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"Das ist ein Juwel": Werkstatt der historischen Stellmacherei wird restauriert

Umzugskarton um Umzugskarton tragen Praktikantin Nicole Naumann und Jörg Schulz aus der Magazinverwaltung des Kiekebergmuseums vorsichtig zum Lkw. Mit der Werkstatt soll jetzt nach dem Wohnhaus das zweite Gebäude der Stellmacherei in Langenrehm instand gesetzt und als Außenstelle des Freilichtmuseums am Kiekeberg für die Nachwelt erhalten werden. Dafür wird die Werkstatteinrichtung sortiert und im Museum restauriert
 
Stefanie Mogilowski fotografiert, Anna Strauss gibt die Informationen zu jedem Gegenstand in den Laptop ein
as. Rosengarten-Langenrehm. „Mit der Stellmacherei haben wir hier ein echtes Juwel“, sagt Prof. Dr. Rolf Wiese, Direktor des Freilichtmuseums am Kiekeberg, begeistert. Ein Wohnhaus, eine Werkstatt, ein Hühnerstall und mehrere Schuppen für die Holzlagerung - die Anlage des Stellmachers Heinz Peters, der in Langenrehm Räder, Wagen und andere landwirtschaftliche Geräte aus Holz hergestellt hat, ist nach seinem Tod komplett erhalten geblieben, inklusive Möbel, Kleidung und Werkzeugen. Das Freilichtmuseum restauriert die Anlage derzeit, um hier eine Außenstelle mit Café einzurichten und den Betrieb und sein altes Handwerk zu bewahren.
Das Wohnhaus wurde bereits instand gesetzt, jetzt ist die Werkstatt des Handwerksbetriebes dran. Es scheint, als habe Stellmacher Heinz Peters seine Werkstatt nur kurz verlassen. Werkzeug, Holzteile, Schablonen - alles liegt noch so dort, wie er es hinterlassen hat. Damit die um 1930 eingerichtete Werkstatt saniert werden kann, räumen Rolf Wiese und seine Kollegen aus der Abteilung Volkskunde die Werkstatt und sortieren die historisch wertvollen Gegenstände für die Restaurierung im Museum vor. Unzählige Teile müssen die Mitarbeiter begutachten. Ilja Braunmüller, Mitarbeiter Volkskundeabteilung, leitet die Aktion. Er entscheidet, was bleiben kann und was weg muss. „Alles, was hier liegt, ist ja nicht zufällig da, sondern wurde aus einem bestimmten Grund dorthin gelegt“, erklärt Braunmüller. Jedes einzelne Teil wird deshalb von den Mitarbeitern des Freilichtmuseums in die Hand genommen und geprüft, ob es historisch wertvoll ist, also restauriert werden muss. Wofür die Teile gebraucht wurden, wissen die Mitarbeiter des Museums nicht immer auf Anhieb, teilweise müssen sie erst in der Fachliteratur recherchieren. „Diese detektivische Arbeit macht auch den Reiz aus“, sagt Rolf Wiese.
Dokumentarin Stefanie Mogilowski fotografiert jeden Gegenstand und gibt die Metadaten zu jedem einzelnen Bild an die FSJlerin Anna Strauss weiter, die die Daten im Laptop erfasst. Die Museumsmitarbeiter dokumentieren ihre Arbeit akribisch. Was liegt wo in welcher Zusammenstellung, in welchem Zustand? Dann werden die nach Materialien getrennten Gegenstände sorgfältig in Umzugskartons gepackt, die auf dem museumseigenen Lkw landen. Alles, was aus Holz ist, kommt im Freilichtmuseum zunächst einmal in die Klimakammer. „Dort werden die Gegenstände auf 56 Grad Celsius erhitzt, damit die Schädlinge absterben“, erklärt Rolf Wiese. Ist die Werkstatt leer geräumt, wird um die Werkstatt ebenfalls eine Wärmekammer errichtet. So soll sichergestellt werden, dass keine Schädlinge zurückbleiben. Sind Werkzeug und Holzteile restauriert, kommen sie zurück an ihren Platz in die zwischenzeitlich instand gesetzte Werkstatt
Mitte nächsten Jahres soll die Stellmacherei eröffnet werden. Die Gemeinde hatte die Stellmacherei nach dem Tod Peters für 200.000 Euro erworben und dem Museum zur Nutzung zur Verfügung gestellt. Dafür übernimmt das Museum die Restaurierung der Anlage, die rund 700.000 Euro kosten wird. Rund die Hälfte der Kosten wird von EU-Mitteln zur Dorferneuerung getragen, weiterhin beteiligen sich u.a. der Förderverein des Freilichtmuseums, die Sparkasse Harburg-Buxtehude, die Niedersächsische Sparkassenstiftung und die Bingo! Umweltstiftung Niedersachsen an den Kosten für die Aufarbeitung.