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Nenndorf: Sholeh Schmidt dolmetscht, wenn Landsleute konvertieren möchten

Sholeh Schmidt und ihr Hund Whiskey

Sholeh Schmidt: „Freiheit ist für mich lebenswichtig“


ab. Nenndorf. Die guten Sprachkenntnisse von Sholeh Schmidt (46) sind in Nenndorf und Umgebung gefragt: Geht es um Taufunterricht oder die Taufe selbst, wird die Iranerin häufig gebeten, zu dolmetschen. „Obwohl ich keine Ahnung von der christlichen Religion hatte, hat es mir von Anfang an viel Spaß gemacht“, sagt die Mutter zweier Kinder. Der einen Religion anzugehören und im Dienste der anderen zu übersetzen, ist für sie kein Problem: Sholeh Schmidt ist keine praktizierende Muslima.

Wie alle im Iran geborenen Menschen gehörte auch sie automatisch dem Islam an, gelebt hat sie ihn nie. „Ich glaube an eine übergeordnete Kraft, die alles erschaffen hat“, sagt sie. „Doch für mich heißt sie weder Gott noch Allah. Ich kann sie nicht benennen.“ Sie toleriere jedoch andere Religionen, stellt Sholeh Schmidt klar. „Während der Taufgespräche versuche ich immer so neutral wie möglich zu übersetzen.“

Dass die attraktive Frau in ihrem Heimatland mit dieser offenen Einstellung Schwierigkeiten haben würde, zeichnete sich bereits im Teenageralter ab. „Ich komme aus einer liberalen Familie“, erzählt sie. „Mein Vater war politisch sehr aktiv, immer gegen das Regime. Dadurch stand unsere Familie unter Beobachtung.“ Doch die junge Frau liebte die Freiheit und trotzte den Vorwürfen anders denkender Familienmitglieder. „Du bringst Verderben über uns“, habe ihr Cousin ihr vorgeworfen. „Dabei war ich politisch wenig engagiert, habe aber immer gesagt, was ich dachte“, sagt Sholeh Schmidt.

Sportlehrerin wollte sie nach ihrem Schulabschluss werden, doch als die junge Studentin während einer Schulhospitanz den Schülerinnen gestattete, ohne Kopfbedeckung Sport zu machen, landete sie auf der Abschussliste. „Mir wurde vorgehalten, ich würde die Mädchen auf falsche Gedanken bringen, und ich flog von der Uni.“

Immer gefährlicher wurde es für die freiheitsliebende Iranerin, die sich nicht regelkonform verhielt, z.B. als Zuhörerin verbotene Veranstaltungen besuchte. Immer weiter geriet sie in den Fokus des Regimes. Als ihre Eltern sie eines Tages drängten, zu fliehen, bevor es zu spät sei, ging die damals 28-Jährige. Ein Bekannter hatte ihr kurz vorher heimlich Papiere und Flugticket besorgt. „Ich hatte einen riesengroßen Schutzengel“, sagt sie. Ihre Flucht gelang. Sholeh kam unbeschadet in Hamburg an und wurde dort von Verwandten aufgenommen.

Für Sholeh Schmidt hat sich alles zum Guten gewendet. Kurz nach ihrer Flucht im Jahr 1998 lernte sie ihren Ehemann Frank kennen, im darauffolgenden Jahr heirateten sie. Auch ihren Eltern und den Geschwistern, die nach Sholehs Flucht alle noch stärker überwacht wurden, gelang es, zu fliehen. Seit dem Jahr 2000 lebt Sholeh Schmidt mit ihrem Mann in Nenndorf. Das Paar hat zwei Kinder im Teenageralter und einen Hund. Sholeh Schmidt arbeitet als Sportleiterin bei Blau-Weiss Buchholz und beim TuS Nenndorf.