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Streit um Windkraft: Warum soll in Neu Wulmstorf erlaubt werden, was in Tespe verboten ist?

Das Foto beweist es: Auch strenggeschützte Weißstörche halten sich neben der Hühnerfarm in deren Nähe die Windräder gebaut werden sollen auf (Foto: archiv privat)
mi. Landkreis. Wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Das fragt Vogelschützer Wilhelm Hartmann die Verantwortlichen im Landkreis Harburg. Denn während in Tespe (Elbmarsch) der Bau von Windenergieanlagen aus Vogelschutzgründen nicht möglich ist, treibt man in Kreishaus und Politik den Bau von drei Windenergieanlagen in Neu Wulmstorf rund um einen Hühnerfarm weiter voran - obwohl es dort laut Hartmann ein viel größeres Aufkommen windkraftsensibler Arten gibt.
„Dieser Standort ist aus Vogelschutzsicht falsch“, sagt Wilhelm Hartmann. Bereits früh hatte der Vogelschützer bekräftigt, dass der Bau dreier Windräder rund um einen Freilandhühnerstall bei Neu Wulmstorf für Greifvögel, die von den Hühnern angelockt werden, zur Todesfalle wird (das WOCHENBLATT berichtete). Sein Ziel: Verhindern, dass der Bereich als sogenannte Windvorrangfläche im Regionalen Raumordungsprogramm ausgewiesen wird.
Das Problem: Ein Gutachten des Landkreises Harburg kommt für das Gebiet zu dem Schluss, dass es rund um die Anlagen keine Brutgebiete betroffener Vögel gibt. Dem widerspricht Hartmann auch nicht. Allerdings müsse der Gutachter seiner Ansicht nach auch das durch die Geflügelfarm erhöhte Vorkommen angelockter Vögel in Rechnung stellen. „Die scheinen bei der Abwägung keine Rolle zu spielen“, so Hartmann. Mäusebussarde, Rotmilane, Weißstörche, Waldschnepfen, den großen Brachvogel und Kraniche - alle diese Vogelarten hat Wilhelm Hartmann rund um den Standort gesichtet und fotografiert. Bestätigt würden seine Beobachtungen auch durch das Buch „Uhu, Schwalbe & Co. - Die Buxtehuder Vogelwelt 2014“, das ähnlich viele Arten dokumentiert.
Doch beim Landkreis scheinen diese Erkenntnisse keine Rolle zu spielen. Eisern hält man im Kreishaus und in der Politik an den Windenergie-Plänen fest. Anders in Tespe: Hier mussten die Pläne für ein Windvorranggebiet aufgegeben werden.
Der Unterschied zu Neu Wulmstorf ist laut Wilhelm Hartmann vor allem ein formaler, denn in Tespe wurden Brutplätze nachgewiesen, in Neu Wulmstorf nicht. Für Wilhelm Hartmann sollte das aber keine Rolle spielen, wichtig sei schließlich, ob es rund um die Anlagen windkraftsensible Arten gebe. Schützenhilfe erhält Hartmann dabei vom Land Niedersachsen. Man werde eine solchermaßen besondere Fallkonstellation (gemeint ist das hohe Aufkommen rund um die Hühnerfarm) in die Folgenabschätzung einer Windenergieplanung einstellen müssen, heißt es in einem Schreiben aus dem niedersächsischen Umweltministerium.
Vom Landkreis war keine Stellungnahme zu bekommen. Der Grund: Die zuständigen Mitarbeiter befinden sich noch im Urlaub.