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Gemeinderat Rosengarten entscheidet über das Projekt "Friedwald"

Der Wald erfreut sich als Platz für Beerdigungen immer größerer Beliebtheit (Foto: ah)
mi. Rosengarten. Der Gemeinderat Rosengarten entscheidet am morgigen Donnerstag 17. März, 19 Uhr (Böttchers Gasthaus) darüber, ob in der Gemeinde ein sogenannter Friedwald entsteht.

Darum geht es:

Die Niedersächsischen Landesforsten und das Unternehmen „FriedWald GmbH“ aus Hessen wollen im Kleckerwald auf einem Areal von 30 Hektar rund um das Hünengrab und das Ole Fösterhuus einen Urnenbegräbniswald betreiben. Die Aufgabe der Gemeinde Rosengarten ist, das Areal zum Friedhof umzuwidmen. Betreiber des Friedwalds wird die gleichnamige GmbH. Die Einnahmen aus den Beerdigungen fließen ebenfalls nach Hessen. Die Gemeinde Rosengarten erhält einen symbolischen Betrag von drei Prozent je Beisetzung.

Was hat die Gemeinde davon?

Folgt man Bürgermeister Dirk Seidler ist die Urnenbegräbnisanlage eine Bereicherung. Bürger aus Rosengarten könnten sich dann im Wald in ihrer Gemeinde beerdigen lassen. Dazu erwartet man auch Beisetzungs-Kundschaft aus der Region Hamburg. Trauerfeiern sollen die Gastronomie ankurbeln. So könnten zum Beispiel im Olen Fösterhuus zukünftig nicht nur Hochzeiten, sondern auch Totenfeiern stattfinden.

Was bedeutet ein Friedwald für die umliegenden Friedhöfe?

Kritiker befürchten, dass ein Friedwald die kommunalen Friedhöfe stark unter Druck setzt. Wegen zurück gehender Beerdigungszahlen haben viele Friedhöfe in der Region Schwierigkeiten, kostendeckend zu wirtschaften. In Rosengarten mussten deswegen bereits die Gebühren drastisch erhöht werden. Dazu kommt, einige Friedhöfe in der Umgebung, zum Beispiel in Buchholz oder Seevetal, haben - dem Trend folgend - ihrerseits Baumbestattungsmöglichkeiten oder kleine Bestattungswälder geschaffen. Ein kommerzieller Friedwald wäre wohl fatal für diese kirchlichen und kommunalen Projekte. Können die Friedhöfe irgendwann nicht mehr ausreichend aus Gebühren finanziert werden, müssen sie entweder geschlossen oder über Steuerzuschüsse finanziert werden. Ein Friedwald könnte Kritikern zur Folge so indirekt zu einer Belastung für die Allgemeinheit werden.

Kann der Wald weiter genutzt werden wie bisher?

In der Gemeinde Rosengarten nicht! Hintergrund: Ein Friedwald ist ein Friedhof im Wald. Die Gemeinde will deswegen Regelungen zum Schutz der Totenruhe erlassen. Auf WOCHENBLATT-Nachfrage haben Verwaltung und Politik mehrmals öffentlich bestätigt: „Es wird Nutzungseinschränkungen geben“. Konkret soll in dem Areal das Radfahren verboten werden sowie das Beeren- oder Pilzesuchen. Dass es zu weiteren friedhofsüblichen Einschränkungen, zum Beispiel im Bezug auf Hunde kommt, verneint die Verwaltung.

Wie steht die Politik zu dem Projekt?

Sowohl der Ortsrat Klecken als auch der Fachausschuss haben sich gegen einen Friedwald ausgesprochen. Die CDU steht dem Projekt kritisch gegenüber. Viele Befürworter finden sich in der SPD. Auch hier soll es aber laut Fraktionschef Klaus-Wilfried Kienert „Abweichler“ geben. Die Grünen, die das Thema aufs Tapet gebracht hatten, befürworten einen Friedwald. Ebenso die Linke. Dagegen ist die FDP.

Ist das Projekt wirklich ein einzigartiger „Leuchtturm“?

Nein. Nur knapp vier Kilometer Luftlinie in der Nachbargemeinde Jesteburg gibt es schon einen kommerziellen Friedwald. Dieser wird durch das Unternehmen „RuheForst“ betrieben.

Gibt es überhaupt eine Nachfrage?

Das ist schwer zu sagen. Statistisch belastbare Daten fehlen. Geschätzt rechnet man bei „FriedWald“ mit drei bis vier Beisetzungen aus dem Raum Rosengarten pro Jahr.

Muss der Friedwald unbedingt nach Klecken?

Wohl ja. Allerdings hat die Linke jetzt einen Antrag gestellt, es möge geprüft werden, ob in Rosengarten noch andere Areale infrage kämen. Sie sollen nicht größer als fünf Hektar- aber erweiterbar sein. Außerdem sieht der Antrag vor, die Zahl der Beerdigungen im Friedwald auf 200 pro Jahr zu beschränken.