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"Bürger sollen mitbestimmen"

Die Bürger sollten mitbestimmen, fordert Architekt Thies Ockelmann (Foto: mi)

Bevölkerung hat begrenztes Mitspracherecht / Architekt hält Bürgerbeteiligung für zwingend notwendig


ab. Rosengarten. ab. Rosengarten. Es liegen noch keine konkreten Entwürfe für den Neubau des Rathauses der Gemeinde Rosengarten vor, doch schon jetzt sorgt das Vorhaben für Unruhe. Während Bürger wie Thies Ockelmann auf ein umfassendes Mitspracherecht hoffen, spricht sich Bürgermeister Dirk Seidler dagegen aus: Die Öffentlichkeit an der Entwicklung des Gebäudes wie der Ausrichtung, der Raumaufteilung, dem Material zu beteiligen, sei nicht vorgesehen. „Die Bevölkerung hat ein begrenztes Mitspracherecht. Das Konzept des Gebäudes wird jedoch nicht öffentlich diskutiert.“

Die Bürger können, so Seidler, dann Einfluss nehmen, wenn es um die Gestaltung des Vorplatzes geht: Das soll vom eigentlichen Verfahren abgekoppelt werden, informiert er. „Was auf dem Platz vor dem Rathaus stattfinden und wie er gestaltet werden soll, ob sich beispielsweise Geschäfte ansiedeln - bei diesen Planungen soll die Bevölkerung mitbestimmen.“

Geplant ist ein Verfahren nach ÖPP-Modell, bei dem ein Privatinvestor während der Bauphase sämtliche Kosten übernimmt, um nach Fertigstellung das Gebäude an die Gemeinde zu einem vorab festgelegten Preis zu verkaufen (das WOCHENBLATT berichtete). Rund 4,8 Millionen Euro wurden im Haushalt für den Bau eingestellt, sagt Rosengartens Bürgermeister Dirk Seidler.

Umfassenden Einfluss der Bevölkerung am Gesamtkonzept wünscht sich hingegen Architekt Thies Ockelmann aus Rosengarten. „Ein neues Rathaus sollte so entworfen werden, dass es nicht nur Funktionen für Verwaltung und Politik übernimmt, sondern auch für die Bürger“, fordert er. Allein die voraussichtlichen Kosten, die letztlich zulasten der Steuerzahler gingen, erforderten eine Bürgerbeteiligung. „Es sollte ein Bürger-Rathaus werden, das in seiner Funktion nicht nur den Mitarbeitern des Rathauses dient, sondern auch Raum bietet für Veranstaltungen, für Menschen aller Altersgruppen. Das sollte offen diskutiert werden.“
Ein Mitwirken der Bevölkerung fördere das Wir-Gefühl in der Bürgerschaft, ist Ockelmann überzeugt.

Die Meinungen der Bevölkerung ins Gesamtkonzept einzubeziehen, sei unbequem, weiß Thies Ockelmann: Je mehr Menschen ihre Meinung äußerten, desto aufwendiger werde es, zu Ergebnissen zu kommen. Diese hätten dann aber eine hohe Qualität. „Es ist ein langwieriger Prozess - den wollen die Verantwortlichen nicht“, sagt er.

Doch ein Rathaus sei schließlich ein Aushängeschild der Gemeinde, und das Jahrzehnte lang. „Bei dem Gebäudeentwurf muss vieles bedacht werden, zum Beispiel, dass der vom Bürger gewünschte ‚ländliche Charakter‘ sichtbar oder eine energiesparende Bauweise gewählt wird.“ Damit nennt der Architekt zwei von vielen Fakten, die seiner Meinung nach eine dem Bau vorgeschaltete Planungsphase, z.B. mit einem Architekten, erforderlich machen.

• Welche Schritte für die Planungen eines Rathauses mit Bürgerbeteiligung wichtig sind, veranschaulicht der Architekt Tilmann Joos anhand eines Wettbewerbsobjekts auf einer Veranstaltung der Grünen am heutigen Mittwoch, 13. April, in der Gaststätte „Zum Lindenhof“ in Rosengarten-Nenndorf, Bremer Straße 55, ab 20 Uhr.