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Kreisumweltausschuss: Kritik an Erweiterungsplänen der Müllumschlaganlage in Nenndorf / Verwaltung soll Alternativen „sorgfältig“ prüfen

Wolfgang Kirchhof hat Glück: Kein Stau an der Müllumschlaganlage in Nenndorf. Das kennt der Seevetaler auch anders: „Ich habe hier schon manche Stunde in der Warteschlange gestanden“, sagt er. „Am Wochenende fahre ich lieber gleich nach Eddelsen. Dort kann man die Grünabfälle sogar abladen, ohne eine Treppe zum Container hochsteigen zu müssen.“ Ist auf dem Gelände in Nenndorf Platz für eine weitere Grünablagefläche? Darüber diskutierte jetzt der Kreisumweltausschuss
 
Elisabeth Bischoff (Grüne, 3. v. re.) plädierte erneut dafür, vor einer Erweiterung der Umschlaganlage zunächst die Annahmesituation zu verbessern und eventuell die Öffnungszeiten zu verlängern
as. Nenndorf. Die Pläne, die Müll­umschlaganlage in Nenndorf zu erweitern und den Verkehr über das angrenzende Gewerbegebiet zu leiten, sind erst mal auf Eis gelegt - zumindest wenn es nach dem Umweltausschuss des Landkreises Harburg geht. Mit einer knappen Mehrheit von sieben Ja- und sechs Gegenstimmen sprach sich das Fachgremium gegen eine Umsetzung der Pläne des Landkreises aus.
Hintergrund: Immer wieder staut sich auf der B75 im Kreisel vor der Müllumschlaganlage der Verkehr aus Richtung Dibbersen, teilweise führt der Rückstau bis zum Anschluss der Autobahn (das WOCHENBLATT berichtete). Der Lösungsvorschlag der Kreisverwaltung: Auf einer gegenüberliegenden Fläche soll eine neue Annahmestelle für Grünabfälle entstehen. Der Grünschnitt soll nicht wie derzeit in Containern, sondern auf einer ebenerdigen Ablagefläche entsorgt werden. So soll die Anlieferung beschleunigt und Wartezeiten auf der Anlage verringert werden. Gleichzeitig soll der Anlieferungsverkehr für Grünabfälle nicht mehr über den Kreisel an der Anlage erfolgen, sondern über Nenndorf und das Gewerbegebiet zur Anlage geleitet werden. Rund 380.000 Euro würde die Maßnahme kosten. Wie berichtet, hatte der Umweltausschuss den Plänen zunächst zugestimmt, im Kreistag war die Erweiterung aber erneut an das Fachgremium verwiesen worden. Nach einer Begehung der Anlage in Nenndorf berieten die Mitglieder des Fachausschusses unter Beteiligung der Politik aus Rosengarten erneut über das Thema.
CDU und FDP sprachen sich dafür aus, dem Vorschlag der Verwaltung zu folgen. „Ich vertraue auf die Verwaltung, dass wir eine tragbare Lösung finden. Wenn wir das alles jetzt nochmal prüfen, dann stehen die Bürger wieder ein Jahr im Stau“, mahnte Hans-Joachim Mencke (CDU). „Wir entscheiden, ob das gemacht wird - wie es gemacht wird, sollten wir der Verwaltung überlassen“, sagte Arno Reglitzky (FDP).
Die Kritik an der Erweiterung bezog sich hauptsächlich auf zwei Punkte: Zum einen soll die vorhandene Fläche ausgenutzt werden, zum anderen soll der Anlieferungsverkehr nicht durch Nenndorf geleitet werden. „Statt eine neue Fläche zu bebauen, sollte man lieber auf der vorhandenen Fläche die Annahmesituation verbessern“, sagte Elisabeth Bischoff (Grüne).„Die Verwaltung sollte einen Planer beauftragen, der die bestehende Fläche unbefangen anschaut“, so Bischoff. Es gebe zudem viele kleine Stellschrauben, an denen man erst mal drehen könne, wie z.B. die Verlängerung der Öffnungszeiten.
„In den grundsätzlichen Ideen, dass man die Anlieferung der Grünabfälle von den anderen Wertstoffen trennen und die Abwicklung erleichtern muss, sind wir uns ja einig“, stellte Klaus-Wilfried Kienert (SPD) fest. Aber die Verwaltung solle „sorgfältig“ prüfen, ob diese Maßnahmen nicht auch auf der bereits vorhandenen Fläche möglich seien. Auch Dr. Hans-Peter Link (WG) sieht „Potenzial auf der vorhandenen Fläche“. Ob auf der derzeit u.a. für Stellplätze genutzten Fläche links von den Grünschnitt-Containern oder einem Grünplatz vor der Halle - die Politiker hatten bei der Begehung zahlreiche Vorschläge, wo man auf dem Gelände Raum für die Ablagerung des Grünabfalls schaffen könnte. Dabei wurde auch deutlich: Die Ausschussmitglieder wünschten sich offenbar mehr Informationen von der Verwaltung. „Wie sollen wir entscheiden, wenn wir dafür keine Parameter an die Hand bekommen?“ kritisierte Holger Mayer, Vertreter der Naturschutzverbände. Zum Beispiel wurde vorab nicht geprüft, woher die Anlieferer überhaupt kommen. Rosengartens Bürgermeister Dirk Seidler regte während der Begehung deshalb eine Befragung der Anlieferer an, um zunächst den Verkehrsfluss zu analysieren.
„Unser Vorschlag ist die beste Lösung, um die Trennung von gebührenfreien und gebührenpflichtigen Abfällen vorzunehmen - und auch die beste Lösung, um die verkehrliche Situation im Kreisverkehr zu entspannen“, hielt Frank Sameluck, Betriebsleiter Abfallwirtschaft im Landkreis Harburg, an der Planung fest. „Die Anlage platzt aus allen Nähten. Der Engpass entsteht durch Stau am Container. Ein Verschieben der Container bringt nichts - die vorhandene Fläche ist einfach zu eng“ unterstützte Kreisrätin Monika Scherf diese Position.
Der Umweltausschuss hat jetzt die Verwaltung beauftragt, die Logistik auf der Anlage ausführlich darzustellen, die Überplanung der bestehenden Anlage dahingehend zu hinterfragen, ob eine Trennung von Grünabfällen und anderen Wertstoffen möglich ist und eine Erweiterung der Öffnungszeiten zu prüfen. Wie es mit der geplanten Erweiterung weitergeht, darüber entscheidet jetzt der Kreistag.