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Asyl im Apartmenthaus

Das Apartmenthaus: Im Gebäudeflügel ganz links praktiziert der Zahnarzt, rechts sollen die Flüchtlinge wohnen

mi. Tötensen. Im sogenannten Apartmenthaus in Tötensen (Hamburger Straße) werden wohl Asylbewerber untergebracht. Die Immobilie war dem Landkreis vom Unternehmer Steffen Lücking zur Miete als Flüchtlingsunterkunft angeboten worden. (Das WOCHENBLATT berichtete). Jetzt bestätigte Kreissprecher Johannes Freudewald dem WOCHENBLATT, dass eine Nutzung als Flüchtlingsunterkunft so gut wie sicher sei.

Für den Landkreis und auch die Gemeinde Rosengarten ist das Apartmenthaus fast wie ein Sechser im Lotto: Das Gebäude verfügt über 870 Quadratmeter Wohnfläche und bietet laut Kreisverwaltung Platz für rund 50 Asylbewerber. Dazu kommt: Im Ort gibt es die notwendige Infrastruktur, und ein Nahversorger in Nenndorf ist mit dem Bus oder dem Rad erreichbar. Außerdem wurde das Haus vorher als Unterkunft für Monteure genutzt.
Alles prima also? Offenbar nicht, denn im Rosengarten-Dorf Tötensen scheint es eine große Rolle zu spielen, ob in dem Gebäude Monteure aus ganz Euroland oder Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisengebieten der Welt untergebracht werden.
Hintergrund: In dem Haus ist in einem Nebenflügel mit separatem Eingang seit zehn Jahren eine der Zahnarzt-Praxen von Dr. Arnim-Roald Reinecken untergebracht. Offenbar befürchtet der Mediziner, dass Flüchtlinge als „Nachbarn“ kein gutes Aushängeschild für die Praxis sind. Ihm sei von Patientenseite sogar schon der Arztwechsel angedroht worden. Dr. Arnim-Roald Reinecken: „Wir haben einen langfristigen Mietvertrag. Ein selbst finanzierter Umzug kommt für uns nicht in Frage. Weiter gehen wir davon aus, dass unser Praxisbetrieb zu keiner Zeit beeinträchtigt wird. Falls die Behörde das nicht garantieren kann, sollte sie ein anderes Objekt für die Unterbringung wählen. Denn: Soziale Verantwortung, so der Mediziner, sollte es nicht nur gegenüber Asylbewerbern, sondern auch gegenüber Arbeitsplätzen und der medizinischen Versorgung der Bevölkerung geben.
Der Zahnarzt, der nach WOCHENBLATT-Informationen noch eine weitere Praxis in Buxtehude besitzt, befürchtet demnach finanzielle Einbußen.
Dazu Sprecher Freudewald: Wir werden über die Unterkunft, die natürlich auch durch einen Sozialarbeiter und einen Leiter betreut wird, informieren und den Dialog suchen.“
Der Kreissprecher machte aber auch deutlich, wie dringend der Landkreis Unterkünfte sucht. Laut Freudewald muss der Kreis, optimistisch geschätzt, bis zum Ende des Jahre noch 1.728 Personen aufnehmen. Gesicherte Plätze gebe es derzeit nur noch bis Mitte Mai. Danach sei auch die Unterbringung in Turnhallen oder Ähnlichem nicht mehr ausgeschlossen. Freudewald: „Schon jetzt mussten wir übergangsweise als Notunterkunft eine zum Glück ausgemusterte Sporthalle in Winsen belegen.“

Moment mal

Keine Angst beim Zahnarztbesuch
Aha! Weil nebenan Flüchtlinge leben, traut man sich nicht mehr zum Zahnarzt. Man könnte ja einem begegnen, der einen im Dunkeln überfällt - nein keinem Zahnarzt -, sondern einem „Flüchtling“. Doch Moment mal, der „gefährliche, weil Fremde“, könnte früher tatsächlich mal Zahnarzt gewesen sein, bis seine Praxis vielleicht bei einem Bombenangriff zerstört oder er wegen politischer Ansichten verfolgt wurde. Warum ist es so schwer zu begreifen, dass die Menschen, die bei uns Schutz suchen, ganz normale teilweise gut (aus)gebildete Leute sind? Wer Angst hat, beim Zahnarztbesuch überfallen zu werden, sollte auch nicht mehr mit dem Auto (dorthin) fahren, denn dabei kann viel mehr passieren.
Mitja Schrader