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Erst 2,5 Millionen jetzt 5,6 Millionen Euro - Gesamtschule Hittfeld erheblich teurer als geplant

Ohne erkennbaren Plan: Bei der Schulpolitik wirft der Landkreis mit Geld um sich, als gäbe es kein morgen

mi/rs. Landkreis. Die Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) in Seevetal (Hittfeld) wird mehr als doppelt so teuer als Politik und Verwaltung ursprünglich angenommen haben. Statt geplanter 2,5 Millionen Euro sollen jetzt 5,6 Millionen fließen.

Neuer Tiefpunkt einer, wie Fachleute meinen, desaströsen Schulpolitik im Landkreis Harburg, wo nach Wegfall der Schuleinzugsbezirke der Elternwille oberste Priorität besitzt und Kosten offenbar keine Rolle mehr spielen.
Rückblick: 2013 entschied der Kreistag, dass die dritte IGS auf Kreisgebiet nach Hittfeld kommt und in den Räumen der auslaufenden Realschule untergebracht werden soll. Ausschlaggebend für Hittfeld waren damals die mit 2,5 Millionen Euro geringeren Kosten gegenüber dem ebenfalls möglichen Standort an der Oberschule Rosengarten in Nenndorf (7,1 Millionen Euro). Wobei mit einer Entscheidung für Rosengarten der Schulstandort Nenndorf hätte gesichert werden können.
Im Kreisschulausschuss des Landkreises Harburg informierte jetzt der Leiter der Abteilung für das Schulwesen, Friedrich Goldschmidt, dass die Kosten für die Bereitstellung von ausreichend Räumen für die fünfzügige IGS in Hittfeld sich von 2,5 Millionen Euro auf rund 5,6 Millionen Euro mehr als verdoppeln.
Der Grund für diese Kostenexplosion: Die Verwaltung war, gestützt auf eine Elternbefragung, davon ausgegangen, das fünfzügige Gymnasium Hittfeld komme durch den Wechsel von Kindern zur neuen IGS mit einem Zug weniger aus. Die dadurch freiwerdenden Räume sollten von der IGS genutzt werden. So hätte ein Anbau von 700 Quadratmetern ausgereicht.
Doch die Anmeldezahlen im laufenden Schuljahr zeigten: Das Gymnasium bleibt bis auf Weiteres fünfzügig. So fehlen der neuen IGS nicht 700, sondern 2.300 Quadratmeter. Jetzt müssen die Verantwortlichen beim Landkreis zugeben: Elterliche Interessenbekundungen scheinen als Planungsinstrument und für eine seriöse Kostenschätzung kaum tauglich.
Eine Erfahrung, die die Kreisschulbehörde schon 2012 in Jesteburg machen musste: Damals wurden dort 171 Kinder für die neu Oberschule angemeldet. Aktuell sind es gerade mal 97 Kinder. Kosten der neuen Schule in Jesteburg: mehr als 13 Millionen Euro.


Kommentar


Auf Dauer wird das nicht mehr finanzierbar sein!

Die Kostenexplosion bei der IGS-Seevetal zeigt: Schulpolitik, die als alleinigen Maßstab den Elternwillen setzt, ist auf Dauer finanziell nicht tragbar. Sicher, Wettbewerb zwischen den Schulen als Motor für innovative Konzepte ist nicht verkehrt. Wenn aber einzig der Wettbewerb - sprich das, was Eltern gerade als das Beste für ihre Sprösslinge erachten - darüber entscheidet wo Millionen investiert werden, mit dem Ergebnis, dass, wenn eine neue Schulform in Mode kommt, gerade geschaffene Kapazitäten wieder leer stehen, kann das auf Dauer nicht gut gehen.
Bestes Beispiel sind die IGS Seevetal in Hittfeld und die Oberschule in Rosengarten. Blind auf die Willensbekundungen der Eltern vertrauend hat man beim Landkreis die Investition in die in den 1970ern errichtete Hittfelder Realschule regelrecht schön gerechnet. Mit dem Kunstgriff frei werdende Kapazitäten des Gymnasiums mit nutzen zu können. Das rächt sich jetzt. Zugegeben, auch mit 5,6 Millionen Euro scheint die Investition noch günstiger als die 7,1 Millionen für eine IGS in Rosengarten. Dort hätte man jedoch einen Schulstandort nachhaltig gesichert. Was passiert eigentlich mit dem erst im Jahr 2000 neu gebauten und 2003 erweiterten Gebäude der Oberschule in Nenndorf, wenn es dort bald nicht mehr genügend Schüler gibt?
Und: Macht es wirklich Sinn, eine neue Schule in einem Bau aus den 1970ern unterzubringen, wie es in Hittfeld passiert? Welche Modernisierungskosten kommen dort noch dazu? Das alles sind Fragen, die sich früher oder später stellen werden.
Vielleicht wäre es besser, bei der Schulplanung nicht jedem Trend nachzugeben und wieder mehr auf Schuleinzugsbezirke zu setzen, damit gewinnt man sicher nicht immer die Herzen der Eltern und Wähler, wohl aber eine tragfähige, planbare und vor allem dauerhaft finanzierbare Schulpolitik.
Mitja Schrader