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Zahlen für RTL und Co.: Ab 1. Juli wird der Empfang von Privatsendern per DVB-T2 kostenpflichtig

Ab 1. Juli ist der DVB-T2-Empfang von Privatsendern kostenpflichtig
(as). Als ein freies Fernsehen für jedermann wurde die Übertragungsvariante DVB-T vor gut zehn Jahren eingeführt. Die Zeit des unkomplizierten, kostenfreien „Überallfernsehens“ ist jetzt vorbei: Der Empfang von Privatsendern ist ab 1. Juli kostenpflichtig.
Nach der im März erfolgten Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 (das WOCHENBLATT berichtete) erfolgt nun der nächste Schritt. Nicht nur mussten neue Empfangsgeräte angeschafft werden: Am 30. Juni endet die Gratisphase der privaten Programme. Ab 1. Juli muss gezahlt werden: 5,75 Euro im Monat bzw. 69 Euro für 12 Monate sind für den Empfang der Privatsender fällig, die öffentlich-rechtlichen Sender bleiben weiterhin kostenfrei.
Ganz so reibungslos, wie versprochen, lief der Übergang von DVB-T zu DVB-T2 nicht. Nach der Umstellung klagen viele DVB-T2-Nutzer über schwächeren Empfang und Tonstörungen. „Einige unserer Kunden haben sich beschwert, weil sie das neue Signal anscheinend nicht so gut empfangen können. Dort, wo vorher eine Antenne unter dem Dach ausgereicht hat, mussten sie eine Außenantenne einsetzen“, berichtet Frank Runge, Inhaber des Elektrofachgeschäftes „konzept + sound“ in Marxen. Auch beim WOCHENBLATT beklagten sich Leser, u.a. aus Holm-Seppensen und Kakenstorf, über schlechten Empfang. Das ist auch den Sendeanstalten bekannt. „Gegenüber DVB-T, wo in der Regel schon eine Außenantenne (aber keine Dachantenne) erforderlich war, hat sich die terrestrische Fernsehversorgung mit den NDR-Programmen in und um Buchholz in der Nordheide leider etwas verschlechtert“, lautet das Statement des NDR auf Nachfrage des WOCHENBLATT. Der Grund: Der „Sender Rosengarten“ in Emsen wurde im Zuge der DVB-T2-Umstellung im Raum Hamburg am 29. März abgeschaltet, seitdem wird aus Hamburg gesendet.
DBV-T2 ist technisch anspruchsvoller, ermöglicht eine höhere Auflösung der Sender als der Vorgänger DVB-T. So wird jetzt in Full-HD-Auflösung gesendet - und das kostet. Diese Kosten wälzen die ohnehin werbefinanzierten Privatsender jetzt auf die Zuschauer ab. Wer weiterhin RTL und Co. schauen möchte, muss sich über den Anbieter Freenet TV dafür freischalten lassen. Dafür müssen die Fernsehfans sich mit ihrer E-Mail-Adresse, der Freenet TV-ID des Empfangsgerätes und ihrem Guthaben-Code online oder telefonisch anmelden. Das könnte insbesondere für ältere Nutzer, die vielleicht keinen Internet-Zugang haben, schwierig sein. „DVB-T2 hat den Charme des einfachen 'Allerweltfernsehens' verloren“, sagt Frank Runge. Hinzu kommt, dass diese Freischaltungsgebühr für jedes Empfangsgerät entrichtet werden muss. Immerhin: Werden die Gebühren für mehrere Geräte vom selben Konto abgebucht, soll nur das erste Gerät voll berechnet werden, für die anderen soll es einen Nachlass von 20 Prozent geben.
Das Versprechen, Fernsehen in Full HD-Qualität einfach, mobil und portabel per Antenne empfangen zu können, wurde mit DVB-T2 bislang nur teilweise eingelöst. Ärgerlich: Die Umstellung gilt für alle. Auch wer keinen HD-fähigen Fernseher hat und Privatsender auch gern weiterhin in der herkömmlichen SD-Qualität schauen möchte, musste sich umstellen. Hinzu kommt: Mit den Kosten für den Receiver und den Empfang der Privatsender ist DVB-T2 nicht mehr die unumstritten günstige Alternative zu Kabel und Satellit.