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Niedersachen plant in einigen Kommunen ein Tempolimit von 30 km/h

Wie sich eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h (Fotomontage) auf innerörtlichen Hauptstraßen auf die Verkehrsbelastung auswirkt, will das Land jetzt in einem Modellversuch testen (Foto: tk / Montage: msr)
tk./as. Landkreis. Tempo 30: Dieses Verkehrsschild wird Autofahrer demnächst auf einigen Hauptverkehrsstraßen in niedersächsischen Städten zum Bremsen zwingen. Das Land will testweise drei Jahre lang das Tempolimit innerorts in ausgewählten Kommunen erproben. Am Ende sollen die Ergebnisse zeigen, ob Umwelt, Anwohner und Autofahrer gleichermaßen davon profitieren. Der Versuch soll Ende 2017 oder Anfang 2018 starten. In welchen Städten, steht noch nicht fest. Ist das eine sinnvolle Maßnahme? Das WOCHENBLATT hat in den Landkreisen Harburg und Stade nachgefragt.
„Wir nehmen den Versuch mit Interesse zur Kenntnis“, sagt Johannes Freudewald, Sprecher des Landkreises Harburg. Inwieweit eine Reduzierung der Geschwindigkeit von 50 auf 30 km/h die Lärm- und Schadstoffbelastung verringere und mehr Sicherheit im Verkehr schaffe, müsse sich aber erst noch zeigen. Zudem sei der Landkreis für Logistik und Schwerlastverkehr auf eine zügige Verkehrsabwicklung angewiesen, so Freudewald. „Das Tempolimit kann eine Chance sein, Lärm und Schadstoffbelastung zu verringern. Wir müssen aber sicherstellen, dass der Verkehrsfluss dadurch nicht behindert wird“, so Freudewald.
Auch Dirk Seidler, Bürgermeister der Gemeinde Rosengarten, ist zwiegespalten. „Die Idee eines durchgehenden Tempo-30-Limits klingt erst mal gut, aber ob es in der Umsetzung wirklich zu einer Verbesserung führt, muss man ausprobieren“, so die persönliche Einschätzung Seidlers. Ein Knackpunkt: „Wer soll überprüfen, ob sich die Fahrer auch an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten?“ fragt Seidler. Ohnehin sei es fraglich, ob die Gemeinde Rosengarten für den Versuch überhaupt infrage käme.
Auch bei der Polizeiinspektion Harburg ist man skeptisch: „Eine Reduzierung der Geschwindigkeit kann die Sicherheit erhöhen. Allerdings sind Hauptverkehrsstraßen dazu da, große Verkehrsmengen aufzunehmen und diese dann schnell in einen Ort oder aus dem Ort herauszuschleusen. Eine Verlangsamung des Verkehrs führt automatisch zu langsamerem Verkehrsfluss, längeren Wartezeiten an Ampeln und damit einhergehend einer höheren Wahrscheinlichkeit auf Staus, insbesondere zu den Stoßzeiten“, so Torsten Adam, Sachbearbeiter Gefahrenabwehr und Umweltschutz der Polizeiinspektion Harburg. Unfallschwerpunkte an Hauptstraßen, die ein generelles Tempo 30-Limit notwendig machten, gebe es derzeit nicht, so Adam.
Ulrike Müller hingegen, Mitglied des Hanstedter Samtgemeinderates, hält den Versuch eines durchgehenden Tempolimits für durchaus sinnvoll. Jüngst hat sie die zuständigen Kommunen dazu aufgefordert, sich für eine Umsetzung des Modellversuchs in Thieshope einzusetzen (das WOCHENBLATT berichtete).
Buxtehude hat schon Anfang der 1980er Jahre ausprobiert, was das Land jetzt testet: Die gesamte Innenstadt war eine Tempo-30-Zone. 200 Betonringe bremsten damals Raser aus, inzwischen hat nur noch der engere Innenstadtbereich flächendeckend Tempo 30. „Es kommt immer auf den Einzelfall an“, sagt Buxtehudes Verkehrsplaner Johannes Kleber. Auf Straßen, die etwa schlecht einsehbar oder besonders kurvig seien oder sonstige Gefahrenstellen aufweisen, könne es sinnvoll sein, das Tempo von 50 auf 30 Stundenkilometer abzusenken.
Das Experiment dürfte bei manchen Autofahrern in den Städten der Landkreise Harburg und Stade ohnehin für Stirnrunzeln sorgen: Für sie wäre Tempo 30 zur Hauptverkehrszeit auf den Stauachsen schon so etwas wie Lichtgeschwindigkeit.