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Vom Museum ins Fernsehen

Der "Braunkohl" hat es ihm angetan: Museumsgärtner Matthias Schuh versucht, den Vorfahren unseres Grünkohls zu züchten
 
Auch Recherche gehört dazu: Matthias Schuh liest in alten Aufzeichnungen

Kiekeberg-Gärtner Matthias Schuh ist seit Kurzem auch TV-Experte

as. Ehestorf. „Ich mag es, mit den Händen in der Erde zu arbeiten.“ Matthias Schuh, Museumsgärtner des Freilichtmuseums am Kiekeberg, ist auch nach 20 Jahren noch immer von seinem Beruf fasziniert. „Den Wandel der Jahreszeiten in der Natur mitzuerleben, ist immer wieder toll“, so Schuh.
Der gelernte Landschaftsgärtner, der schon als Jugendlicher ein ausgeprägtes Interesse an Geschichte hatte, findet die Verbindung der Gärtnertätigkeit mit dem historischen Wissen spannend. Dabei war es zunächst eine recht große Herausforderung.
„Als gelernter Landschaftsgärtner geht es vor allem darum, Trends aufzugreifen. Im Museum musste ich mich damit befassen, wie Gärten vor 200 Jahren angelegt wurden. Viele uns bekannte Gartenelemente und Pflanzen gab es damals noch nicht.“
Matthias Schuh recherchiert viel in alten Schriften. Aber auch alte Saatgutlisten von Händlern, Kochbücher und Bestellscheine von Restaurants können ihm Aufschluss darüber geben, welche Pflanzen wann angebaut wurden.
Dabei sind ihm besonders die in Vergessenheit geratenen Gemüsesorten ans Herz gewachsen. „Wenn wir alte Sorten einsäen, fiebern wir richtiggehend mit, ob die Pflanze etwas wird“, so der 45-Jährige. Wie jüngst beim Anbau einer alten Tomatensorte. Leider sind die Tomaten am Kiekeberg nichts geworden. Das gehöre eben auch zum Gärtnern, so Schuh, man müsse immer wieder herumprobieren. „Die alten Sorten schmecken ganz anders. Früher hatten die Menschen mehr Respekt vor Pflanzen, heute werden Pflanzen nur noch konsumiert“, sagt der Gärtner. In seinem Museumsgarten versucht er, den violetten „Braunkohl“, einen Vorgänger des Grünkohls, wie wir ihn kennen, zu kultivieren.
Seit September ist er nun der neue Gartenexperte der NDR-Sendung „Mein Garten“, die jeden Donnerstag ab 16.10 Uhr live gesendet wird.
Auch wenn die Themen der Sendung gut vorbereitet sind, ist Matthias Schuh immer noch etwas aufgeregt, wenn er vor die Kamera muss. „Aber das ist ganz normal“, so Schuh. In der Sendung berät er vor allem zu allgemeinen Gartenfragen.
Entspannen kann Matthias Schuh sich am besten in der Natur. Er nimmt mit seinen Kindern gern an Treibjagden teil und ist draußen viel unterwegs.
Bei Fahrradausflügen, die er gemeinsam mit seinen vier Kindern unternimmt, stößt er häufig am Wegesrand auf Pflanzen, die andere bestenfalls als Unkraut wahrnehmen würden. So wie der Giersch, der in fast jedem Garten zu finden ist. „Die wenigsten wissen, dass man den Giersch im Frühjahr, also im April/Mai ernten muss. Viele warten bis zum Spätsommer, da schmeckt er nicht mehr“, erklärt Schuh.
Doch nicht nur um vergessene Pflanzensorten kümmert sich Matthias Schuh. Seit vielen Jahren ist er für die SPD im Ortsrat von Vierhöfen tätig. Er setzt sich dort im Ausschuss für Jugend, Sport und Kultur für eine kinderfreundlichere Gemeinde ein.
Sein eigener Garten hat wenig Ähnlichkeit mit den historischen Gärten im Museum: „Wir haben vier Kinder, da braucht man eine große Rasenfläche zum Toben und Spielen.“