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Mein Leben ohne Plastik: Versuch von WOCHENBLATT-Redakteurin Anke Settekorn

2. Teil: Bewusst einkaufen


(as).
Einkaufen ohne Plastik - geht das überhaupt? Einen ersten Versuch habe ich beim Käsestand auf dem Markt gestartet. Anstandslos hat mir die Verkäuferin den Käse unverpackt in meine mitgebrachte Dose gelegt. Geht doch! Allerdings war der Käse vom Stand deutlich teurer als die eingeschweißte Version aus dem Supermarkt.
Jetzt ist der Wocheneinkauf dran: Langsam schiebe ich meinen Einkaufswagen durch den Supermarkt, studiere dabei meine Liste. Säfte in Mehrwegflaschen aus Glas wandern in meinen Einkaufswagen, ebenso Milch und Joghurt - alles problemlos in der Mehrwegvariante aus Glas erhältlich.
Kohl, Salat, Pilze, Äpfel, Birnen oder Kiwis - viel Obst und Gemüse gibt es bereits unverpackt. Zwar hat der Supermarkt die gängigen Plastiktütchen neben dem Obstregal bereitgestellt, aber es werden auch Papiertüten angeboten. Da ich mir nicht sicher bin, ob die Papiertüten wirklich besser als die Plastiktüten sind, verzichte ich auch darauf und lege das Gemüse so in den Wagen.
Auch auf Süßigkeiten verzichte ich vorerst, da ich hier auf den ersten Blick keine Verpackung ohne Plastik-Anteil entdecken kann.
Nächste Station: Nudeln. Ich traue meinen Augen nicht. Meterlange Regale, zig Sorten und Marken, aber egal ob Schleifchen, Spirelli oder Spaghetti: alles ist in Plastik verpackt. Wohl gibt es Nudeln auch im Pappkarton, aber jeder dieser Kartons hat ein Sichtfenster aus Plastik. Reicht nicht die Abbildung auf der Packung? Wieso muss man unbedingt in den Karton schauen können? frage ich mich und suche weiter. Schließlich entdecke ich zwei Verpackungen ohne Sichtfenster: Lasagne-Platten und Canneloni gibt es ohne Kunststoff. Gut, dann gibt es eben Canneloni zum Mittag. Aber mir lässt das keine Ruhe: Anschließend besuche ich einen Bio-Supermarkt. Hier gibt es doch bestimmt Nudeln ohne Plastik-Verpackung? Fehlanzeige. Ebenfalls alles in Plastik oder mit Sichtfenster.
Fazit meines Wocheneinkaufs: Ich habe nicht mehr bezahlt als sonst, allerdings habe ich auch weniger Produkte in meinem Einkaufswagen. Dafür habe ich mir bei jedem einzelnen Lebensmittel Gedanken um den Sinn und Unsinn der Kunststoff-Verpackungen gemacht.
Wie geht das Experiment weiter? Wie sieht es mit dem Plastikverzicht in Küche und Co. aus? Unter www.kreiszeitung-wochenblatt.de/panorama/ werde ich regelmäßig von meinen Erfahrungen berichten.

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