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Halbzeit für Dirk Seidler

Mit dem neuen Rathaus hat Bürgermeister Dirk Seidler die größte Investition, die die Gemeinde Rosengarten jemals getätigt hat, federführend begleitet (Foto: as)
as. Nenndorf. Vier Jahre ist es jetzt her, dass Rosengartens Bürgermeister Dirk Seidler (53) als parteiloser Kandidat zum Verwaltungschef gewählt wurde, seit dreieinhalb Jahren ist er im Amt. Halbzeit für Dirk Seidler. Das nimmt das WOCHENBLATT zum Anlass für eine Zwischenbilanz.
Bereits im Wahlkampf sei die Zusammenarbeit mit der Politik sehr gut gewesen, erinnert sich Dirk Seidler. Der Verwaltungsfachmann aus Hambühren wurde von Beginn an von einem Bündnis SPD, CDU, UWR und der FDP unterstützt.
Eines von Seidlers Themen war dabei eine "Politik der Sachlichkeit". "Das gelingt uns gut. Die Masse der Entscheidungen wird mit Mehrheitsbeschlüssen oder einstimmig gefasst", sagt Seidler. So habe der Gemeinderat mit großer Mehrheit für das Rathaus und für das Zukunftskonzept gestimmt.
"Ich konnte viele Projekte federführend weiterbringen, die zu meinem Amtsantritt z.T. schon angeschoben oder im Kern angelegt waren", sagt Seidler. Wie z.B. die Gemeindeentwicklungsplanung, das Zukunftskonzept Rosengarten 2030. In mehreren Workshops haben Bürger und Politik gemeinsam festgelegt, wie Rosengarten zukünftig aussehen soll und so einen Rahmen für die Entwicklung der Gemeinde geschaffen.
Der Rathausneubau für rund 5,8 Millionen Euro (inklusive Vorplatz und Inventar), der derzeit errichtet wird, ist nicht unumstritten. "Dass man bei einem solchen Investitionsvolumen Widerstände überwinden muss, ist vollkommen normal - es handelt sich schließlich um die größte Investition, die jemals von der Gemeinde Rosengarten getätigt wurde", sagt Dirk Seidler. Das ÖPP-Verfahren sieht er nach wie vor positiv, was die Kosten und die Umsetzung angeht.
Auch die Parksituation in Klecken war bereits ein Thema in seinem Wahlkampf. Im vergangenen Jahr wurde der neue Park-and-Ride-Parkplatz eröffnet, derzeit wird die Anbindung an den Bahnsteig geschaffen. "Es gab etliche Verzögerungen. Es war schwierig, einen Ansprechpartner bei der Bahn zu finden, auch die Ausschreibung lief nicht ganz nach Wunsch", räumt Seidler ein. Dennoch ist er froh, den seit 2013 diskutierten Parkplatz endlich zu Ende zu bringen.
"Dass nicht alles klappt, damit muss man leben", sagt Seidler. Als Beispiel nennt er die Lockerung der Baumschutzsatzung. Seidler war dagegen, seiner Meinung nach entspricht die Satzung nicht mehr dem eigentlichen Schutzzweck, der mit einer Änderung der Baumschutzsatzung verfolgt werden sollte. "Ich hätte mir eine andere Regelung gewünscht, aber die Politik hat so entschieden", so Seidler. Das Thema sei kontrovers diskutiert worden, auch innerhalb der Parteien. "Es gibt hier kein Lagerdenken." Auch beim umstrittenen Friedwald entschied die Politik gegen die Verwaltung. Seidler: "Entscheiden und dann abhaken."
Der Verwaltungschef hat in seiner Amtszeit das Benevit-Haus Kiekeberg eröffnet und die Voraussetzungen für eine Seniorenwohnanlage in Vahrendorf geschaffen. "Die hatten viele schon aufgegeben", so Seidler.
Der Bürgermeister hat das Ratsinformationssystem "Allris" für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und die Bürgermeister-Sprechstunde abgeschafft. "Ich habe keine feste Sprechstunde, jeder kann kommen. Wenn ich Zeit habe, steht meine Tür offen", betont der Bürgermeister.
Dass er keiner Partei angehört, könne manchmal von Nachteil sein, "ich habe keine Hausmacht." Insgesamt sei so aber eine offene, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Politik entstanden. Eine weitere Amtszeit sei nach heutigen Gesichtspunkten vorstellbar, so der Bürgermeister, "aber nur, wenn ich den entsprechenden Rückhalt von der Politik erhalte. Ohne geht es nicht." Die Gemeinde Rosengarten zeichnet laut Seidler aus, dass gemeinsam für die Sache entschieden werde, auch bei unterschiedlichen Ansichten.
Eine Herausforderung für die zweite Amtszeit ist der Ausbau der familiengerechten Ganztagsbetreuung in Schulen und Kitas. Die Gemeinde plant derzeit in Nenndorf und im nördlichen Rosengarten den Kitabau. Eine zusätzliche Belastung stellt die Beitragsfreiheit dar. "Da sind hohe Defizite programmiert."
Dennoch blickt Seidler positiv in die zweite Amtshälfte. "Rosengarten ist eine Gemeinde, in der man gestalten kann. Wir sind leistungsfähig und werden es auch bleiben", versichert er.

Verwaltung statt Visionen

Sachorientiert, so beschreibt Dirk Seidler seine Arbeit. Er gehört keiner Partei an, wurde von einer bunten Mehrheit in seinem Wahlkampf unterstützt.
Diese Sachlichkeit steht ihm jedoch auch manchmal im Weg. Seidler ist ein Verwaltungsmensch: Er verwaltet die Gemeinde. Zwar bringt er Projekte erfolgreich zu Ende, mitunter fehlen aber eigene Visionen, um Rosengarten voranbringen. Impulse kommen häufig von außen, z.B. im Naturschutz.
Andererseits nimmt er dank seiner Sachlichkeit oft auch eine vermittelnde Rolle ein. So ist es Seidler z.B. gelungen, mit dem TuS Westerhof und der Politik gemeinsam eine Lösung für die Sanierung des Sportplatzes herbeizuführen.
Anke Settekorn