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"Eine gute Lebensschule": Dachdeckergeselle Jan-Kristoff Knaack kehrte nach drei Jahren auf weltweiter Walz in die Heide zurück

"Ich kann mein Zuhause sehen!": Vom Kreisverkehr in Salzhausen blickt Jan-Kristoff Knaack (oben li.) mit seinem Freund Max Kraemer und anderen Wandergesellen auf seinen Heimatort Oelstorf
ce. Salzhausen. Wie ein Arbeiterdenkmal mutet das Bild an: Mitten auf dem Kreisverkehr im Heideort Salzhausen machen es sich 16 Handwerks-Wandergesellen aus aller Welt in ihrer schwarz-weißen Kluft gemütlich. Die Männer von der Gesellenvereinigung "Fremder Freiheitsschacht" legen die letzte Rast ein, bevor sie einen der Ihren zu Hause abliefern: Jan-Kristoff Knaack (24), der drei Jahre lang weltweit auf der Walz war und nun heimkehrt.
"Nach der Lehre wollte ich mir die Welt ansehen", erinnert sich Dachdeckergeselle Knaack an die Zeit des Aufbruchs im Frühjahr 2011. Bevor er mit den "Fremden Freiheitsbrüdern", wie die Schacht-Mitglieder heißen, losziehen durfte, musste er sich einer Tauglichkeitsprüfung unterziehen, sich als Aufnahmeritual einen Nagel für einen Ohrring durchs Ohr schlagen lassen ("Ich war zum Glück betrunken und hab' kaum Schmerzen gespürt") und versprechen, mindestens drei Jahre und einen Tag nicht nach Hause zu kommen. Seinem Heimatort durfte er sich nur bis auf 50 Kilometer nähern.
Die Wanderschaft führte Jan-Kristoff Knaack von Deutschland über die Schweiz, Österreich, Polen, Tschechien und Italien bis nach Israel,Kanada und in die USA. "Unterwegs haben wir meistens bei privaten Familien wohnen dürfen und so die unterschiedlichsten Menschen und sozialen Schichten hautnah erlebt", berichtet Knaack. Ihre handwerkliches Können demonstrierten die Wanderer bei Hausbauten und -sanierungen und beim Zusammenzimmern von Möbeln. In New York, wo Knaack mit dem Wandergesellen Max Kraemer (25) aus Wülfrath lebte, wurden viele Freundschaften geknüpft. "Wir wohnten bei einem Paparazzi, der von uns Wandergesellen und unserer 'Uniform' beeindruckt war. Er berichtete in seinem Internet-Blog darüber und verschaffte uns dadurch einige Arbeitsaufträge."
Die Walz hat Knaack charakterlich verändert: "Früher war ich nervös und immer auf der Suche nach der nächsten Party. Heute bin ich viel ruhiger, fast tiefenentspannt."
Zum Entspannen blieb Jan-Kristoff Knaack bei der Ankunft in Oelstorf keine Zeit. Unter dem Jubel von rund 100 Angehörigen und Freunden musste "Molly" - so sein Spitzname - nach alter Schacht-Sitte über das drei Meter hohe Ortsschild klettern. Dabei wurde auch das Rätsel der runden Pappzahlen gelöst, die zuvor am Schild hingen: Claudia Knaack (50) hatte damit den Countdown bis zur Heimkehr ihres Sohnes gezählt. "Die Walz war für 'Molly' eine gute Lebensschule. Ich bin stolz auf ihn, dass er sie gemeistert hat", freute sich die Mutter.
Ganz aus der Schweiz ins rund 800 Kilometer entfernte Oelstorf war Michelle Lüscher (33) gekommen, um ihren zeitweiligen "Untermieter" Jan-Kristoff zu begrüßen: "Er ist witzig und hat eine gute Seele. Für ihn ist mir kein Weg zu weit!"