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Landkreise Stade und Harburg zoffen sich um Müll

Wer „WL“ im Nummernschild trägt, entsorgt bislang seinen Grünabfall in Ardestorf - sogar kostenlos. Das könnte sich bald ändern
 
Müll aus Neu Wulmstorf ist auf der Müllannahmestelle in Ardestorf bald unerwünscht
mi. Neu Wulmstorf. Die einseitige Aufkündigung eines Abkommens über die Grünabfallannahme im Kreisgrenzgebiet zwischen den Landkreisen Harburg und Stade durch die letztgenannte Kommune sorgt derzeit für Unmut bei Bürgern der Gemeinde Neu Wulmstorf und für Zoff zwischen den beiden Kreisverwaltungen.
Jahrelang funktionierte die Vereinbarung zwischen den beiden Kreisen: Sie sieht vor, dass der Landkreis Stade seine Müllannahmestelle in Ardestorf auf dem Gebiet des Landkreises Harburg betreibt und als Gegenleistung Neu Wulmstorfer auf der Anlage in Ardestorf Gartenabfall und Siedlungsmüll entsorgen dürfen. Das Besondere: Neu Wulmstorfer sind auf der Stader-Anlage echte Grünmüll-VIPs, denn für sie ist die Müllannahme dort - im Gegensatz zu den Bewohnern des Kreises Stade - sogar kostenlos. Jetzt will der Landkreis Stade ab 2017 keinen Müll mehr aus dem Landkreis Harburg annehmen. Für Neu Wulmstorfer bedeutet das: Wer Grünabfall entsorgen muss, dem steht eine kleine Weltreise bis zur nächsten Annahmestelle des eigenen Landkreises in Todtglüsingen (Samtgemeinde Tostedt) bevor.
„WL“: Zwei harmlose Buchstaben machen den Unterschied: Autos mit diesem Kennzeichen werden in der Müllannahmestelle des Landkreises Stade bei Ardestorf bisher vom Personal wie VIPs durchgewunken. Wer dagegen mit Stader Kennzeichen „STD“ anrollt, wird angehalten und zahlt 4,90 Euro pro Kubikmeter Grünabfall.
Der Hintergrund ist kurios: Der Müllannahmeplatz, offizieller Name Abfallwirtschaftszentrum Buxtehude-Ardestorf, wird zwar vom Landkreis Stade betrieben, liegt aber im Hoheitsbereich des Landkreises Harburg. Die Kreise haben deswegen 2013 in einem Abkommen beschlossen, dass auch Bürger aus dem Grenzgebiet des Landkreises Harburg die „kreisfremde“ Einrichtung nutzen dürfen, und dass im Gegensatz zu den Bewohnern des Kreises Stade sogar kostenlos. Denn für Bewohner des Landkreises Harburg ist die Grünabfallannahme immer gebührenfrei. So sieht es daher auch das Abkommen für das Abfallwirtschaftszentrum bei Ardestorf vor. Die eigentlich fälligen Gebühren übernimmt der Landkreis Harburg für seine Bürger.
Doch bald könnten aus WLer-“Grünmüll-VIPs“ „Baumschnitt-Bringer“ zweiter Klasse werden, für die sich nicht einmal mehr die Schranke vor der Anlage öffnet. Der Grund: Aus Neu Wulmstorf kommt einfach zu viel Grünabfall. Christian Schmidt, Kreissprecher Landkreis Stade, macht eine einfache Rechnung auf. Demnach sei die Anlage für 9.650 Tonnen genehmigt, vergangenes Jahr seien allerdings rund 12.000 Tonnen angeliefert worden. 4.000 davon stammen aus dem Landkreis Harburg. Fazit: Ohne dem Müll aus dem Nachbarkreis ist die Größe der Anlage voll ausreichend. Christian Schmidt: „Alternative wäre die Erweiterung der Annahmestelle, das ist mit Kosten und hohem Verfahrensaufwand beim Immissionsschutz verbunden“ Dazu kommt: Die Vermarktung des in der Anlage gewonnenen Kompostes laufe schon jetzt eher schleppend, sodass eine Kapazitätserhöhung auch wirtschaftlich keinen Sinn gebe.
Jetzt ist im Kreis Stade die Politik am Zug. Ende Mai soll sich der Umweltausschuss mit dem Thema befassen. Gibt es dort eine positive Empfehlung, hat der Kreisausschuss das letzte Wort. Soll der Ausschluss kreisfremder Bürger wirklich schon 2017 greifen, müssen Politik und Verwaltung allerdings aufs Tempo drücken. Denn das Abkommen muss bis Ende Juni aufgekündigt werden, sonst verlängert es sich automatisch um ein halbes Jahr.
Derweil setzt man im Landkreis Harburg alles daran, eine Lösung für das Dilemma zu finden. Kreissprecher Johannes Freudewald: „Das Bürger des Landkreises Harburg aus dem Einzugsbereich der Anlage künftig ihre Grünabfälle nach Tostedt fahren müssen, ist für den Landkreis nicht hinnehmbar. Wir haben das Ziel, den Bürgern die Nutzung der Müllannahmestelle weiter zu ermöglichen.“ Welche Schritte der Kreis dahingehend unternehmen will, dazu sagte der Pressesprecher nichts.