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Mit dem Fahrrad durch Kanada: Ernst Weber reist 14.000 Kilometer entlang des Trans Canada Trail

Er hat das Abenteuer-Gen: Ernst Weber aus Jesteburg will Kanada durchqueren - mit dem Fahrrad. 14.000 Kilometer will der 63-Jährige entlang des Trans Canada Trail zurücklegen. Vier Gepäcktaschen und ein Rucksack, darin befindet sich alles, was er auf seiner Reise durch die Wildnis Kanadas braucht
 
Das muss reichen: 35 Kilo Gepäck, mehr kann der Rentner nicht auf seinem Fahrrad mitnehmen
as. Jesteburg. Zu Beginn jeder Reise steht erst mal das Packen an. Was muss auf jeden Fall mit, worauf kann man vielleicht doch verzichten? „Ich will mit meinem Gepäck unter 35 Kilogramm bleiben“, sagt Ernst Weber aus Jesteburg. Der 63-jährige will einmal quer durch Kanada reisen - mit dem Fahrrad.
Ernst Weber war vor zehn Jahren schon einmal ein halbes Jahr lang mit dem Motorrad in den USA und dem Norden Kanadas unterwegs und hat sich in das Land verliebt.
Jetzt kehrt er zurück: Der ehemalige Manager will den jüngst fertiggestellten Trans Canada Trail befahren, mit insgesamt 18.078 Kilometern der längste „Trail“, (Rad-)Wanderweg, der Welt. Er führt durch alle Provinzen und Territorien Kanadas und verbindet den Pazifischen, den Atlantischen und den Arktischen Ozean miteinander. Von Victoria ganz im Westen auf Vancouver Island (Pazifik) bis nach St. John‘s (Atlantik) will Weber radeln. Das sind gut 14.000 Kilometer. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa der Strecke von Hamburg bis nach Singapur. „Ich habe viel in Internetforen für Fahrradreisende gestöbert, aber noch keinen Bericht über die Reise von West nach Ost gefunden“, so Weber. Das will er ändern.
Ernst Weber ist fit, fährt in seiner Freizeit häufig von Jesteburg mit dem Rad nach Hamburg. Besonders trainiert hat er vor der Reise nicht. „Mich hetzt ja keiner, ich kann in meinem eigenen Tempo reisen. Ich trainiere unterwegs“, sagt Weber.
Der alleinstehende Senior will die Strecke in zwei Etappen zurücklegen. Der erste Abschnitt beginnt in Victoria und führt nach Winnipeg. Dann muss Weber notgedrungen eine Pause einlegen. „Ab Mitte Oktober setzt langsam der kanadische Winter ein“, sagt der Radler. Den Trail weiter zu befahren wäre zu gefährlich, da bereits heftige Schneefälle einsetzen können. Stattdessen möchte er noch einen Abstecher entlang des Mississippi in die USA machen, bevor er im Dezember nach Deutschland zurückkehrt. Im nächsten Sommer soll es dann von Winnipeg aus weiter bis St. John‘s gehen.
Durchschnittlich 500 km will Weber pro Woche zurücklegen, einen Tag pro Woche hat er sich als Ruhetag reserviert. Zeit, um das Fahrrad zu checken, Wäsche zu waschen, Vorräte aufzustocken und seinen Körper auszuruhen.
Seit gut einem Jahr plant er diese Tour, hat im Vorwege viel recherchiert, sich über Internetforen mit anderen Radreisenden ausgetauscht und das nötige Equipment besorgt. Sein Fahrrad ist z.B. für lange Reisen konzipiert, u.a. produziert der Dynamo Strom, mit dem er über einen USB-Anschluss am Lenker sein Navigationsgerät und Handy aufladen kann. In die kanadische Wildnis nimmt er ein Zelt, einen kleinen Rucksack und vier wasserdichte Packtaschen mit. Darin u.a. ein Filter für Trinkwasser, eine Campingdusche, ein Kocher, Funktionskleidung und Nahrungsmittel. Der Speiseplan ist etwas karg, dafür aber so gestaltet, dass er seine Vorräte an Tankstellen und Dorfläden auffüllen kann. „Ich nehme etwas ‚Astronautennahrung‘ mit, ansonsten gibt es Nudeln in allen Variationen und ‚Trail Mix‘, eine Mischung aus getrocknetem Obst und Nüssen“, zählt Weber auf. Zum Frühstück wird das ganze mit Milchpulver angereichert. „Zum Glück esse ich Müsli sehr gern“, lacht Weber.
Auch an seine Sicherheit hat gedacht. Er hat einen GPS-Tracker, der alle 60 Minuten seine Position an seine Homepage übermittelt. Das Gerät verfügt u.a. über eine SOS-Funktion, bei der in lebensbedrohlichen Situationen Hilfe zum letzten vermeldeten Standort geschickt wird. Wichtigster Ausrüstungsgegenstand: das Bärenspray. „Ich bin gut vorbereitet, das einzige, vor dem ich Respekt habe, sind die Bären“, sagt Ernst Weber. Er hat sich gründlich über die zahlreichen Regeln informiert. „Z.B. sollen nicht nur Lebensmittel, sondern auch alles was riecht, also Zahnpasta, Rasierschaum und Deo, nicht im Zelt, sondern gut 100 Meter vom Zelt entfernt in mindestens drei Metern Höhe aufbewahrt werden“, so Weber.
Ernst Weber fährt die Tour alleine. Es sei schwierig, in seinem Alter noch Mitreisende zu finden. „Ich habe das Glück, dass ich noch fit bin. Jüngere arbeiten noch, haben nicht die Zeit, so lange zu verreisen. Bei mir passt gerade alles: finanziell, zeitlich und gesundheitlich“, so Weber. „Und ich habe das Abenteurer-Gen!“. Angst vor dem Alleinsein hat er nicht, in Hostels und auf den Campingplätzen finde man schnell Anschluss, so der (Un-)Ruheständler. Die Tour will er ganz entspannt angehen. „Ich habe Zeit, ich lasse mich treiben, und wo es schön ist, da bleibe ich!“
• Auf www.adventure-by-bike.de berichtet Ernst Weber über seine spannende Reise.