzulegen und dann unverrichteter Dinge wieder abzuziehen. Auch das war dem roten Zettel zu entnehmen. „4. Besuch!“ hatte nämlich dort der Verwaltungsmitarbeiter mit Kugelschreiber drauf gekritzelt - doppelt unterstrichen...
„Was für eine Steuergeldverschwendung“ , kommentiert der vom Kreis fälschlich Beschuldigte. Er versteht nicht, warum die Behörde nicht gleich beim ersten Mal eine Notiz da gelassen hat, dann wäre die Sache schnell aufgeklärt gewesen und der Dienstfahrten-freudige Mitarbeiter hätte sich die drei weiteren Ausflüge nach Hollenstedt schenken können. Außerdem: Warum stellt man beim Amt eigentlich nicht fest, dass der Name des Halters nicht mit dem des fälschlich Beschuldigten identisch ist? Was ihn aber richtig ärgere sei, der rote Brief habe für alle deutlich sichtbar aus dem Briefkasten heraus gehangen. „Das ist stigmatisierend, wen geht das etwas an? Vor allem, weil ich ja auch noch fälschlich beschuldigt wurde“.
Das musste - mit dem Fall konfrontiert - jetzt auch der Landkreis Harburg einräumen:
„Es handelt sich ganz offenbar nicht um den richtigen Adressaten“, erklärt Kreissprecher Johannes Freudewald. Der Landkreis habe bereits nach jedem Besuch, also vier Mal, einen vergleichbaren roten Zettel an der gemeldeten Halteradresse hinterlassen. Weil es sich lediglich um formlose Benachrichtigungen handele, enthielten diese keine direkte Anschrift, sondern nur das Kennzeichen. Allerdings seien die Zettel nicht absichtlich stigmatisierend drapiert worden. „Wenn der Briefkasten nicht voll ist, werden sie dort komplett eingesteckt.“ Ein förmliches Schreiben sei ebenfalls unter der Adresse zugestellt worden. Es sei laut Post auch angekommen. „Wir vermuten, es handelt sich um eine Scheinadresse oder der tatsächliche Adressat hat sich nicht abgemeldet“, erklärt dazu Freudewald. Ob man den Irrtum nicht durch einen Namensabgleich hätte aufklären können, dazu äußerte sich der Kreissprecher nicht. Allerdings werde der Kreis, sollte sich die Vermutung der „Scheinadresse“ bestätigen, weitere Ermittlungen einleiten.
Für den betroffenen Bürger bleibt das ganze nebulös: „Mir sind weder ein förmliches
Schreiben noch weitere, rote Zettel zugestellt worden“. Offenbar hat man sich da beim Landkreis ganz schön verzettelt.