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Sterbehilfe - Debatte ist wichtig

Assistierter Suizid: Kritiker sprechen vom „Geschäft mit dem Tod“, für Betroffene scheint er manchmal der letzte gangbare Weg (Foto: Foto: Karin_Jähne Fotolia)

Arzt fordert von der Politik eine offene Diskussion, die den Menschen nicht vergisst

(mi). In der neuen Legislaturperiode will sich der Gesetzgeber mit dem Thema Sterbehilfe auseinandersetzen. Wie wichtig eine offene Debatte ist, bekräftigte jetzt Dr. Rolf Weber, Arzt im Ruhestand, auf einem Vortrag der Senioren-Union in Rosengarten. Sein Ansatz: „Der Mensch darf nicht vergessen werden.“
Wie mit einem unheilbar Kranken umgehen, der so sehr leidet, dass er sich den Tod wünscht? Die Frage spaltet quer durch Profession, Parteibuch und Konfession die Gesellschaft. „Die Sterbehilfe ist in Deutschland nicht in einem speziellen Gesetz geregelt“, sagt Dr. Rolf Weber. Es gelte das allgemeine Strafrecht (siehe Kasten).
Der Arzt stellte in seinem Vortrag die These auf, dass sich in unserer Gesellschaft das Sterben in den vergangenen 50 Jahren verändert habe. „Früher starb man einfach, meist zu Hause, heute haben sich Diagnostik und Behandlungen weiterentwickelt. Das Leben wird viel öffter medizinisch verlängert und nur wenige Menschen sterben noch einfach zu Hause“, erklärte Weber. Die Gesellschaft habe es verschlafen, sich mit diesen Veränderungen auseinanderzusetzen. In den Niederlanden oder der Schweiz sei diese Debatte bereits geführt, wenn man auch die Ergebnisse nicht teilen müsse. Dr. Rolf Weber: „Ich will hier nicht der aktiven oder einer anderen Sterbehilfe das Wort reden, sondern deutlich machen, wie wichtig eine Diskussion zum Thema ist.“ Hintergrund: Die Niederlande haben als einer von wenigen Staaten die aktive Sterbehilfeunter engen Voraussetzungen erlaubt. In der Schweiz gibt es die Möglichkeit des assistierten Suizid, auch hier gelten enge rechtliche Rahmenbedingungen.
Gerade die Tatsache, dass immer mehr Menschen auch in Deutschland Hilfe von Organisationen in Anspruch nehmen, die ihnen einen assistierten Suizid in der Schweiz ermöglichen, zeige, dass die Gesellschaft um eine Diskussion, was würdiges Sterben bedeute, nicht mehr herumkomme. Ein wichtiger Punkt dabei ist laut Weber auch ein Ausbau der Palliativmedizin und des Hospizwesens. „Ich möchte der Politik ins Stammbuch schreiben, dass sie bei der De
batte um die Sterbehilfe nicht nur juristische Feinheiten und konfessionelle Befindlichkeiten, sondern immer auch den Menschen als fühlendes und leidendes Individuum in den Mittelpunkt stellt“, so der Wunsch von Dr. Rolf Weber an die Politik.
• Das „Sterbehilfegesetz“ soll im Herbst 2015 verabschiedet werden. Für die Abstimmung soll es keinen Fraktionszwang geben.

Sterbehilfe und Assistierter Suizid

Es werden verschiedenen Arten der Sterbehilfe unterschieden:
Aktive Sterbehilfe, bei der dem Patienten auf seinen Wunsch oder mutmaßlichen Wunsch ein tödliches Mittel durch einen Dritten verabreicht wird. Das ist in Deutschland strafbar und kann als Totschlag gewertet werden.
Passive Sterbehilfe ist der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen wie z.B. eine künstliche Beatmung, auf Patientenwunsch oder aufgrund einer Patientenverfügung. Das ist in Deutschland nicht strafbar.
Assistierter Suizid - der Patient nimmt ein bereitgestelltes tödliches Mittel selbst ein - ist nicht strafbar. Allerdings können die Anwesenden wegen unterlassener Hilfeleistung und unter bestimmten Voraussetzungen sogar wegen Totschlags belangt werden.
Indirekte Sterbehilfe bedeutet, dass der Tod als Folge einer schmerzstillenden Behandlung in Kauf genommen wird. Wenn sie dem Wunsch des Patienten entspricht, ist sie nicht strafbar.