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Kirchenverband will altes Gästehaus in Klecken lieber abreißen, als dort Flüchtlinge unterzubringen

Obwohl als Gästehaus genutzt, soll das "Haus Tanneck" wohl eher abgerissen werden, als dass die Kirche dort für den Landkreis Harburg Flüchtlinge unterbringt
mi. Rosengarten. Die Gemeinde Rosengarten muss nach derzeitigem Stand bis zum Dezember 2015 noch 117 Asylbewerber bzw. Flüchtlinge unterbringen. Das teilte jetzt Hauptamtsleiter Rainer Alka auf Anfrage des WOCHENBLATT mit. Eine neue Unterkunft könnte in der Kleckerwald-Siedlung, im ehemaligen Gästehaus der Kirche, dem "Haus Tanneck" entstehen. Doch die Kirche will die Immobilie wohl lieber abreißen.
In Rosengarten leben derzeit, verteilt auf drei Unterkünfte - zwei in Klecken, eine in Nenndorf - 55 Flüchtlinge. Bis auf das Flüchtlingswohnheim am Kleckener Bahnhof, in dem es noch ein paar offene Plätze gibt, sind die aktuellen Unterbringungsmöglichkeiten der Gemeinde laut Rainer Alka erschöpft. Für gut 100 der 117 erwarteten Personen gäbe es derzeit keine Unterkunft. Deswegen sucht der Landkreis Harburg zusammen mit der Gemeinde nach geeigneten Immobilien. Fest steht: Die Zahl der Flüchtlinge, die Rosengarten aufnehmen muss, wird noch steigen. Dazu Kreissprecher Johannes Freudewald: "Uns wurde bereits vom Land signalisiert, dass mit rund 2.000 Personen zu rechnen ist, die wir auf die einzelnen Gemeinden verteilen müssen."
Das genannte Tagungs- und Erholungsheim "Haus Tanneck" ist Eigentum des Evangelisch-Lutherischen Gesamtverbandes Harburg. Die Immobilie war an den Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) als Gästehaus verpachtet. Der Vertrag ist nach WOCHENBLATT-Information ausgelaufen. Eine Nutzung des ehemaligen Gästehauses als Flüchtlingsunterkunft wäre also möglich.
Kreissprecher Johannes Freudewaldt bestätigt, dass der Landkreis Anfang des Jahres mit dem damaligen Pächter, nicht aber mit dem Eigentümer, das Gespräch gesucht habe. Allerdings sei das Vorhaben, weil damals nicht zwingend notwendig, eingestellt worden. Das sei jetzt anders.
Der Evangelisch-Lutherische Gesamtverband Harburg wollte sich gegenüber dem WOCHENBLATT nicht konkret zur Möglichkeit einer Unterbringung von Flüchtlingen im "Haus Tanneck" äußern. "Uns ist keine entsprechende Anfrage des Landkreises Harburg oder der Gemeinde Rosengarten bekannt", so Verbandssprecher Albrecht Schmidt-Sondermann. Es handele sich um eine rein theoretische Überlegung, die man nicht kommentiere. Außerdem sei der Bau aus den 1950er Jahren stark renovierungsbedürftig und ein Abriss nicht ausgeschlossen. Generell sei die Kirche aber natürlich offen, Flüchtlingen zu helfen, so der Sprecher abschließend.
Die Frage, was mit dem Grundstück nach einem eventuellen Abriss passieren könnte, beantwortete Schmidt-Sondermann nicht.
Allerdings: Sollte das Gästehaus abgerissen werden, ist es kaum vorstellbar, dass der Kirchenverband das Grundstück in bester Lage brachliegen lässt. Wahrscheinlicher ist wohl eine Wohnbebauung. Dafür spricht zumindest, dass der Kirchenverband bereits jetzt 250 Wohneinheiten in Einzel- und Reihenhäusern betreut.
Ob die Bemühungen des Landkreises um die Immobilie von Erfolg gekrönt sein werden, ist unter diesen Vorzeichen zweifelhaft.