Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Führerschein schon mit 16?

Geht es nach Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies, werden Jugendliche zukünftig schon mit 16 hinterm Steuer sitzen - zumindest mit Begleitung. „Keine schlechte Idee“ finden Fahranfänger Theo Kreutzkamp (17, li.) und Fahrlehrer Christian Grau
 
Geht es nach Olaf Lies, sollen Fahranfänger zukünftig ab 16 Jahren begleitet fahren dürfen. Fahrlehrer Christian Grau begrüßt den Vorstoß
(as/tk.) Dürfen Jugendliche bald mit 16 Jahren Autofahren? Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies plant einen neuen Modellversuch. Werden sie von erfahrenen Fahrern begleitet, sollen junge Fahranfänger in Niedersachsen schon mit 16 Jahren hinters Steuer dürfen.
Bereits beim Begleiteten Fahren mit 17 (BF 17) war das Bundesland Vorreiter, hat 2004 das Modellprojekt initiiert. Begleitetes Fahren bedeutet, dass die Fahranfänger unter 18 Jahren nur im Beisein eines Erwachsenen ans Lenkrad dürfen. Die Begleitperson muss über 30 Jahre alt sein, darf höchstens einen Punkt in Flensburg haben und mindestens fünf Jahre am Stück im Besitz des Führerscheins sein. In der Regel fahren die Eltern mit, andere Personen können aber auch Begleiter sein.
BF 17 ist mittlerweile bundesweit etabliert und hat sich bewährt. Die Unfälle in der Altersgruppe der 18- bis 25-jährigen sind deutlich zurückgegangen. Weiterhin verursachen Fahranfänger, die in Begleitung unterwegs sind, deutlich weniger Unfälle und Unfalldelikte als unbegleitete Führerscheinabsolventen. Laut einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen sinkt das Unfallrisiko in dieser Gruppe in den ersten beiden Jahren um 20 Prozent. Das ist insofern von Bedeutung, als dass Fahrer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren rund 30 Prozent der gesamten Verkehrsunfälle in Deutschland verursachen.
Eine Ausweitung auf eine längere Zeit des begleitenden Fahrens würde das Unfallrisiko weiter reduzieren: „Mehr Zeit zum Üben bedeutet am Ende auch mehr Sicherheit“, so Lies, und stellte klar „Alleine fahren dürfen die Fahranfänger erst mit 18“, so der Minister.
„Jetzt gehen wir den nächsten Schritt und wollen den BF 16“, kündigte der Verkehrsminister an. Wie bewerten Verkehrsexperten und Autofahrer den Vorstoß des Verkehrsministers? Das WOCHENBLATT hat sich umgehört:
Fahrlehrer Christian Grau aus Buchholz unterstützt den Vorschlag. „Der Führerschein B 17 (Begleites Fahren ab 17) ist wirklich gut, auch die Unfallstatistiken belegen das. Ein Jahr länger mit Begleitperson zu fahren, ist prinzipiell nicht schlecht“, sagt Christian Grau. Nach Ansicht des Fahrlehrers gibt das Begleitete Fahren den Fahranfängern Unterstützung und sie gewinnen mehr Fahrpraxis, bevor sie mit 18 Jahren allein am Steuer sitzen. „BF 16 bringt aber nur etwas für die, die regelmäßig fahren. Wer mit 16 den Führerschein macht und zwei Jahre lang nicht fährt, aber mit 18 Jahren allein fahren darf, hat dann ein Problem“, gibt Grau zu bedenken. Er glaubt, dass die Jugendlichen sich auch schon mit 16 Jahren verantwortungsvoll verhalten. „Schließlich dürfen sie mit 16 Jahren auch schon allein mit dem Roller fahren“, so Grau. Und fügt hinzu: „Die Ausbildung und die Fahrprüfung sind schließlich gleich, auch bei BF 17 sind die Schüler so ausgebildet, dass sie alleine fahren könnten.“
Siegfried Häußler von der Verkehrswacht in Buxtehude befürwortet den niedersächsischen Vorstoß mit ähnlichen Argumenten wie Fahrlehrer Grau. „Länger begleitet zu fahren, bedeutet mehr Sicherheit für die Anfänger und damit ein statistisch nachweisbares Sinken der Unfallzahlen in dieser Altersgruppe.“ Zu jung seien 16-Jährige auf keinen Fall, so Häußler.
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) empfiehlt die Einführung des begleiteten Fahrens ab 17 Jahren jetzt auch im Lkw. So soll laut Pressemitteilung die duale Ausbildung zum Berufskraftfahrer verbessert werden. Von der zusätzlichen Fahrerfahrung erhofft sich der DVR eine Erhöhung der Verkehrssicherheit der Berufskraftfahrer und eine Verringerung der Unfallzahlen.