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Cola kommt bald aus der Kapsel

Erfrischendes auf Knopfdruck: Wolfgang Braun (re.) und sein Mitarbeiter Klaus Renken führen den Kapselautomaten vor
 
Wolfgang Braun erläutert das Prinzip des Kapselautomaten
mi. Rosengarten.

Kapsel rein, Knopf drücken und einen erfrischenden Saft, eine Cola oder sogar ein Bier genießen - ganz ohne Kisten schleppen, Leergut wegbringen, oder teures Mehrwegsystem. Sieht so die Zukunft aus? Das Unternehmen VIB Braun aus Rosengarten hat einen Kapselautomaten für Erfrischungsgetränke entwickelt. Diese Neuheit stellt die auf den Bau von Schankanlagen spezialisierte Firma jetzt auf Einladung des Wirtschaftsministeriums auf den Innovationstagen des Mittelstands in Berlin vor. Mit ihrer Erfindung konkurriert das kleine Unternehmen mit dem US-Konzern Coca Cola, der gerade ähnliche Modelle entwickelt.

Wenige Büroräume, eine kleine Werkstatt, acht Mitarbeiter und doch ein „Global Player“. Im Jahr 1993 gründete Wolfgang Braun in Emsen (Rosengarten) die VIB Braun. Das Unternehmen entwickelt und fertigt Getränke- und Schanksysteme für Groß- und Privatkunden. Dazu gehören Kliniken, Raststätten, Hotels, Altenheime. Anlagen von VIB Braun findet man u.a. bei BASF, bei Fielmann, der Hilton-Gruppe, VW und sogar auf einer Forschungsstation in der Arktis.
Für Wolfgang Braun sind die Maschinen, die gekühltes Tafelwasser und durch Zugabe von Konzentrat verschiedenste Getränke herstellen, die Alternative zu herkömmlichen Flaschen. Braun: „Ein Unternehmen mit 650 Mitarbeitern verbraucht im Jahr ca. 143.000 Halbliter-Flaschen Tafelwasser. Für die Reinigung braucht man 1.144.000 Liter Wasser und 336 kg Reinigungsmittel.“ Ein Getränkeautomat dagegen werde nur mit Konzentrat befüllt, das Wasser kommt aus der Leitung - besser für Ökologie und Geldbeutel.
Jetzt hat Wolfgang Braun nach den Vorbildern im Heißgetränkesektor den Prototyp eines Kapselautomaten für Erfrischungsgetränke entwickelt. Rund 350.000 Euro investierte Unternehmer Braun in die Idee. 150.000 Euro Förderung erhielt seine Firma vom Bundeswirtschaftsministerium.
Das Ergebnis ist ein voll funktionsfähiges Gerät, das aus Konzentratkapseln jeweils 0,25 ml Fertiggetränk herstellt. Das Prinzip: Eine Düse durchstößt die Kapsel und presst Wasser mit hohem Druck ein. Wasser und Konzentrat vermischen sich rückstandslos zum fertigen Getränk. Kritiker fragen allerdings: Brauchen wir noch mehr Müll durch Getränkekapseln? Hintergrund: Der Siegeszug der Kapsel bei Heißgetränken führt schon jetzt in Deutschland zu rund 4.000 Tonnen zusätzlichem Aluminium- und Plastikmüll - Tendenz steigend. Braun macht eine andere Rechnung auf: Im Vergleich zum Kaffeefilter sei die Kapsel ökologisch in der Tat der klare Verlierer. Bei herkömmlichen Getränken, die sonst in Plastikflaschen oder Aluminiumdose gefüllt werden, bringe sie aber für Privathaushalte eine Müllreduzierung um bis zu 95 Prozent. Auch das Transportvolumen werde massiv reduziert, was ebenfalls der Umwelt zugute käme.
Die VIB Braun ist nicht das einzige Unternehmen, das ins Kapselgeschäft einsteigen will. In den USA hat sich Branchen-Riese Coca Cola gerade für mehr als eine Milliarde Dollar bei einer Firma eingekauft, die ebenfalls einen Kapselautomaten für Erfrischungsgetränke entwickelt. Schon ab Herbst soll Cola aus der Kapsel den US-Markt erobern.
Potenzielle Zielgruppe der Kapsel-Geräte sind vor allem Privathaushalte. Auf Knopfdruck, so die Idee, könnten sich Konsumenten zukünftig mit Erfrischungsgetränken versorgen. Das Tragen schwerer Kisten entfällt.
Noch könnte Kunden allerdings der hohe Preis abschrecken. Das Gerät der VIB Braun kostet derzeit 1.200 Euro. Zielpreis sind laut Firmeninhaber Wolfgang Braun aber nur rund 800 Euro. Im Gegensatz zur Konkurrenz soll sein Produkt mit den Kapseln aller Hersteller kompatibel sein. Braun: „Wir sind Spezialist für Schankgeräte und wollen kein Kapsel-Monopol aufbauen.“

Förderung durch den Bund

Unterstützt wurde die VIB Braun durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Das branchen- und technologieoffen konzipierte ZIM gilt seit Programmstart 2008 als Flaggschiff der Innovationsförderung des Bundes für kleine und mittlere Unternehmen. Bislang wurden für rund 29.000 Forschungs- und Entwicklungsprojekte insgesamt vier Milliarden Euro Fördermittel bewilligt. Fast 220 Mio. Euro davon entfielen auf Unternehmen aus Niedersachsen.